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Göttliche Liebe ist weder blind noch taub

Zum großen Nachteil für die Wahrheit tragen die Heiligen die dünnste Haut, die es auf der Welt gibt. Gottes Kinder sind genauso leicht verletzt wie frisch geschlüpfte Kolibris, und das Schlimmste ist, diese Haut heilt auch sehr schlecht. Daran wurde ich vor einiger Zeit erinnert, als ich eine nicht böse gemeinte, wenn auch realistische Einschätzung über ein schlechtes Buch geschrieben hatte. Es war nicht im moralischen Sinn schlecht, sondern eben als Buch.

Ich wollte niemandem eins auswischen, sondern versuchte meine Ansichten sogar mit etwas zu mildern, was ich für bemerkenswerten Humor hielt. Zur Ehre des Autors sei gesagt, dass er mich und meine Besprechung einfach ignorierte; doch einige meiner Freunde waren über meinen Text entsetzt. Sie meinten, ich hätte durch meine Offenheit mein christliches Zeugnis beschädigt und gegen die Einheit des Geistes und gegen den Bund des Friedens gesündigt. Führte ich tatsächlich ein Siegesleben, so schlossen sie, dann hätte ich mich niemals dermaßen scharf über das Buch eines Mitchristen ausgelassen.

Ich fürchte, dass es immer zartbesaitete Seelen gibt, die meinen, der einzige Weg, freundlich zu bleiben, sei der des Stillschweigens. Solche Leute halten Ehrlichkeit für fleischliche Gesinnung. Diese ängstlichen Heiligen verwechseln Demut mit Furcht und meinen, Leichtgläubigkeit und Heiligkeit seien dasselbe. Wie sie es sehen, sollte jedem von einem Evangelikalen geschriebenen Buch von allen anderen Evangelikalen aus vollem Herzen ein Blankoscheck ausgeschrieben werden, einerlei wie niveaulos es ist.

Alles andere ist lieblos und unchristlich. Diese weichliche Haltung hat unter anderem dazu geführt, dass die Mittelmäßigkeit auf dem Felde evangelikaler Literatur zur Normalität geworden ist. Kitschiges Denken und noch kitschigeres Schreiben sind heute das Markenzeichen der Orthodoxie.

Das grämt alle Bessergesinnten und erfreut die Feinde Christi. Solange man es für den Erweis fortgeschrittener Heiligkeit hält, wenn man alles von Evangeliumschristen Geschriebene wertschätzt, und solange es für fleischlich gilt, wenn man irgendetwas von ihnen Verfasstes kritisiert, kann es nur abwärts mit uns gehen.

Wenn die Dinge so weiter laufen wie bisher, werden wir Konservativen bald in einer Welt freundlicher Irrealität leben, in der furchtsame Brüder mit »Preis den Herrn!« umherziehen und einander zu jedem literarischen Werk beglückwünschen, auch wenn es inhaltlich und dem Stil nach so abscheulich ist, dass es in einem wirklich guten Verlagshaus schon vom jüngsten Lehrling abgelehnt würde.

Es kann nur zutiefst bedauert werden, dass die Furcht, jemand zu verletzen, die Stimmen so vieler nachdenklicher Menschen zum Schweigen gebracht und das biblische Christentum denen überlassen hat, die nicht nachdenken.

Die christliche Musik ist schon längst dieser schwächlichen und verdrehten Philosophie der Gottseligkeit zum Opfer gefallen. Schönes christliches Liedgut wurde abgeschafft und von lauten, wilden Leuten an die Wand gedrückt, die sich wegen der Furchtsamkeit der Heiligen nur schon allzu lange entfalten konnten. Das tragische Ergebnis ist das Heranwachsen einer ganzen Generation von Christen, denen der uns von altersher überlieferte goldene Liedschatz völlig unbekannt ist.

Das blecherne Horn hat die silberne Trompete verdrängt, und unsere geistlichen Führer wagten nicht zu protestieren. Ironischerweise singen die modernistischen Kirchen die großen Choräle, deren Theologie sie doch verwerfen, und wiedergeborene Christen, die sie glauben, singen sie nicht mehr. In ihren Liederbüchern stehen jetzt Lieder ohne geistliche Substanz mit Melodien ohne Schönheit.

Nicht nur unsere geistliche Literatur und unser Liedgut haben unter der Ansicht gelitten, wahre Liebe müsse zu aller und jeder Abscheulichkeit schweigen, nein, beinahe alle Bereiche unseres gemeindlichen Lebens sind davon betroffen worden.

Früher genügten Bibel und Liederbuch, um evangelikalen Christen die Möglichkeit zu geben, in der öffentlichen Versammlung ihre Freude auszudrücken, doch heute brauchen wir tonnenweise Apparate, um den heidnischen Appetit von Leuten zu stillen, die sich selbst als Christen bezeichnen. Im Alten Testament wird berichtet, dass nach Jahren schlechter Regentschaft das Volk Juda auf die Knie gezwungen war.

Da kam ein neuer König, Hiskia, auf den Thron. Sofort rief er die Priester und Leviten zusammen und sagte ihnen: »Hört mich, ihr Leviten! Heiligt euch nun und heiligt das Haus des HERRN, des Gottes eurer Väter, und schafft den Unflat aus dem Heiligtum!« Und die Priester gingen in das Innere des Hauses des HERRN, um es zu reinigen.

Und sie brachten alles Unreine, das sie im Tempel des HERRN fanden, in den Hof des Hauses des HERRN hinaus. Und die Leviten nahmen es in Empfang, um es an den Bach Kidron hinauszubringen (2. Chronika 29,5.16). Es dauerte eine Woche, bis der Dreck draußen war; aber nachdem sie Gott gehorcht hatten, brach augenblicklich das helle Licht einer Erweckung auf, und die guten Auswirkungen hielten dreißig Jahre an.

Ich möchte nicht zu scharfe Parallelen zwischen den Verhältnissen unter Ahas und den Zuständen in den heutigen Gemeinden ziehen; aber jede erleuchtete Seele kann erkennen, wie bitter nötig wir furchtlose Führer und mutige Reformatoren haben, die es wagen, ein heiliges Urteil über alle unbiblischen Vorgänge in der Mehrheit unserer Gemeinden zu fällen, mit denen man neutestamentliches Christentum ersetzt hat.

Vielleicht gibt es schon irgendwo ein noch völlig unbekanntes sommersprossiges Bürschchen, das den Ruf Gottes vernehmen und in unerschrockener Liebe zum Gewissen der Kirche werden wird. Heutzutage verstecken sich zu viele Propheten des HERRN in ihren Höhlen; aber irgendwann mag ein Elia aufstehen.

Die blutleeren Weichlinge werden zunächst sagen, er sei lieblos und hart; doch wenn er die Propheten Baals in die Flucht geschlagen hat, werden sie ihm allmählich folgen und so auszusehen versuchen, als seien sie schon immer auf seiner Seite gewesen. Nun, er kann überhaupt nicht früh genug kommen!

(Aus A.W. Tozer "Wie kann man GOTT gefallen" - erschienen bei CLV)


Ehre GOTT, nicht Menschen! - von Paul Washer



"Wir aber bauten [weiter] an der Mauer; und die ganze Mauer schloss sich bis zur halben Höhe. Und das Volk gewann Mut zur Arbeit."

"Und von den Bauleuten hatte jeder sein Schwert an die Seite gegürtet und baute so; der Schopharhornbläser aber stand neben mir."

"Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, vor die Männer und Frauen und alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören, am ersten Tag des siebten Monats."

"Und der Same Israels sonderte sich von allen Kindern der Fremden ab, und sie traten hin und bekannten ihre Sünden und die Missetaten ihrer Väter. Und sie standen auf an ihrem Platz, und man las im Buch des Gesetzes des HERRN, ihres Gottes, während eines Viertels des Tages: und sie bekannten [ihre Sünden] und warfen sich nieder vor dem HERRN, ihrem Gott, während eines anderen Viertels des Tages."

"Und es geschah, als sie nun das Gesetz hörten, da sonderten sie alles Mischvolk von Israel ab."

"Und ich befahl den Leviten, sich zu reinigen und zu kommen und die Tore zu hüten, damit der Sabbattag geheiligt werde. — Mein Gott, gedenke mir auch dessen, und verschone mich nach deiner großen Gnade!"

(aus dem Buch Nehemia)