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Apostelgeschichte Kap. 2-10 in fünfundzwanzig Predigten im Jahre 1873 gehalten;

9. Predigt – Apostelgeschichte 8,4-17 gehalten den 20. Juli 1873 vormittags von H.F. Kohlbrügge

Wir behandeln, meine Geliebten, in dieser Morgenstunde aus der Apostelgeschichte 8,4-17:

"Die nun zerstreuet waren, gingen um und predigten das Wort. Philippus aber kam hinab in eine Stadt in Samaria und predigte ihnen von Christo. Das Volk aber hörte einmütiglich und fleißig zu, was Philippus sagte, und sahen die Zeichen, die er tat; denn die unsauberen Geister fuhren aus vielen Besessenen mit großem Geschrei, auch viele Gichtbrüchige und Lahme wurden gesund gemacht. Und ward eine große Freude in derselben Stadt.

Es war aber ein Mann mit Namen Simon in derselben Stadt, der zuvor Zauberei trieb, und bezauberte das samaritische Volk und gab vor, er wäre etwas Großes. Und sie sahen alle auf ihn, beide klein und groß, und sprachen: „Der ist die Kraft Gottes, die da groß ist.“ Sie sahen aber darum auf ihn, daß er sie lange Zeit mit seiner Zauberei bezaubert hatte. Da sie aber Philippi Predigten glaubten von dem Reiche Gottes und von dem Namen Jesu Christi, ließen sich taufen beides Männer und Weiber.

Da ward auch der Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippo. Und als er sah die Zeichen und Taten, die da geschahen, verwunderte er sich. Da aber die Apostel hörten zu Jerusalem, daß Samaria das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrum und Johannem. Welche, da sie hinabkamen, beteten sie über sie, daß sie den Heiligen Geist empfingen. (Denn er war noch auf keinen gefallen, sondern waren allein getauft in dem Namen Christi Jesu.) Da legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den Heiligen Geist." –

Es lag ein Teil der Gemeine der Heiligen des Herrn zu Jerusalem im Gefängnis. Sie sind dort nicht müßig, sondern haben sich untereinander mit den Psalmen Davids und den Sprüchen der Propheten gestärkt und haben einträchtiglich für ihre Feinde und Verfolger gebetet, wie der Herr Jesus Christus uns geboten hat. Sie haben auch für den Jüngling Saulus ihre Gebete zu dem Herrn Jesu emporgesandt, daß es Gott gefallen möchte, diesen Wolf umzuschaffen in ein Lamm.

So lange wir noch nicht wissen, daß wir von Natur Gott und den Nächsten hassen, daß wir von Natur Feinde des wahren Gottes und des Sohnes Gottes sind, so lange beten wir nicht für die Feinde, sondern schreien vielmehr um Rache, aber wenn wir an uns selbst des inne werden, wie feindselig der Mensch wider Gott, wider die freie Gnade, wider das Blut Christi ist, und wenn wir durch die Liebe Gottes niedergeworfen sind, dann werden wir einem jeglichen das gönnen, was der Herr uns hat zuteil werden lassen, und dann ist man, wenn auch in Banden, dennoch beschäftigt im Gebete, auf daß das Wort Gottes seinen Lauf habe.

Wer wahrhaft gedemütigt worden ist und die Liebe Gottes an seinem Herzen erfahren hat, in des Herzen sieht es aus wie in dem Herzen Davids, dem Joab, dieser Judas, sein bester General, vorwarf: du bist ein Feind wider deine Freunde, und ein Freund gegen deine Feinde (2. Sam. 19,6).

Das Wort soll stehen bleiben, daß Gott gnädig ist, und hat er eine Zeit lang einen Menschen oder auch eine Stadt oder ein Land verworfen, so liegt es doch oft in seinem Rate, wiederzukommen, das Verworfene wieder anzunehmen und das Verstoßene wieder zu sammeln.

Es ist in diesem Sinne, daß ich mich so ausdrücke, bei dem Allmächtigen keine andere Konsequenz als diese, daß er seine freie Gnade verherrliche, wann, wo und wie er will, und da sind seine Heiligen in seinem Dienste wie Soldaten im Dienste des Königs, daß sie ihm herhalten müssen, auf daß sein Rat ausgeführt werde. So haben denn auch die lieben Zerstreuten herhalten müssen.

Ihre Existenz steht in Frage, sie sind heimatlos, aus ihrer Vaterstadt, von ihren Geliebten vertrieben; viele Bande der Freundschaft sind zerrissen. Sie sind durch allerlei Not gegangen. Aber ein rechter Kriegsknecht Christi weiß von nichts als von der Ehre seines Königs, und ein Begnadigter weiß von nichts als von freier Gnade, und er wird das Wort von Gnade und Erbarmen bringen, wohin er nur kommen kann. Das taten denn auch hier die Zerstreuten.

Im Gefängnis aber wird das wunderbare Licht in der Botschaft angezündet: „Unser Diakonus Philippus ist nach Samarien!“ – „Nach Samarien?“ – „Ja, und die ganze Stadt ist an den Herrn Jesum Christum gläubig geworden!“ Vernehmen wir, meine Lieben, was diese Samariter von alters her für ein Volk gewesen sind. Wir lesen 2. Kön. 17,22 ff.:

„Also wandelten die Kinder Israels in allen Sünden Jerobeams, die er angerichtet hatte, und ließen nicht davon, bis der Herr Israel von seinem Angesichte tat, wie er geredet hatte durch alle seine Knechte, die Propheten. Also ward Israel aus seinem Lande weggeführt in Assyrien bis auf diesen Tag. Der König aber zu Assyrien ließ kommen von Babel, von Cutha, von Ava, von Hemath, von Sepharvaim, und besetzte die Städte in Samaria anstatt der Kinder Israels.

Und sie nahmen Samaria ein und wohnten in derselben Städten. Da sie aber anhoben daselbst zu wohnen und den Herrn nicht fürchteten, sandte der Herr Löwen unter sie, die erwürgeten sie. Und sie ließen dem Könige zu Assyrien sagen: Die Heiden, die du hast hergebracht und die Städte Samarias damit besetzt, wissen nichts von der Weise des Gottes im Lande; darum hat er Löwen unter sie gesandt, und siehe, dieselben töten sie, weil sie nicht wissen um die Weise des Gottes im Lande.

Der König zu Assyrien gebot und sprach: Bringet dahin der Priester einen, die von dannen sind weggeführt, und ziehet hin und wohnet daselbst; und er lehre sie die Weise des Gottes im Lande. Da kam der Priester einer, die von Samarien weggeführt waren, und setzte sich zu Beth-El, und lehrte sie, wie sie den Herrn fürchten sollten. Aber ein jegliches Volk machte seinen Gott, und taten sie in die Häuser auf den Höhen, die die Samariter machten, ein jegliches Volk in ihren Städten, darinnen sie wohnten.

Die von Babel machten Suchoth-Benoth. Die von Chuth machten Nergel. Die von Hemath machten Asima. Die von Ava machten Nibehas und Tharthak. Die von Sepharvaim verbrannten ihre Söhne dem Adramelech und Anamelech, den Göttern derer von Sepharvaim. Und weil sie den Herrn auch fürchteten, machten sie sich Priester auf den Höhen, aus den Untersten unter ihnen, und taten sie in die Häuser auf den Höhen. Also fürchteten sie den Herrn und dienten auch den Göttern, nach eines jeglichen Volkes Weise, von dannen sie hergebracht waren.“

Als die Juden aus Babel zurückkehrten, schickten die Samariter zu ihnen und wollten mitbauen am Tempel des Herrn. Die Samariter aber hatten nur die Bücher Mosis, die Propheten und Psalmen hielten sie nicht für Gottes Wort. Sie hatten auf dem Berge Garizim einen eigenen Tempel gebaut. Jetzt aber zur Zeit des Nehemia wollten sie mitbauen am Tempel des Herrn.

Nehemia ließ es aber nicht zu, denn er wußte wohl, wes Geistes Kinder sie waren, und daß sie für das Volk Juda die Veranlassung sein würden, sich wieder zu den Götzen zu wenden. Die Fürsten zu Samaria hatten alles aufgeboten, um den Bau des Tempels auf Moriah zu hindern, und es war ihnen gelungen, so lange Cyrus lebte, der doch zuerst die Erlaubnis zur Rückkehr und zum Wiederaufbau des Tempels gegeben hatte, und bis zur Zeit der Regierung des Darius, und auch hernach suchten sie durch alle möglichen Ränke die Propheten Esra und Nehemia zu verdächtigen und einzuschüchtern, ja sogar im Geheimen sie umzubringen.

Es war ihnen aber nicht gelungen. Der Haß zwischen den Juden und Samaritern war so fürchterlich, daß für einen Samariter der Jude ein Hund war, und für einen Juden der Samariter ein Teufel. Die Samariter verbrannten einmal, um die Juden tödlich zu ärgern, Totengebeine und streuten die Asche in den Tempel, wodurch derselbe gänzlich entheiligt wurde.

Als unser lieber Herr und Heiland die zwölf Jünger ausgewählt hatte, und sie sandte, um zu predigen, sagte er zu ihnen: „Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.“ (Mt. 10,5.6) Erst sollten die Juden den Segen haben.

Darum sagt auch der Apostel Paulus: „Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen.“ (Röm. 15,8.9) Gott hatte seine Verheißung zunächst den Juden gegeben; so sollte denn auch das Königreich seines Sohnes zuerst zu ihnen kommen. Sie waren die ersten Erben.

Darum: „Nicht in der Samariter Städte, sondern zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel,“ – Ich habe aber zuvor gesagt: bei dem Herrn Gott ist keine andere Konsequenz als die Konsequenz seiner freien Gnade. Gott ist nicht an uns gebunden, sondern wir sind in Gott gebunden, daß wir ihn fürchten, ehren und lieben. Hört das auf, dann wird es gehen, wie der Herr Jesus gesagt hat: die Kinder des Reiches werden hinausgeworfen. Und da wartet denn Gott der Herr so lange nicht. –

Nachdem der Herr Jesus zu seinen Jüngern gesagt hatte: „Nicht in die Städte der Samariter“, ist er vielleicht ein Jahr später in die Nähe einer Stadt Samarias gekommen und hat sich bei einem Brunnen gesetzt. Ein Weib aus der Stadt kam zu dem Brunnen heraus, und er bat sie um einen Trunk Wasser.

Das Weib verwundert sich darüber, daß er, ein Jude, von ihr zu trinken begehrt, – denn das würde sonst ein Jude nie getan haben, – bis endlich der Herr Jesus, nachdem sie mit Weiberlist alles aufgeboten, um die Wahrheit und Gnade von sich abzuhalten, sie von Ehebruch und Hurerei überführt.

Da stürzt sie zusammen. Als sie überführt war von ihrer Sünde und Schuld, und daß sie die ewige Strafe verdient und doch den Herrn Jesum so freundlich von dem Wasser des Lebens hatte reden hören, läuft sie in die Stadt und erzählt daselbst, was für ein gütiger Prophet er wäre, – bei ihm seien Worte des ewigen Lebens. Da kamen denn die Bewohner jener Stadt heraus und hörten den Herrn Jesum selbst. Das waren die Anfänge in Samarien.

Vor seiner Himmelfahrt sprach der Herr Jesus den Befehl aus: „Ihr werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde“ (Apg. 1,8). – Nun sind zwar die lieben Apostel bei der Verfolgung, im Geiste gebunden, zu Jerusalem geblieben. Der Herr hält sie daselbst zurück, um die gefährdete Gemeine zu trösten. Es wird aber ein Diakonus, Philippus, ausgesandt.

Dieser hatte gar nicht die Absicht nach Samarien zu gehen, um dort zu predigen, auch die Apostel dachten nicht daran; denn der Herr Jesus, obgleich er zu den Seinen gesagt hatte: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur“, – hat sie doch vor eigenwilligem Laufen und Rennen bewahrt.

Aber als die Zeit der Gnade und des Erbarmens über das schreckliche feindselige Samarien angebrochen war, trieb der Herr durch eine Verfolgung die Gläubigen aus Jerusalem fort, daß sie eine Stätte suchten, wo sie ohne Gefahr weilen konnten, und da tat der Herr ihnen denn den Mund auf, daß sie das Evangelium predigten. Ebenso treibt er auch den Philippus nach Samarien und tut ihm den Mund auf, daß er prediget.

Dieser Philippus muß ein besonders begnadigter Mann gewesen sein, d. i. ein solcher, welcher, obschon er an und für sich danieder liegen kann als ein leerer Sack, doch mit einem Mal wieder aufspringt und zeugt von Gnade und Erbarmen. Er ist also einer gewesen, welcher nur von Gnade wußte und von Selbstverdammung.

Solch einer kann keinen bösen Unterschied machen, er kann durch die Gottlosigkeit oder durch die Feindseligkeit der Samariter nicht zurückgehalten werden; denn das Gefühl liegt in ihm: „Was unterscheidet mich? Gibt es ein Menschenkind unter der Sonne, sündiger, elender, ärmer als ich bin? und gibt es nicht einen allmächtigen, gnädigen Gott, der, hat er sich meiner erbarmt, sich nicht auch der Samariter erbarmen sollte?!“ Dieser Philippus kommt nach Samarien.

Wie er andern lebendig von der Gnade zeugte, so hat er es auch zuerst in seinem Hause getan; denn er hatte vier Töchter, und von denen heißt es, daß sie alle weissagten (Apg. 21,9), d. i. sie alle wußten lebendig zu bezeugen, wie groß ihre Sünde und Elend sei, wie sie von all ihrer Sünde erlöset seien, und wie sie nunmehr Gott sollten dankbar sein, um, was Gott ihnen gnädiglich gegeben, auch andern zu bringen.

Nun, Philippus predigte also von Christo, oder wie es nach dem Griechischen heißt, er predigte Christum. Was ist das? Er predigte: „Er ist es allein!“ – Gestern habe ich irgendwo gelesen, daß gewisse Heiden auf Borneo, wenn sie durch eine böse Krankheit heimgesucht werden, ein Schiff mit ihrem Götzen kommen lassen, und wenn dieser Götze mit dem Schiffe kommt, so ist die ganze Stadt, wie schrecklich er auch aussieht, doch froh; denn sie glauben, ihr Gott nehme nun diese und alle andern Krankheiten und Plagen mit sich den Fluß hinunter.

Nun waren die Samariter zwar nicht geschlagen mit Cholera, Pocken oder dergleichen Krankheiten, aber sie haben bei der Predigt Philippi ihre große Sünde, ihre Schuld erkannt, und daß sie die ewige Strafe verdient haben, und so haben sie die Predigt angenommen und in ihrem Innern die Wahrheit empfunden:

„Dies ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt“, und: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen, wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet.“ –

Es steht ferner, daß Philippus predigte von dem Reiche Gottes, und von dem Namen Jesu Christi (V. 12), d. i. er predigte davon, wie Gott anfängt in einem Menschen mit seiner Gnade zu regieren, und wie Gott alles so tut, daß er es tut um des Namens, um des einzigen Namens willen, welcher unter dem Himmel gegeben ist, auf daß wir darin sollen selig werden.

Wie er auch gesprochen hat: „Mir hast du nicht gebracht Schafe deines Brandopfers, noch mich geehrt mit deinen Opfern, mich hat deines Dienstes nicht gelüstet im Speisopfer, habe auch nicht Lust an deiner Arbeit im Weihrauch. Mir hast du nicht um Geld Kalmus gekauft, mich hast du mit dem Fetten deiner Opfer nicht gefüllet. Ja, mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht in deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünde nicht“ (Jes. 43,23-25). –

Philippus predigte davon, daß Gott mit seinem Heiligen Geist kommt, zu regieren in dem Herzen, daß er das Gewissen frei macht von Schuld und Befleckung der Sünde, und dem Menschen einen wahrhaft gesunden Glauben gibt und wahrhaftigen Frieden, wovon der Herr Jesus sagt: „Meinen Frieden gebe ich euch, – einen Frieden, welchen die Welt nicht von euch nehmen kann“. –

Und diese Predigt hörten die Samariter nicht allein, sondern sie sahen auch die Wunder, welche Philippus tat; sie sahen, wie Teufel ausgetrieben wurden, und wie sie schrieen, da sie ausfuhren; sie vernahmen also, was für eine Gewalt das Wort hatte, um diese widerspenstigen Teufel auszutreiben. Sie sahen, wie Lahme gesund wurden, daß sie mit einem Mal löckten wie ein Hirsch, – wie es hier heißt: „Auch viele Gichtbrüchige und Lahme wurden gesund gemacht.“

Es steht nicht da: „alle Lahmen oder Gichtbrüchigen wurden gesund gemacht“, sondern es heißt: „viele“, – eine Zahl nämlich, die genügend war, um das Zeugnis dadurch zu bekräftigen. Gott, der Herr, wird stets dafür Sorge tragen, daß, wo sein Wort kommt, auch Kraft kommt, auch Autorität kommt zu dem Wort, so daß es vor aller Gewissen offenbar wird: das ist Gottes Wort!

Und wenn solche äußeren sichtbaren Wunder jetzt nicht geschehen, wer wollte die Wunder leugnen, welche Gott fortwährend tut, indem er Gebete erhört? Seitdem freilich der Teufel aufgehört hat, unter den Menschen zu existieren, seitdem werden auch keine Besessene mehr geheilt; und seitdem kein Glaube mehr da ist und kein wahrhaftiges Gebet, seitdem werden auch keine Lahme und Gichtbrüchige mehr gesund gemacht.

Dazu gehört ein gründliches Gefühl: „Mir ist Barmherzigkeit widerfahren“, um bei Gott um Barmherzigkeit anzuhalten auch für andere und ihre Leiden. In Samarien befand sich damals Simon der Zauberer. Dieser bezauberte das ganze Volk, so daß alle riefen: „Das ist die große Kraft Gottes!“ und er selbst gab sich auch dafür aus. Da möchte man fragen: „Solch einer bezauberten Stadt, – soll der Gnade widerfahren?“ Ja, warum nicht? eben einer solchen!

Was tut der Herr Gott mit den weisen Leuten, er, der selbst allein weise ist, und dem die Menschen mit ihrer eigenen Weisheit, die doch nur Naseweisheit ist, ewig im Wege stehen? Aber wie kommt denn dieser Simon zum Glauben? Ja, ihr werdet euch damit helfen, daß ihr sagt: das war nur ein historischer Glaube! Davon steht hier aber nichts. Er hat wirklich geglaubt, was er geglaubt hat, sonst hätte er Philippus nicht betrügen können, und dieser hätte ihn nicht getauft.

Stand es denn richtig mit ihm? Das ist eine andere Frage; aber darüber brauchte Philippus auch nicht zu richten. Das konnte er dem allmächtigen Gott überlassen. Genug, daß Simon sich gedemütigt hat, daß er seine Zauberkraft ablegte, mit der er gewissermaßen Gott gleich hatte sein wollen, und daß er nunmehr dem Herrn Jesu huldigte. Das war genug, um offenkundig zu machen die Gewalt und Kraft des Königes Jesu, gegenüber auch dem gewaltigsten Widerstande.

Was hat dem Simon gefehlt? Selbstverleugnung, und darum fiel er wieder durch. Der Sämann, der seinen Samen ausstreut, sät denselben auf viererlei Acker. Nicht alles geht davon auf. Der Teufel nimmt den einen Samen hinweg, den andern verbrennt die Hitze der Sonne, der dritte wird vom Unkraut erstickt, und nur das gute Land bringt gute Frucht. Simon hatte tiefe Kenntnis von Naturgeheimnissen, welche den Menschen gewöhnlich nicht bekannt sind.

Die Leute blähen sich heutzutage so sehr auf, als ob sie, ich weiß nicht was für Wunderdinge wüßten; aber die Alten haben noch ganz andere Dinge gewußt und fertig gebracht, und so auch dieser Simon, so daß die Welt staunte und dachte: so was kann nur Gott! Aber was Simon nicht wußte, das war dies: er wußte nicht, was Gnade sei, er kannte nur seine Kunst und Wissenschaft, aber er kannte nicht Barmherzigkeit.

Es ging ihm wie den Zauberern in Ägypten: Alles konnten sie nachmachen, was Moses tat, bis an ein kleines Ungeziefer; da wurden sie zuschanden. So hatte Simon in Samarien auch große Dinge vollbracht, aber Gichtbrüchige und Lahme hat er nicht gesund gemacht, er hatte nicht einmal daran gedacht, er hatte solche Leute gar nicht gesehen, er sah nur sich selbst; Philippus aber sah Christum Jesum als König in der Macht seiner Gnade.

Die Zeit ist wieder um, wir müssen für heute schließen. Es erheben sich aber noch einige Fragen. Wir lesen nämlich Vers 12: „Es ließen sich taufen beides, Männer und Weiber.“ Das fällt auf. Die Taufe trat an die Stelle der Beschneidung. Nun wurden aber doch die Weiber nicht beschnitten.

Wir sehen indes, wie diese mit einem Mal die Kraft der Gnade an sich erfahren und es verstanden haben, welch eine Bedeutung dieses Siegel der Taufe hat: daß es nämlich auf alles Fleisch sich bezog, nicht allein nach der Weise der Beschneidung über die Männer allein ging, sondern über Männer und Weiber.

Wenn nun aber weiter die Frage aufkommt: „Wie stand es denn mit den Kindern?“ so antworte ich: „Wenn der Apostel Petrus am ersten Pfingsttage sagt, als Männer und Weiber zusammen ihm zuhörten, die gewiß ihre Kinder bei sich hatten: „Euer und eurer Kinder ist die Verheißung“, dann ist es offenbar, daß die Eltern sich mit ihren Kindern taufen ließen.

Und wenn es hier heißt, daß beides, Männer und Weiber, sich taufen ließen, so ist wiederum die Meinung, daß die Kinder mit getauft wurden; denn es ist zu ihnen gekommen die Kraft der Predigt des Gnadenbundes, und dies ist der Gnadenbund, daß der Herr spricht: „Ich bin dein Gott und deines Samens Gott nach dir.“

Wenn es ferner heißt, daß die Apostel Petrus und Johannes nach Samaria gekommen sind, dann wollt ihr darauf achten, daß dieselben nicht aus sich selbst gelaufen kamen, sondern von den andern Aposteln wurden sie abgefertigt (V. 14); und als sie nach Samaria kamen, legten sie den Gläubigen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.

Ihr sollt aber nicht denken, daß zuvor nicht Heiliger Geist dagewesen sei, da ja der Heilige Geist es war, der den Glauben wirkte. Diese Handauflegung war etwas Besonderes für die damalige Zeit. Es sollten auch die Samariter, welche zu dem Herrn bekehrt waren, die Gabe der Sprachen und die übrigen Gaben erhalten, nach 1. Kor. 12,7 ff., auf daß sie ausgerüstet wären mit allen den Gaben, welche der Herr damals seiner Gemeine erteilte, um das Evangelium unter die Völker zu bringen.

Man darf also aus diesem Texte nicht etwa schließen, wie die Römischen tun, daß eine Konfirmation noch notwendig sei nach der Taufe. Wir haben hier den Gegensatz: ein Gefängnis; worin zu Gott geschrieen wird um Errettung, und anderseits eine ganze Stadt, die durch die Gewalt des Zauberers in des Teufels Rachen lag, die nun aber erfüllt ist von der Freude des Herrn, um sagen zu können: „Siehe, der Winter ist vergangen! die Blumen sind hervorgekommen, und die Turteltaube läßt sich hören in unserem Lande. Der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinstöcke haben Augen gewonnen und geben ihren Geruch“ (Hld. 2,11-13). Amen.

(Quelle: licht-und-recht.de; Anm. GA: der Auslegung von 8,12 stimmen wir nicht völlig zu, wir können dort keinen Hinweis aus Kindertaufe finden)


"Hört auf mich, ihr Inseln, und gebt Acht, ihr Völker in der Ferne! Der HERR hat mich von Mutterleib an berufen und meinen Namen von Mutterschoß an bekannt gemacht. Er hat meinen Mund gemacht wie ein scharfes Schwert; er hat mich im Schatten seiner Hand geborgen und mich zu einem geschärften Pfeil gemacht; er hat mich in seinem Köcher versteckt.

Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche. Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Doch steht mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen — Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott war meine Stärke —, ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«

So spricht der HERR, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu dem von jedermann Verachteten, zu dem Abscheu der Nation, zu dem Knecht der Herrschenden: Könige werden es sehen und aufstehen und Für-sten anbetend niederfallen um des HERRN willen, der treu ist, um des Heiligen Israels willen, der dich auserwählt hat.

So spricht der HERR: Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört und am Tag des Heils dir geholfen; und ich will dich behüten und dich dem Volk zum Bund geben, damit du dem Land wieder aufhilfst und die verwüsteten Erbteile wieder als Erbbesitz austeilst; damit du zu den Gefangenen sagst: »Geht hinaus!« und zu denen in der Finsternis: »Kommt hervor!« Sie werden an den Straßen weiden und auf allen kahlen Hügeln ihre Weide haben.

Sie werden weder hungern noch dürsten; keine trügerische Wasserspiegelung noch Sonne wird sie blenden; denn ihr Erbarmer wird sie führen und zu den Wasserquellen leiten.  Ich werde alle meine Berge zum Weg machen, und meine Straßen sollen erhöht werden. Siehe, diese werden von ferne kommen und jene dort von Norden und von Westen, und diese aus dem Land der Sinim.

Jubelt, ihr Himmel, und frohlocke, du Erde! Brecht in Jubel aus, ihr Berge, denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich über seine Elenden! Zion sprach: »Der HERR hat mich verlassen, und der Herrscher hat mich vergessen.« Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarmt über ihren leiblichen Sohn? Selbst wenn sie [ihn] vergessen sollte — ich will dich nicht vergessen! Siehe, in meine Hände habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind allezeit vor mir.

Deine Söhne eilen herbei; aber die dich zerstört und verwüstet haben, werden sich davonmachen! Erhebe deine Augen ringsumher und sieh: alle diese versammeln sich, sie kommen zu dir. So wahr ich lebe, spricht der HERR, du wirst sie alle wie einen Schmuck anlegen und wirst sie als Gürtel umbinden, wie eine Braut es tut.

Denn dein Land, das öde, verwüstet und zerstört liegt, das wird nun für dich zu eng sein wegen der [vielen] Bewohner, und die dich verschlingen wollten, werden sich entfernen. Und die Söhne, die dir [einst] geraubt wurden, werden noch vor deinen Ohren sagen: Dieser Ort ist mir zu eng, gib mir Raum, dass ich wohnen kann!

Dann wirst du bei dir selbst denken: Wer hat mir denn diese geboren, mir, der Kinderlosen und Unfruchtbaren, verbannt und verstoßen? Und wer hat mir diese großgezogen? Siehe, ich war ja allein übrig geblieben; wo waren denn diese?

So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich will meine Hand zu den Heiden hin erheben und für die Völker mein Banner aufrichten; und sie werden dir deine Söhne im Gewandbausch herbringen, und deine Töchter werden auf der Schulter herbeigetragen werden. Und Könige sollen deine Wärter sein, und ihre Fürstinnen deine Ammen.

Sie werden vor dir niederfallen, das Angesicht zur Erde gewandt, und werden den Staub deiner Füße lecken; und du sollst erkennen, dass ich der HERR bin: die auf mich harren, werden nicht zuschanden werden.

Kann wohl einem Starken die Beute genommen werden? Und können recht mäßig Gefangene entfliehen? Ja, so spricht der HERR: Auch die Gefangenen des Starken sollen ihm genommen werden, und die Beute des Tyrannen soll entfliehen; denn nun werde ich mit dem kämpfen, der gegen dich kämpft, und ich werde deine Kinder erretten.

Ich will deine Bedrücker mit ihrem eigenen Fleisch speisen, und sie sollen trunken werden von ihrem eigenen Blut wie von Most. Und alles Fleisch soll erkennen, dass ich, der HERR, dein Erretter bin und dein Erlöser, der Starke Jakobs." (Der Prophet Jesaja, Kapitel 49)