Apostelgeschichte Kap. 2-10 in fünfundzwanzig Predigten im Jahre 1873 gehalten;
11. Predigt – Apostelgeschichte 8,26-28 gehalten den 3. August 1873 vormittags von H.F. Kohlbrügge
Als unsere Textesworte, meine Geliebten, wollet ihr aufschlagen Apostelgeschichte 8,26-28:
"Aber der Engel des Herrn redete zu Philippo und sprach: Stehe auf und gehe gegen Mittag auf die Straße, die von Jerusalem gehet hinab gen Gaza, die da wüste ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Mohrenland, ein Kämmerer und Gewaltiger der Königin Candaces in Mohrenland, welcher war über alle ihre Schatzkammern, der war gekommen gen Jerusalem, anzubeten, und zog wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja."
Wir haben vor uns die Erfüllung gewaltiger Weissagungen, welche des Trostes gar viel in sich haben. Wir haben vor uns einen Wunderweg Gottes, welchen er durch seinen Engel, seinen starken Boten des Friedens, ausrichtet. Wir haben vor uns einen für die Vernunft verkehrten Weg, welcher doch der richtige war. Wir haben vor uns einen Mann, welcher seine Haut nicht verändern konnte, einen mächtigen Herrn, welcher Gott fürchtet, und wir haben endlich vor uns das Buch des Propheten Jesaja.
Bei der jungen Gemeine in Samaria ist große Bekümmernis und Sorge gewesen, nämlich, was es wohl geben werde, wenn Philippus einmal von ihnen hinweggenommen, wenn er wieder hinwegziehen würde; denn es war ja der arge Simon, der Zauberer, in der Stadt, und wenn derselbe nun auch getauft wurde und sich an Philippus hing, so konnte doch bei manchen die Seele seinetwegen nicht so ganz beruhigt werden.
Nunmehr aber war diese Sorge beseitigt, denn es waren die Apostel Petrus und Johannes von den übrigen Aposteln nach Samarien gesandt worden. Diese hatten auf die junge Gemeine ihre Hände gelegt, daß sie begnadigt wurde mit allerlei Gaben des Heiligen Geistes und so in der Wahrheit und in der Liebe festgewurzelt war.
Simon, der Zauberer, zeigte bald, wes Geistes Kind er war, da er meinte, mit einer großen Summe die Gabe, den Heiligen Geist zu erteilen, an sich ziehen zu können. Er dachte also, das Himmlische sei käuflich. Diesen Simon hatte der Apostel Petrus lahm gelegt, so daß er, nachdem Petrus voll hohen Ernstes zu ihm gesprochen, voll Schrecken ist und hernach nichts anderes hat denken können als: die ewige Verdammnis werde ihn treffen, darum hat er sich denn still halten müssen. Der Teufel ist also hier besiegt in Simon dem Zauberer. Nun muß aber das Wort weiter.
Das Wort ist wie ein Strom, wie ein gnädiger Regen; das hat der Mensch nicht in Pacht; und die Gnade, wie sie denn Gnade ist, will sich weiter und weiter verherrlichen. Von den Engeln Gottes lesen wir, daß sie dienstbare Geister sind, ausgesandt um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Wir lesen von ihnen öfter in der Apostelgeschichte.
So heißt es z. B. Apg. 10,1 ff.: „Es war aber ein Mann zu Cäsarien, mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die Welsche, gottselig und gottesfürchtig, samt seinem ganzen Hause, und gab dem Volk viele Almosen und betete immer zu Gott. Der sah in einem Gesicht offenbarlich um die neunte Stunde am Tage einen Engel Gottes zu ihm eingehen.“
Das war nicht eine bloße Erscheinung, welche alsbald wieder vorüberging, sondern der Engel redete mit ihm, mit derselben Stimme, die uns eigen ist, mit menschlicher Stimme, und der Engel wußte auch seinen Namen, denn er sprach zu ihm: „Korneli!“ Er aber sah ihn an, erschrak und sprach: „Herr, was ist es?“ Er aber sprach zu ihm: „Dein Gebet und deine Almosen sind hinaufgekommen in das Gedächtnis vor Gott.
Und nun sende Männer gen Joppen und laß fordern Simon, mit dem Zunamen Petrus.“ So lesen wir auch, daß einmal ein Engel Gottes das Gefängnis aufgetan, Ketten und Bande von den Händen der Apostel abgenommen, sie durch alle Türen hindurch geführt und die Türen wieder zugemacht habe (Apg. 5 u. 12).
Ebenso lesen wir Apg. 27,21: „Und da man lange nicht gegessen hatte, trat Paulus ins Mittel unter sie und sprach: Liebe Männer, man sollte mir gehorchet haben und nicht von Kreta aufgebrochen sein, und uns dieses Leidens und Schadens überhoben haben.“ Diese Männer hatten nämlich, was sonst natürlich und verständig ist, dem Schiffskapitän mehr geglaubt als dem Apostel; denn man weiß oft nicht, was man in seiner Mitte hat, man verachtet oft, was man hat, und gibt nicht acht darauf.
Bis auf heute aber gibt es solche, welche noch ganz andere Augen haben als ein Minister oder als ein Kapitän; aber kein Prophet ist geachtet in seiner Stadt. „Und nun ermahne ich euch, daß ihr unverzagt seid; denn keines Leben aus uns wird umkommen, ohne das Schiff; denn diese Nacht ist bei mir gestanden der Engel Gottes, des ich bin und dem ich diene, und sprach“ – er kennt den Apostel auch mit Namen und spricht mit menschlicher Stimme: „Fürchte dich nicht, Paule, du mußt vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir schiffen.“
So wird es wahr, was wir lesen Ps. 103,20: „Lobet den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme seines Worts.“ Ebenso lesen wir auch hier in unsern Textesworten von einem Engel; denn ihr müßt bedenken, was Gott für ein Vorhaben hatte: Mohrenland sollte sein Wort haben, und darum schickt er seinen Engel, und dieser redet mit Philippus hörbare Worte, die Philippus verstehen kann, und wir sollen es wohl wissen, daß diese Worte: „Lobet den Herrn, ihr, seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme seines Worts“, – immergeltende Worte sind.
Es soll die Weissagung erfüllt werden, die wir lesen Ps. 68,30-32: „Um deines Tempels willen zu Jerusalem werden dir die Könige Geschenke zuführen“, – das war der äußerliche Tempel, so lange der Tempel noch ein Haus des Vaters war; später war es das Volk, welches Gott sich geheiliget hat, und da dieses Gottes Tempel war, war es nicht mehr ein Haus von Holz und Stein.
„Schilt das Tier im Rohr, die Rotte der Ochsen unter ihren Kälbern, die da zertreten um Geldes willen. Er zerstreuet die Völker, die da gerne kriegen. Die Fürsten aus Ägypten werden kommen. Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott.“ Sehen wir uns zuerst das „Tier im Rohr“ an, „die Rotte der Ochsen unter ihren Kälbern, die da zertreten um Geldes willen.“ Das Tier im Rohr war das feiste Nilpferd mit seinen zermalmenden Zähnen.
Denken wir an die lieben Brüder und Schwestern, die im Gefängnis sich befinden, so verstehen wir unter dem Tier im Rohr den schrecklichen Saulus, und unter der Rotte der Ochsen unter ihren Kälbern die Pharisäer und Sadduzäer.
Es wütet Saulus wider die Brüder und Schwestern, die im Gefängnis liegen, er zwingt sie zu lästern, aber all sein Wüten hilft ihm nichts; der Herr Jesus gibt ihnen den Geist der Weisheit und der Beharrung, sie singen Psalmen im Gefängnis, und wenn sie einen Psalm gesungen haben, den sie besonders bevorzugten, dann war es gewiß der 68. Psalm, welcher von jeher der Psalm der Märtyrer gewesen ist, der Psalm aller derer, welche um des Zeugnisses Jesu willen im Gefängnis haben schmachten und ihr Leben hingeben müssen.
Wenn sie nun diese Worte gesungen haben, dann haben sie an Saulus gedacht, ihren wütenden Verfolger, an die Schar der Pharisäer und Sadduzäer, die um eines Stückes Silber willen wüten und rasen, und haben gebetet, daß in Erfüllung gehen möge, was hier steht: „Die Fürsten aus Ägypten werden kommen, Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott!“ –
Wir haben noch einen ähnlichen Psalm, den 87. Daselbst lesen wir Vers 3 u. 4: „Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes. Ich will predigen lassen Rahab“, – das ist Ägypten, – „ich will predigen lassen Rahab und Babel, daß sie mich kennen sollen. Siehe, die Philister und Tyrer, samt den Mohren werden daselbst geboren“, nämlich in Zion, in der Stadt Gottes.
Vor etwa zehn Jahren sprach ich in Basel mit einer bekehrten Jungfrau aus Mohrenland und fragte sie: „Wo sind Sie geboren?“ Sie nannte mir den Ort, wo sie geboren war, ich aber schüttelte den Kopf und wollte eine andere Antwort haben. „Ach, Herr Pastor“, entgegnete sie darauf, „jetzt verstehe ich Sie, ich bin in Zion geboren.“ Diese schwarze Jungfrau mit fürchterlich dicken Lippen und roten Augen sprach: „Ich bin in Zion geboren!“
Dieser schwarze Eunuch, welcher nach Jerusalem kommt, war wahrscheinlich, wenigstens nach dem griechischen Worte, das wir hier für „Kämmerer“ haben, ein Verschnittener; – „wahrscheinlich“, sage ich, ich will es nicht bestimmen. Nun schlaget auf Jes. 56,2.3: „Wohl dem Menschen, der solches tut, und dem Menschenkind, der es festhält, daß er den Sabbat halte und nicht entheilige, und halte seine Hand, daß er kein Arges tue.
Und der Fremde“, der also ein Nicht-Jude, ein Nicht-Israelite ist, ein Heidenkind also, das zu sich selbst sprechen muß: „Ich gehöre nicht zum Volke Gottes, das ist ein heiliges, auserwähltes Volk, aber so wie ich mich kenne, kann ich nicht auf Seligkeit hoffen; ich bin nicht auserwählt, ich bin ein verworfenes Geschöpf, ja, ich bin verworfen; denn es ist alles nichts mit meiner Bekehrung; ich finde, daß ich tagtäglich mit der bösen Lust des Fleisches zu streiten habe, und sinke nur immer tiefer hinein; zum Volke Gottes gehöre ich nicht, ich darf mich nicht zu ihnen zählen“, – „und der Fremde, welcher zum Herrn sich getan hat“, indem er doch wieder sagen muß: ich kann ihn nicht lassen, ich weiß sonst nicht zu bleiben, ich muß es wagen! – „Allein zu dir, Herr Jesu Christ!“ – der soll nicht sagen: „Der Herr wird mich scheiden von seinem Volk!“
Und der Verschnittene soll nicht sagen: „Siehe, ich bin ein dürrer Baum!“ er sei nun wirklich ein Verschnittener oder er fühle sich geistig so. Der Verschnittene, welcher kein einziges gutes Werk zustande bringen, der keine Frucht bringen kann der nichts zu schaffen vermag, der soll nicht sagen: „Ich bin ein dürrer Baum.“
„Denn so spricht der Herr zu den Verschnittenen, welche meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und meinen Bund fest fassen: Ich will ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern einen Ort geben, und einen bessern Namen denn den Söhnen und Töchtern; einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.
Und der fremden Kinder, die sich zum Herrn getan haben, daß sie ihm dienen und seinen Namen lieben, auf daß sie seine Knechte seien, ein jeglicher, der den Sabbat hält, daß er ihn nicht entweihe, und meinen Bund festhält, – dieselben will ich zu meinem heiligen Berge bringen, und will sie erfreuen in meinem Bethause, und ihre Opfer und Brandopfer sollen mir angenehm sein auf meinem Altar; denn mein Haus heißt ein Bethaus allen Völkern.“ –
Nun diese Weissagung mußte erfüllt werden, und die beiden Verse: „Schilt das Tier im Rohr, die Rotte der Ochsen unter ihren Kälbern, die da zertreten um Geldes willen“, und: „Die Fürsten aus Ägypten werden kommen, Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott“, – haben ihre stete Erfüllung.
Ich habe in Basel wohl den einen und andern Mohren, – Abessinier nennt man sie jetzt, – gesprochen, welche ganz kindlich waren, und in deren Herzen nichts lebte als der Herr Jesus, sein Blut und seine Gnade. So gibt es noch viele in Abessinien, welche bis heute ihre Hände ausstrecken zu Gott. Hier aber haben wir den Ersten.
Die liebe Gemeine also singt diesen 68. Psalm, – das können wir ruhig annehmen; – und was der Geist in dem einen wirkt, das wirkt er oft zugleich auch in dem andern; denn weiß auch der eine von dem andern nichts, so werden sie doch beide von einem Geist regiert und auf ein Wort gebracht. –
Ein Engel Gottes bringt Philippus auf den Weg. Wenn Gott will, tut er das noch durch einen Engel, der menschlich zu Menschen redet. Der Engel heißt ihn auf die Straße gehen, welche von Jerusalem nach Gaza führt, das ist also nach dem äußersten Süden, nach der äußersten Grenze des Landes, wo man nach Ägypten geht. – Philippus befindet sich in Samarien. Daselbst ist eine große Gemeine. Sollte er nicht bei dieser Gemeine bleiben und die Gemeine weiter erbauen?
Nein, er soll gehen – dahin, wo nichts zu machen ist, wo nichts wächst. Er soll auf die Straße nach einer Stadt hin, welche wüste lag. Nun, wenn die Stadt wüste lag, so war daselbst kein Verkehr, so war auch die Straße wüste, kaum von jemand betreten. So liegen Gottes Wege oft ganz verkehrt nach unserer Vernunft. Wenn Philippus in Samarien einige Tausend um sich gehabt hat, so möchte man sagen, die Zahl hätte sich immer vermehren, es hätten Vier- und Acht- und Zehntausend daraus werden müssen! –
Ei was, Gott der Herr hat andere Gedanken als wir Menschen, Gott der Herr tut es nicht mit der Menge, er hat so einzelne, und diese einzelnen richten es aus; sie wirken selbst wieder auf einzelne, und diese wieder auf andere. Denket doch nicht an Heeresmacht! Der Herr Jesus hatte nur elfe um sich, – einer war Judas, als der zwölfte, – und er blieb in dem Ländchen Palästina, bis daß der Heilige Geist ausgegossen wurde. Da wurden dreitausend, und nachher noch zweitausend bekehrt. –
Es heißt nicht, daß der Geist, es heißt, daß der Engel des Herrn dem Philippus befiehlt, auf diese Straße zu gehen. Hätte ein Engel des Herrn es nicht getan, dann würde Philippus nicht hingegangen sein; denn uns ist ein solcher Befehl nicht lieb, wir wollen die Menge und die Macht, wir wollen die Sache besehen, wir wollen darüber verfügen können, wollen wenigstens den Zweck von allem wissen. Solch ein Wort, welches den Menschen so zu sagen ins Blaue hineinschickt, kann Fleisch und Blut nicht gefallen.
Darum mußte notwendig ein Engel Gottes selbst zu Philippus kommen und es ihm sagen. Wenn der Engel zu Philippus redet, oder zu Kornelius, dann weiß Philippus und Kornelius recht gut, daß es ein Engel gewesen ist; denn die Engel sind plötzlich da, sprechen ein Wort ins Ohr, – man sieht sie, man hört sie, und fort sind sie wieder. Philippus muß von Samaria fort, und zwar nicht nach Jerusalem, sondern auf einen wüsten Weg.
Wenn jemand den Philippus gefragt hätte: „Was willst du tun?“ so hätte er antworten müssen: „Ich weiß es nicht“; – oder: „Was suchst du?“ wiederum: „Ich weiß es nicht.“ – „Warum bist du denn hier?“ „Ich kann es nicht sagen.“ – Aber gehe doch lieber in eine der großen Städte und missioniere daselbst!“ – „Ich habe einen Befehl für diese wüste Straße.“ – „Aber wie viele Seelen werden dadurch verabsäumt?“ – „Ich kann es nicht hindern! der Engel Gottes hat mir so Befehl getan.“
Indem Philippus nun auf dieser Straße dahinwandert, kommt ein Wagen gefahren, und auf ihm einer von dem Volke, von welchem Gott der Herr bezeugt hat: „Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln? also wenig könnet ihr Gutes tun.“ Also ein schwarzer Mann! Wie kommt der hierher? Wie wunderbar! Wann ist der Mann von Jerusalem abgereist? um wie viel Uhr? Und um wie viel Uhr ist Philippus von Samarien abgereist? Warum ist der Wagen nicht früher, warum nicht später hierher gekommen?
O du kannst nicht tun, was du willst! Du kannst nicht mal einen Wagen bestellen, wann und wie du willst. Alles steht in Gottes Hand, und hier haben wir ergreifend den Beweis vor uns, daß alles in Gottes Hand steht. Dieser Mohr war ein gewaltiger Mann in dem Lande, in welchem damals eine Frau als Königin regierte. Er hatte sehr viel zu tun; denn er war über alle Schätze der Königin gesetzt. Da denket doch an nichts Geringes.
Die Fürsten damals hatten unermeßliche Schätze. Das Geld aber hatte nicht ihn, sondern er hatte das Geld; und wiederum hatte die Königin das Geld, und nicht hatte das Geld die Königin. Der Kämmerer besaß noch einen andern Schatz, und diesen Schatz besaß gewiß die Königin auch; das war Gottes Wort, das alte Testament. Der Kämmerer konnte nur auf Veranlassung, oder doch mit Erlaubnis der Königin diese große Reise angetreten haben.
Er ist nach Jerusalem gezogen, um anzubeten, und wahrscheinlich hat die Königin ihn geschickt, damit auch sie einigen Trost mit empfangen möchte. Vielleicht sind auch noch andere im Lande gewesen. „Mohrenland wird seine Hände ausstrecken zu Gott“, sagt die Schrift. Nun, dann war dieser gewaltige Minister der Auserwählte; er sollte das Wort des Herrn bringen. Aber wie viele konnten noch hinter ihm stehen? wer weiß das?
Er kam also nach Jerusalem, um anzubeten, nach dem Befehl Gottes: „Mein Haus soll ein Bethaus heißen allen Völkern“, um daselbst Worte des Lebens, des Trostes, der Seligkeit zu vernehmen. Er sollte es aber dort nicht finden. Natürlich, so ein reicher Mann bezahlt gut, gibt reiche Geschenke; da hat er denn ohne Zweifel ein schönes Quartier bei einem vornehmen Pharisäer gehabt, und nun versteht ihr wohl, was man dem Manne ins Ohr gehängt haben wird von diesem Gesindel, das „Christen“ heißt.
Man war eben damit beschäftigt, dieselben mit Stumpf und Stiel auszurotten. Aber so ein Fürst, wenn er auch ein Mohr ist, ist klug und läßt sich nicht so leicht beschwatzen, wie das gewöhnlichen Leuten geschieht. Er ist gekommen, um nach Gottes Wort anzubeten. Er hat sein gutes Geld bezahlt, reiche Geschenke noch dazu gegeben; doch muß er es leiden, daß man ihm die Ohren anfüllt mit der Sekte der Nazarener, mit einem gekreuzigten Jesus, von dem seine Anhänger sagen, er sei auferstanden.
Dann haben sie weiter zu ihm geredet von den heiligen Vätern, von ihrer damaligen Mission, wie sie Land und Wasser umzogen, um einen Judengenossen zu machen (Mt. 23,15), und von sonstigen schönen Dingen.
Aber dieser reiche Mann, der in sich völlig arm ist, – dieser angesehene Mann, der aber innerlich viel schwärzer ist als außen, ist nach Jerusalem mit der Frage gekommen: gibt es ein Tau aus dem Himmel, daß ich mich daran halte, um es zu wissen, was für einen Gott ich habe, um es auch meiner Königin und meinem Volk zu bringen, als ein Wort des Lebens, des Trostes und des Friedens?
Gibt es eine Antwort auf die Frage: „Wie bin ich vor Gott gerecht?“ wenn ich doch ersticken möchte in meiner Ungerechtigkeit? Er hat nichts vernehmen können. Nun kehrt er wieder nach Hause zurück. Die Zeit erlaubt es nicht, länger zu bleiben, die Geschäfte rufen ihn ab. Er hat dabei gewiß ein kurzes Gebet gesprochen: „Ach Gott, ach Gott, ich bringe nichts mit! wann werde ich dein Antlitz sehen? indes will ich mich halten an dein Wort! tue mit deinem Knecht nach deiner Barmherzigkeit!
Aber wann werde ich den Trost finden, von dem geschrieben steht: Siehe, um Trost war mir sehr bange, du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verdürbe, denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück!’“ – Das hatte er noch nicht. Er befiehlt seinem Gefolge abzureisen, einzupacken, den Wagen anzuspannen. Er hat nichts gesehen, nichts gefunden für seine arme Seele. Nur die äußerste Zerfahrenheit hat er in Jerusalem im Hause Gottes erblickt.
„Exzellenz, sollen wir anspannen?“ – „Gut, spanne an!“ Er besteigt seinen Wagen. Vielleicht sieht er noch eben den Petrus und Johannes. Sie schauen ihn so freundlich an, daß er noch einmal zurück möchte; aber nein, es geht nicht mehr. – „Voran, Kutscher!“ Und nun fährt er daher auf dieser öden Straße.
Was macht er, wie er nun auf seinem Wagen sitzt? Er hat ein Buch in der Hand. Beim Einsteigen hat er zu seinem Adjutanten gesagt: „Leg mir diese Rolle in den Wagen!“ und jetzt liest er den Propheten Jesaja, laut, denn sonst hätte Philippus ihn nicht hören können, und es heißt ausdrücklich, daß Philippus ihn hörte den Propheten Jesaja lesen.
Philippus hörte das bald, wie bei uns jedes Kind in der Kinderlehre, wenn es diesen Text hört, sagt: „Ach, das steht im Propheten Jesaja!“ Jesaja hieß von jeher der Evangelist unter den Propheten. Die Evangelisten beginnen auch allezeit mit dem Propheten Jesaja. Da heißt es: „Dies alles aber ist geschehen, auf daß erfüllet würde, was geschrieben steht: Siehe, die Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen heißen: „Immanuel“ (Mt. 1,23).
Es tritt Johannes der Täufer auf, und da heißt es wiederum: „Er ist es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat und gesprochen: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und machet richtig seine Steige.“ – Was las er also? Er las den Propheten Jesaja, er las nicht etwa einen Roman, sondern diese Exzellenz, dieser hohe weise Mann, las den Propheten Jesaja! – Verstand er auch alles, was er las? Davon wollen wir künftigen Sonntag reden.
Er brauchte nicht alles zu verstehen. Als Kind verstand ich als ein Kind, was Jesaja predigt, und als Jüngling verstand ich nach dem Maß eines Jünglings, und jetzt, – ja da wird es mir deutlicher und deutlicher, – dann aber ist auf einmal wieder alles hinweg. Amen.
(Quelle: licht-und-recht.de)
"Und an jenem Tag wirst du sagen: Ich preise dich, HERR; denn du warst gegen mich erzürnt; [doch] dein Zorn hat sich gewendet, und du hast mich getröstet! Siehe, Gott ist mein Heil; ich will vertrauen und lasse mir nicht grauen; denn Jah, der HERR, ist meine Kraft und mein Lied, und er wurde mir zur Rettung!
Und ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils, und werdet sagen zu jener Zeit: Dankt dem HERRN, ruft seinen Namen an, verkündigt unter den Völkern seine Taten, erinnert daran, dass sein Name hoch erhaben ist!
Singt dem HERRN, denn er hat Herrliches getan; das soll bekannt werden auf der ganzen Erde! Jauchze und rühme, die du in Zion wohnst; denn der Heilige Israels ist groß in deiner Mitte!" (Jesaja 12,1-6)
Von den Söhnen Korahs. Ein Psalmlied.
Er hat sie gegründet auf heiligen Bergen; der HERR liebt die Tore Zions mehr als alle Wohnungen Jakobs.
Herrliches ist über dich verheißen, du Stadt Gottes! (Sela.)
Ich nenne Rahab und Babel denen, die mich kennen; siehe, Philisterland und Tyrus und Kusch: »Dieser ist dort geboren.«
Aber von Zion wird man sagen: »Mann für Mann ist in ihr geboren«, und der Höchste selbst wird sie befestigen.
Der HERR wird zählen, wenn er die Völker verzeichnet: »Dieser ist dort geboren.« (Sela.)
Und sie singen beim Reigen: »Alle meine Quellen sind in dir!«
(Psalm 87)


