Bibelkritik als Wurzel des Übels
Welche Einbrüche finden wir heute im Lager der Evangelikalen? Man findet - und dies ist die Wurzel des Übels - die Ablösung einer konsequent bibeltreuen Haltung durch offene oder schleichende Anpassung an bibelkritische Systeme und bibelkritische Aussagen. Man sagt zwar noch, man glaube, dass die Bibel Gottes Wort ist, aber hinter der Tür schränkt man dieses ein: die Erschaffung der Welt in sechs Tagen, die Sintflut, die Vorschau der Propheten, dies wird häufig in Frage gestellt. Lernte man diese Kritik früher nur an der Universität, so heute leider auch in vielen sogenannten evangelikalen Bibelschulen. Man nennt diese Haltung dann dort „Hermeneutik der Demut“ oder – deutlicher - „gemäßigte Bibelkritik“. Man möchte zwar an den Heilstatsachen festhalten, wie z.B. am Sühnetod und der Auferstehung Jesu, an Jesu Jungfrauengeburt und Himmelfahrt, stellt aber z. B. die historische Bedeutung von biblischen Aussagen, die Verfasserschaft von bestimmten biblischen Büchern und die Zeiträume, in denen sie entstanden sind, immer massiver in Frage. Diese Aussagen zu glauben, sei ja nicht heilsnotwendig, wird behauptet. So gelangen diese Bibelschulen, die mit dieser ihrer neuen Haltung zunehmend die staatliche Hochschulanerkennung erlangen, zu dem Motto: „Gottes Wort ist unfehlbar, aber nicht in allen Fragen irrtumslos!“ Eine typische theologische Wortklauberei!
Distanzierung von „Fundamentalisten“
Dieses Motto kann man inzwischen leider von höchsten Repräsentanten der evangelikalen Bewegung hören. Vor einiger Zeit war zu lesen, dass Repräsentanten der evangelikalen Bewegung sich gegenüber denjenigen abgrenzen möchten, die die Bibel noch in allen Fragen für irrtumslos halten. Das heißt, man liefert die sogenannten Fundamentalisten, - dieses ursprünglich positive Wort ist ja leider zum negativen Kampfbegriff geworden - ans Messer, und versucht sich bereits jetzt schon von ihnen zu distanzieren: „Mit denen kann man ja nicht reden, aber wir sind für die neue Weltordnung, für die Zusammenarbeit mit Weltkirchenrat, UNO usw. offen. Die Radikalen könnt ihr dann einsperren.“ So ähnlich - nun etwas zugespitzt - wird schlimmstenfalls dann von Seiten der „gemäßigten Evangelikalen“ gesprochen werden.
Nur der schmale Weg führt ins Himmelreich
Aber wenn wir auf dem schmalen Weg (Matthäus 7, 13 f.) bleiben und keine Abstriche am Wort Gottes machen, dann gibt uns der HERR die Verheißung, dass wir die Krone des ewigen Lebens erlangen dürfen. Nur der schmale Weg führt ins Himmelreich. Im Buch der Offenbarung - Kapitel 22 - , am Ende der Heiligen Schrift, heißt es, dass man nichts von diesem Buch hinwegtun darf, weil einem sonst der Anteil am Baum des Lebens hinweggenommen wird, und dass man nichts hinzufügen darf, weil einem sonst die Plagen treffen werden, die in diesem Buch geschildert werden.
Die zerstörerischen Folgen der Bibelkritik
Die Bibelkritik relativiert z. B. die biblische Schöpfungslehre, die biblische Gemeindelehre und die biblische Endzeitlehre. Wer spricht heute noch vom Antichrist, vom kommenden Tausendjährigen Reich und anderen endzeitlichen Erscheinungen? Ich persönlich habe im Theologiestudium davon nie etwas gehört, sondern erst Jahre später in einem Vortrag von Fritz Grünzweig, der eine Auslegung zum Buch der Offenbarung geschrieben hat. Ausbildung schützt vor Torheit nicht, sondern manchmal hängt Ausbildung mehr mit Einbildung als mit Bildung zusammen. Ich möchte damit nicht sagen, dass alles falsch war, was ich im Studium lernte, aber vieles, was die Bibel lehrt, wurde einfach unterschlagen. So gibt es in vielen Kirchen keinerlei Endzeiterkenntnis und keine Erörterung von Endzeitfragen. Über die Wiederkunft Jesu wird vielleicht noch gesprochen, aber Begriffe wie endzeitliche Verführung, Antichrist, Trübsalszeit sowie Entrückungsfragen bleiben häufig völlig außen vor und werden überhaupt nicht thematisiert. Auch in evangelikalen Kreisen gibt es die große Dramatik, dass, wie gesagt, die Bibelkritik zunehmend eindringt. Wenn man die Bibel aber nicht mehr als die einzige und absolute Grundlage stehen lässt, sondern sie nur noch dem Namen nach, nominell, anerkennt, dann dringen alle möglichen Irrtümer aus dem Humanismus, dem Feminismus, dem Evolutionismus, dem Psychologismus und anderen „Ismen“ ein.
Die Irrlehre des Humanismus
Der Humanismus lehrt zum Beispiel: „Entdecke deine eigenen Potentiale!“ Wie viele Selbsthilfe- und Selbstverwirklichungsbücher finden wir heute auf evangelikalen Büchertischen! Es geht darin nur noch um das eigene Ich, etwas zugespitzt gesagt. Das positive Denken, etwa von Robert Schuller vertreten, mit dem Motto: „Entdecke deine eigene Kraft!“ ist eine einzige Irrlehre. Gott wird nur noch als „lieb und gut“ dargestellt und der Mensch letztlich auch als „gut“ ausgezeichnet. Von Sünde im biblischen Sinn wird gar nicht mehr gesprochen, weil dies zu negativ klingt; - ich spitze wieder etwas zu -, aber in diese Richtung geht heute die Tendenz.
Die Irrlehre des Feminismus
Zum Feminismus ist zu sagen, dass man zuerst in den Landeskirchen das Ältestenamt für Frauen und dann auch das Pastorat für Frauen eingeführt hat und mehrere Freikirchen dann nachgezogen sind. Ich bin durchaus für die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf politischem Gebiet und im beruflichen, gesellschaftlichen Bereich. In geistlichen Dingen hat uns die Bibel aber genaue Ordnungen gegeben, die wir nicht ungestraft überschreiten können. So sagt uns das Wort Gottes, dass die Frau in der Gemeinde nicht regieren und keine lehrmäßigen Aussagen festsetzen soll. So interpretiere ich die bekannten Stellen des Apostels Paulus zu diesem Thema (1. Kor 11,3 ff.; 1. Kor. 14, 34 ff.; 1. Tim 2,12 ff.). Es wird immer wieder gefragt, womit diese Gebote zusammenhängen. Im 1. Timotheus 2,9-15 steht z. B. zu lesen, dass Adam zuerst geschaffen wurde und dann Eva; und dass Eva sich zur Übertretung hat verführen lassen. Die Frau ist medial empfänglich und verführbar. So kam die Schlange nicht zu Adam, sondern zu Eva. Auch ist bekannt, dass die meisten Medien im Spiritismus Frauen sind. Frauen sind im medialen Bereich empfänglicher als Männer, wohingegen Männer sexuell leichter zu verführen sind: Der Mann wurde von Eva verführt, indem sie ihm die verbotene Frucht reichte. Natürlich können Männer auch genauso falsch wie Frauen predigen. Aber Gott hat Seine Ordnungen, so z. B. auch die christliche Haustafel in Epheser 5, 21 - 33, worin ganz klar gesagt ist, dass der Mann das Haupt der Frau ist und die Frau sich dem Manne unterordnen soll. Der Mann aber soll die Frau lieben, wie Christus die Gemeinde liebt! Unterordnung und Liebe sollen Hand in Hand gehen. So viel hier in Kürze zu der biblischen Sicht von Mann und Frau.
Die Irrlehre des Evolutionismus
Zum Evolutionismus ist zu sagen, dass sich viele Evangelikale nicht mehr davon abgrenzen, wobei gerade zur Zeit der Kampf um die Frage „Kreationismus oder Evolutionismus?“ heftig tobt. Viele sehen diese Frage als eher unwichtig an: „Hauptsache, Gott hat die Welt erschaffen“, beim „wie“ möchte man sich nicht festlegen. Dieser Rückzug geschieht aus der Angst heraus, nicht „in“, „modern“ oder „wissenschaftlich“ zu sein und somit gesellschaftlich geächtet zu werden, oder einfach aus Der schmale Weg Nr. 2 / 2009 17 Unglauben. Ich bin allerdings der Meinung, dass, wenn man an einem Punkt der Bibel Abstriche macht, auch der Rest nach und nach abbröckelt. Der Herr Jesus sagt in Matthäus 5, 18, dass kein Jota (I-Tüpfelchen) vom Wort Gottes verloren geht.
Die Aufweichung biblischer Ethik
Der nächste Einbruch im evangelikalen Lager ist die Aufweichung der biblischen Ethik (Moral-Lehre) durch die Relativierung und Missachtung biblischethischer Maßstäbe. So ist z. B. das uneheliche Zusammenleben in vielen Gemeinden längst gängig, was vor einigen Jahrzehnten undenkbar war. Heute ist dies Mode, und kaum ein Vermieter kümmert sich mehr darum. Ferner wird viel zu oft und zu schnell eine Scheidung durchgeführt. Dies dürfte nicht sein. Vor dem Gesetz in vielen Ländern gilt ja heute nicht mehr die Schuldfrage, sondern nur noch die Zerrüttungsfrage. Das Neue Testament hingegen erlaubt eine Scheidung nur, wenn Ehebruch oder Unzucht vorliegt (Mt 5, 32; 19, 9) oder wenn der ungläubige Partner sich vom Gläubigen trennen will (1. Kor 7,15). Heute ist es fast schon wieder wie zu der Zeit der Pharisäer, als der Mann sich von der Frau wegen eines angebrannten Essens oder wegen des Tragens von offenem Haar scheiden lassen konnte. Vielleicht gefällt einem ein anderer besser - und schon lässt man sich scheiden. Dies ist der gesellschaftliche Trend - eine schlimme Entwicklung!
Ungeistliche und okkulte Musik
Des Weiteren sind die Musikstile zu bedenken. Macht wirklich jeder Musikstil Gott Ehre? Ich bin der Ansicht, dass dies dann nicht der Fall ist, wenn Musik - gleich welcher Text damit gespielt wird - eine heidnische Wurzel hat bzw. heidnischen Ursprungs ist. Dies ist z. B. bei der Rockmusik eindeutig der Fall, da sie den afrikanischen Stammestänzen entspringt, womit Geister beschworen werden, und auch bei New-Age- Musik, die von der hinduistischen Trancetechnik stammt und den Menschen in einen hypnotischen Zustand bringt. Zu diesen Fragen gibt es ein gutes Buch von Professor Adolf Graul, der sich ein Leben lang mit dieser Thematik beschäftigt hat. Es heißt: „Rock-, Pop- und Technomusik und ihre Wirkungen“. Es enthält eine gründliche Widerlegung des Rockmusikkultes, der sich in vielen christlichen Gemeinden ausgebreitet hat.
Das Fehlen der Gemeindezucht
Was generell leider auch immer stärker eingeschränkt wird, ist die Gemeindezucht, das heißt das Ahnden von gravierenden Fehltritten in der Christengemeinde, wie z.B. vorübergehender Ausschluss wegen Ehebruchs, wenn der Sünder uneinsichtig bleibt. Viele Gemeindeleitungen lassen heutzutage „fünf gerade sein“ und greifen nicht mehr durch, zum Schaden der Gesamtgemeinde (vgl. 1. Korinther 5).
Glaubt Gott an mich?
In der Seelsorge und gemeindlichen Ausrichtung steht heute oftmals das Ich mit seinen Bedürfnissen über der Majestät und Heiligkeit Gottes. Häufig findet eine anthropozentrische Verkündigung statt, das heißt, eine Verkündigung, in welcher der Mensch und nicht mehr Gott im Mittelpunkt steht. Da fallen dann Slogans wie: „Du bist Wer!“, „Gott liebt dich, wie du bist“, „Gott möchte, dass der Mensch groß ist und etwas aus sich macht“. Solche Sätze finden sich heute in allen Medien (TV, Büchern, Radiosendungen, etc.) am laufenden Band. Die totale Verdrehung des Evangeliums beinhaltet die von mir gelesene Äußerung: „Gott glaubt an dich!“ bzw. „Gott glaubt an uns!“ Dieser Satz wurde tatsächlich in Einladungen zu einer Evangelisation gedruckt. Als ob Gott an uns Sünder glauben bzw. auf uns Sünder bauen könnte! Wir brauchen Gott - nicht umgekehrt! Der Slogan „Gott glaubt an Dich!“ kehrt den Begriff des Glaubens in sein Gegenteil. Gott ruft uns, Er liebt uns und lädt uns zu einem Leben mit Ihm, unter Seiner Herrschaft ein. Er möchte uns aber verändern, indem Er uns unsere Sünden vergibt und uns in das Bild Jesu gestaltet. Er glaubt nicht an uns, wie wir von Natur aus sind, sondern Er weiß, dass wir gefallene Geschöpfe, Sünder, sind. Er möchte unsere Umkehr und kann uns nur annehmen, wenn wir Buße tun und uns abwenden von unseren bösen Wegen und unserem Eigensinn.
Psychologie verdrängt Seelsorge
Ein weiterer Punkt ist der Ersatz wahrer biblischer Seelsorge mit Sündenerkenntnis, Buße und Vergebung durch Methoden humanistischer Psychologie. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ist die Gruppendynamik in etliche Kirchen und Sekten eingedrungen. Die Menschen ziehen sich in gruppendynamischen Sitzungen seelisch voreinander aus und sollen durch die Gruppe verändert werden. Dies sind unheimliche Prozesse - Vorgänge, die den Menschen zutiefst aufwühlen, verstören, und zerbrechen können. Ich habe das selbst erlebt und daraufhin ein Buch über Gruppendynamik geschrieben, indem ich mich in Literatur vertieft und den erlebten Vorgang analysiert habe. Das Motto dieser gruppendynamischen Prozesse lautet: „Fühlen statt zu denken!“. Der Verstand wird dabei ausgeschaltet, das Gefühl soll herrschen und Der schmale Weg Nr. 2 / 2009 19 die Emotionen freigesetzt werden. Dadurch wird der Mensch verändert und aufgeknackt wie eine Nuss. Eine schreckliche Manipulation am Menschen. Die Leiter solcher Seminare genießen übrigens oft ihre Macht über die Teilnehmer, die sich willig in den Untergang führen lassen, weil sie der irrigen Annahme sind, diese Führer meinten es gut mit ihnen. Das Selbst des Menschen wird bei diesen Vorgängen scheinbar aufgepäppelt und doch zerbrochen, - allerdings durch Menschen und nicht durch Gott. Wenn aber der Mensch den Menschen zerbricht, zerstört er ihn. Wenn dagegen Gott uns zerbricht, dient dies zu unserm Besten und schafft etwas Neues in Gottes Sinne.
Evangelikale Spaßgesellschaft
Die nächste Zeit-Erscheinung ist die Übernahme der Spaßkultur, die sich mit Show, Fun und Technopartys in den christlichen Gemeinden Bahn bricht. Ich habe bei einer sogenannten Evangelisation selbst erlebt, wie ein Künstler das Vaterunser mit Kegeln „jongliert“ hat. Meine Mutter, damals noch eine nominelle Katholikin, war dabei und hat diesen Vorgang als „Gotteslästerung“ bezeichnet. Bei einer anderen Evangelisation war eine derart laute, extreme Musik zu hören, dass der Besucher, den ich mitgenommen hatte und der damals noch nicht gläubig war, äußerte, dass er lieber in den Zirkus ginge, da hätte er mehr davon. Sehr oft nehmen ungläubige Menschen Anstoß an den überdehnten und weltlichen Vorprogrammen von evangelikalen Evangelisationen, wie sie heutzutage leider zunehmen. Ungläubige haben offensichtlich manchmal ein besseres Empfinden für Unpassendes im Gottesdienst als manche etablierten, weltgewohnten Christen! Das sollte uns demütigen und zur Umkehr leiten!
Lachparade mit Jesus?
Ein schwerer Tiefpunkt war für mich ein Ereignis bei dem Jugendkongress Christival. Dort wurde in einer groß angekündigten Abendveranstaltung zur „Jesus-Lachparade“ eingeladen. Als „Teilnehmer“ wurden angekündigt: „Jesus Christus“ und einige Namen von bekannten evangelikalen Clowns, Kabarettisten und „E-fun-gelisten“ (deutsch ungefähr: „Spaß-Evangelisten“). Solche traurigen Verirrungen habe ich ausführlich in meinem Buch „Pietismus - wohin?“ behandelt. Pietismus - wohin? Evangelikale – wohin? - dies ist hier wirklich die Frage! Man könnte die Spaß-Entgleisungen schier endlos aufzählen: Kirchendisko, Kirchentechnoparty, Jesus House, gotteslästerliche „Volx- Bibel“ in abartiger Gossensprache u.s.w. Viele echte Christen leiden darunter (auch unter der immer aufreizender werdenden Mode bei „christlichen“ Veranstaltungen!) und fragen sich, in welche christliche Gemeinde man heute noch gehen und wohin man vor der „christlichen“ Spaßkultur und Verweltlichung fliehen kann.
Wer die Welt in die Gemeinde holt, macht die Gemeinde zur Welt
Vielleicht sind diejenigen, die sich heimatlos fühlen, aufgerufen, einen Hauskreis zu gründen?! Andere Geschwister werden dann hinzukommen. Solche Entwicklungen gibt es jetzt an vielen Orten. Die etablierten christlichen Gemeinden zerstören sich selbst durch Bileamsgeist und Vermischung. Denn es gilt: Wer die Welt in die Gemeinde holt, macht die Gemeinde zur Welt! Der HERR selbst baut sich dann eine neue, Ihm gehorsame Gemeinde!
Aggressive Vermarktung des Evangeliums
Weiter findet sich die Vermarktung des Evangeliums durch aggressive Werbemaßnahmen von Verlagen, unverschämt hohe Gagen von Künstlern und unlautere, manipulative und drängende Kollektenpredigten. Manchmal ist die Kollektenpredigt länger als die eigentliche Predigt. Kannte man dies bisher nur von Fernsehpredigern in den USA, so breitet sich diese Methode allmählich auch bei uns aus. Ein schlimmer Missstand, bei dem es nur noch um Geld geht.
Wohlfühl- und Wohlstandsevangelium
In diesem Sinne wird auch immer mehr einem sogenannten „Wohlfühl- und Wohlstandsevangelium“ das Wort geredet. Da bekommt man dann zu hören: „Wer arm ist, glaubt zu wenig.“ Im Gegensatz dazu preist Jesus in Lukas 6 die Armen selig und in Matthäus 5 die Armen im Geist. Über die Reichen hingegen ergehen Seine Weherufe: „Weh euch, ihr Reichen, ihr habt euren Lohn dahin!“ Die Reichen können nur Segen empfangen, wenn sie ihren Reichtum mit anderen, mit den Armen teilen und ihr Vermögen für das Reich Gottes einsetzen, aber nicht, wenn sie ihn für sich anhäufen. Im Alten Testament war Besitz zwar ein Zeichen von Segen, sofern er durch ehrliche Arbeit und Fleiß erworben wurde (man denke an Abraham, Hiob und andere). Insgesamt aber redet die Bibel eher einer materiellen Bedürfnislosigkeit das Wort. Jesus spricht bezüglich des irdischen Besitzes: Sorget euch nicht darum … Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch solches alles zufallen ... (Matthäus 6). Auf jeden Fall ist nach gesamtbiblischer Aussage das Motto: „Wer arm ist, glaubt zu wenig.“ eine Irrlehre.
Verflachung der Lehre
Zunehmend erfolgt ein Ersatz biblischer Lehre durch eine flache Romankultur. So finden sich auf etlichen christlichen Büchertischen fast nur noch christliche Romane. Diese sind zum Teil durchaus ansprechend und es gibt echte Perlen darunter (vor allem bei älteren Erzählungen). Aber wenn man nur noch Romane mit christlichem Touch liest, dann setzt man sich nicht mehr wirklich mit tiefgehender biblischer Lehre auseinander. Der Mensch will dann nur noch unterhalten werden. Die Lehre darf aber für ein gesundes Leben als Christ nicht fehlen.
Oberflächliche Liedtexte
Leider findet sich auch ein großer Verlust an biblischer Substanz und lehrmäßigem Tiefgang bei vielen neuen christlichen Liedern. Dies sage ich als jemand, der selber viele neue christliche Lieder geschrieben hat. Nicht alle meiner Lieder würde ich mehr so schreiben, wie ich es in meiner Jugend getan habe. Einige Komponisten haben dafür gebetet, dass die verflachende Lobpreiswelle abnimmt und wieder tiefer gehende Lieder komponiert werden. Möge Gott dazu Gnade schenken! In vielen dieser flachen Lieder reißt man Bibeltexte aus dem Zusammenhang und verschiebt sie in eine falsche Heilsepoche. So tut man, als sei das Tausendjährige Reich schon angebrochen und wir würden schon jetzt mit dem König Jesus Christus regieren. Da wird dann der Sieg ausgerufen, „proklamiert“, und man steigert sich in eine unnüchterne, vorweggenommene Euphorie hinein, in welcher die Heilsepochen verschoben werden. Weiter gibt es Lieder, die sich fast nur noch mit dem Menschen beschäftigen. Am bekanntesten ist wohl der Refrain: „Du bist du, das ist der Clou!“ Da frage ich mich, ob das noch viel mit Gott zu tun hat. Nein, hier wird der Mensch aufs Podest gehoben - die alte Gefahr des Selbstruhms!
Ausgeblendete Themen der Bibel
Sehr gefährlich ist auch das Verschweigen grundlegender biblischer Themen wie etwa Sünde, Buße, Kreuz, Ernst der Nachfolge, Hölle und ewige Verdammnis. Diese Wahrheiten werden durch ein „Soft-Evangelium“ ersetzt: „Wir dürfen kommen, wie wir sind, und (darauf läuft es oft hinaus) wieder gehen, wie wir sind.“ Dies ist eine Halbwahrheit! Natürlich kann ich zu Jesus nur so kommen, wie ich bin, aber die Begegnung mit Ihm lässt mich meine Sünde erkennen, bekennen und ablegen und macht den Wunsch in mir groß, Ihm nachzufolgen und in Seinem Sinne zu leben. Der Heilige Geist verändert mich in das Bild Jesu Christi. Das ist Gottes Ziel mit uns!
Respektlosigkeit vor Gott
Manchmal hört man in „Gottesdiensten“ flapsige Bemerkungen wie „Gott hat ein Ass im Ärmel.“ Dabei wird nicht mehr mit dem nötigen Respekt von Gott und Seinem Wort gesprochen! So wird auch die Liebe und Zärtlichkeit Gottes gegenüber Seiner Heiligkeit und dem Ernst Seines Gerichtes überbetont. Auch wenn es weh tut, von Gericht und Hölle zu reden, darf man dieses Thema aber nicht verschweigen. Gott ist Liebe, das ist richtig, aber gerade weil Gott Liebe ist, ist Er auch heilig und gerecht und kann Sünde nicht „durchgehen“ lassen, sondern nimmt uns nur an, wenn wir den stellvertretenden Tod Jesu für unsere Sünden in Anspruch nehmen.
Unbiblische Einheits- und Harmoniesucht
Weiter wird der biblische Bekennerund Widerstandsgeist durch eine falsch Der schmale Weg Nr. 2 / 2009 22 verstandene Einheits- und Harmoniesucht ersetzt. Gerade in der postmodernen Beliebigkeitsreligion wird die Harmonie auf Kosten der Wahrheit über alles gestellt. Aber nach 1. Korinther 5 und Matthäus 18 sollte man auch Gemeindezucht üben (siehe oben). Biblische Apologetik (Verteidigung) in der Theologie, wie z. B. die Unterscheidung der Geister, wird heute völlig unterbetont. Man findet als Gegensatz dazu eine zunehmende Offenheit für eine Ökumene der Konfessionen und zum Teil auch bereits der Religionen - auch unter führenden Evangelikalen. So wurden im „Eins-Magazin“ der Deutschen Evangelischen Allianz sogar schon hinduistisch gefärbte Gebetstechniken empfohlen, wie z. B. das „Atemgebet“. Auf dem Europatag in Stuttgart
haben führende Evangelikale zusammen mit extrem katholischen (z.B. marianischen) und sogar interreligiös tätigen Bewegungen teilgenommen, um für das vereinte Europa einzutreten. So wurde dort zwar von einem führenden Evangelikalen gesagt, dass Europa Christus brauche, aber es wurde nicht gesagt, dass Europa allein Christus brauche! Darauf aber gilt es zu achten und hieran ist Verführung zu erkennen!
Jesus und … - oder Jesus allein?
Die reformatorische Entdeckung war ja dieses berühmte „Allein“, wodurch die Rettung des Menschen erfolgt: allein Jesus Christus, allein das Wort Gottes, allein aus Gnade und allein durch den Glauben! So werden von den Ökumenikern die Begriffe Christus, Gnade, Bibel und Glaube zwar auch verwendet, aber ohne die Wucht des „allein“! Nein, es heißt dann: Jesus und ... (Maria, Islam, Assisi, etc.). Dies ist der entscheidende Punkt. Wenn man nämlich wirklich dieses „allein“ betont, kann man nicht mit solchen zusammenarbeiten, die das „Jesus und...“ propagieren - Jesus und Europa, Jesus und die Religionen, Jesus und der Weltfriede, Jesus und die UNO usw.
Verspottung klar stehender Christen
Geschwister, die an den eindeutigen Maßstäben der Heiligen Schrift festhalten, werden als engstirnig, gesetzlich und vorgestrig verspottet. Wir sind dann die „bösen Fundamentalisten“, von denen man sich abgrenzt, damit man keine Probleme mit der Welt bekommt. Dies ist der Geist der Vermischung, der Geist Bileams und der Nikolaiten gemäß Offenbarung 2. Im Sendschreiben an Pergamon (Offb. 2,12-17) heißt es: Tue Buße! Sonst
komme Ich (Jesus Christus) rasch über dich und werde gegen sie Krieg führen mit dem Schwert Meines Mundes. Der Herr selbst wird für die streiten, die wirklich auf dem schmalen Weg wandeln und Er wird dem Irrtum durch Sein Schwert (das Wort Gottes) ein Ende machen. Er schenkt heute
schon Unterscheidung der Geister. Wir müssen ein klares Wort sagen und dürfen uns nicht verstecken. Wir müssen dazu beitragen, dass noch viele aus dem falschen Einheitssog herausgerettet Der schmale Weg Nr. 2 / 2009 23 werden. Dies ist eine sehr unpopuläre Aufgabe, und wir können selbst auch irren! Aus diesem Grunde müssen wir uns gegenseitig tragen und korrigieren, damit wir Klarheit und Kraft und die rechte Liebe haben, um anderen durch den Herrn Jesus Christus aus der Vermischung herauszuhelfen und uns selbst davor zu bewahren.
(Lothar Gassmann, CGD Pforzheim, Auszug aus "Der schmale Weg" Heft 2/2009)


