Apostelgeschichte Kap. 2-10 in fünfundzwanzig Predigten im Jahre 1873 gehalten;
7. Predigt - Apostelgeschichte 2,42; 4,32; 9,31 - gehalten den 6. Juli 1873 vormittags von H. F. Kohlbrügge
Geliebte in dem Herrn Jesu Christo! Es ist uns Menschen eigen, nicht zu betrachten, was der Herr Gott gemacht hat, was er gepflanzt und gebaut hat, und was er erhält. Es ist uns Menschen fremd, die Dinge zu suchen, wo sie zu finden sind. Es ist uns fremd, zu berücksichtigen, was des Herrn Wort verheißt, und was er stets getan hat und tut. Ein jeglicher Mensch will selbst bauen, was ihm doch nicht gelingen wird, will selbst schaffen, wo er doch wissen sollte, daß er nichts vermag.
Er sucht die Erfüllung der Dinge in der Zukunft, wenn sie schon da ist. So haben sich z. B. Jahrhunderte hindurch die Gemüter damit beschäftigt, daß noch eine Wiederbringung aller Dinge kommen müsse, es müsse noch alles anders werden, das tausendjährige Reich müsse noch kommen, und so mißhandelt man denn die lieben Propheten bei allem, was sie zuvor gesagt haben von der Zukunft des Herrn Christi, und mißhandelt diejenigen, welche die Erfüllung predigen, und durch ihren Wandel und ihr Beispiel zeigen, daß wir das Erfüllte haben.
Ich habe häufig in Büchern gesucht, ob denn nicht jemand da wäre, welcher in demjenigen, was der Heilige Geist in der Apostelgeschichte von der Gemeine Christi, und was die Apostel sonst bezeugen, die Erfüllung des prophetischen Wortes gefunden hätte, also darin den neuen Tempel, das neue Haus Gottes gezeichnet gesehen hätte. Meine Lieben, was mir nun aber auffiel in dieser Woche, teile ich euch gerne mit, und das ist dies: daß das neue Haus Gottes längst gebaut, daß der Eckstein längst gelegt ist, und daß alles, was die Propheten geweissagt haben, zu finden ist in der Apostelgeschichte.
Der Baum steht in diesem Büchlein, der Baum, von dessen Frucht wir noch leben; und da ist es denn eine wahre Schwärmerei, es suchen zu wollen, wo es nicht ist, und da nicht finden zu wollen, wo man es mit Händen greifen kann. Aber warum will denn der Mensch stets etwas Neues? Das Neue belebt die Phantasie, und man kann es selbst sich verschaffen ohne Wort und versucht es auch ohne Wort.
Wer aber das Wort will, die Lehre, die reine Lehre, und also die wahre Kirche und den Wohlstand dieser Kirche, der soll wissen, daß es eine andere Arbeit ist, selbst etwas zu machen, und eine andere, zu erwerben, was da ist. – Wir lesen in der Apostelgeschichte 2,42:
„Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“
Und Kap. 4, Vers 32:
„Der Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“, – und: „Es war ihnen alles gemein.“
Und Kap. 9, Vers 31:
„So hatte nun die Gemeine Frieden durch ganz Judäa und Galiläa und Samarien und bauete sich und wandelte in der Furcht des Herrn und ward erfüllet mit Trost des Heiligen Geistes.“
Nachdem unser teurer Herr und Heiland Jesus Christus ausgerufen hatte: „Es ist vollbracht!“ und sodann verschied, und seine Seele aufgenommen wurde in die Hände des Vaters, konnte der Tod ihn nicht halten, sondern der Herr wurde wieder auferweckt am dritten Tage und sandte am fünfzigsten Tage den Heiligen Geist, welchen der Vater ihm verheißen hatte, wie er gesagt: „Ich will euch einen andern Tröster senden, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen.“
Dieser Geist kam also am fünfzigsten Tage, und es predigte Petrus und die andern Apostel alsbald: „Das ist der Stein, welchen ihr Bauleute verworfen habt; den hat Gott zum Eckstein gesetzt.“ Es wurde dann von den Aposteln damit angefangen, alle die Steine, welche Gott ihnen gab, zusammenzubringen und sie zu gründen auf diesen einzigen Eckstein.
Die Bauleute, welche sich für Bauleute ausgaben, hatten den Eckstein beseitigt und verworfen, und bis auf den heutigen Tag beseitigen diejenigen, welche die Bauleute sein wollen, diesen Eckstein und verwerfen ihn, und klagen dann und klagen wiederum über den Verfall der Kirche, über den Verfall der Sitten, der Lehre, weil sie es erstens suchen, wo es nicht ist; sodann, weil sie keinen Glauben haben.
Darum lachen sie auch nicht der Leiden dieser Zeit, und schauen nicht auf die Herrlichkeit der Wahrheit und Verheißung Gottes. Es machen sich die Hochgelehrten auf, wollen die Schrift auslegen und verstehen nicht, was sie setzen und was sie sagen, lehren Kirchengeschichte und verstehen sie nicht, machen die erste Gemeine zu einer Art Modell, wonach sie ihre Kirche zu erneuern gedenken. Sie können aber lange warten! Es ist da gewesen, und wie es da gewesen ist, so ist es auch geblieben; aber es ist nicht ein Gebäude von irdischen Steinen, nicht ein Haus von Fleisch und Blut, sondern es ist Geist, Wahrheit und Leben.
Wenn die Propheten, wenn namentlich Sacharja von dem schönen neuen Tempel weissagt und spricht: „Siehe, es ist ein Mann, der heißt Zemah; denn unter ihm wird es wachsen, und er wird bauen des Herrn Tempel!“ (Kap. 6, Vers 12); oder wenn der Prophet Hesekiel in seinen letzten Kapiteln weissagt von einem wunderbar schönen Gebäude mit der Inschrift am Schlusse: „Hier ist der Herr!“ – da denket doch nicht an ein Haus, welches noch müßte gebaut werden, sondern an das Haus, welches vor achtzehn Jahrhunderten erbaut worden ist. Das ist das alte Haus, welches ewig neu bleibt, und das ist eine sichere Wohnung.
Könnet ihr mehr verlangen als dieses: „Sie blieben in der Apostel Lehre, beständig, und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebete“. „Sie nahmen die Speise und lobeten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen“. „Sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel, in der Halle Salomos, d. i. des Friedenskönigs“ (Apg. 2,42.46.47; 5,12). Könnt ihr etwas Herrlicheres euch denken, als wie wir es finden Kap. 9 der Apostelgeschichte Vers 31: „So hatte nun die Gemeine Frieden durch ganz Judäa und Galiläa und Samarien und bauete sich, und wandelte in der Furcht des Herrn und ward erfüllet mit Trost des Heiligen Geistes“.
Nun frage ich: Ist dies, ist diese herrliche Gemeine verschwunden? steht dieses Haus nicht mehr da? dieser Tempel, von dem Hesekiel und Sacharja geweissagt haben, muß der noch erbaut werden? Ich antworte: Nein! und abermals: Nein! er steht da! Wer das nicht in der Apostelgeschichte sieht, der sieht nichts, baut und lehrt vergeblich und träumt von einer Zukunft, woraus nie etwas werden wird, und ist gleich den Juden, welche meinen, wenn ein Gewitter kommt, dann wollen sie schnell die Fenster auftun, damit der Messias hereinkomme und sie nach Jerusalem führe, wo er König sein werde. –
Es steht nicht vergeblich da: „Sie blieben in der Apostel Lehre“, – nicht: in irgend einer Lehre. – Es steht auch nicht: sie blieben in der Lehre, so daß vielleicht menschliche Zutaten hinzukommen konnten; es steht auch nicht: sie blieben in ihrem Glauben, so daß man so allerlei Glauben haben könnte; auch heißt es nicht: sie wurden bewahrt durch den Heiligen Geist; sondern es heißt ganz nüchtern: „Sie blieben in der Lehre der Apostel.“ –
Das sind bekehrte Leute gewesen, welche die Gabe des Heiligen Geistes hatten, welche nicht brauchten, – daß ich mich so ausdrücke, – von andern belehrt zu werden, sondern welche die Salbung des Geistes hatten und alle Dinge wußten. (Vgl. 1. Joh. 2,27) Gebt acht, meine Lieben! von solchen Leuten wird bezeugt: sie blieben in der Lehre der Apostel. Sie nahmen also bei aller Begabung des Heiligen Geistes und des Glaubens keine Infallibilität, keine Gelehrsamkeit oder geistliche Kenntnis für sich in Anspruch, sondern sie hatten die Lehre der Apostel, und dabei blieben sie.
Das bezeugt der Heilige Geist, und so steht dieses neue Gebäude, diese neue Kirche da: sie bleibt auf dem Eckstein, in der Lehre der Apostel. Sie haben nicht gesagt: „Wir haben’s! wir sind’s! wir wissen’s!“ sondern sie haben gesagt: „Hier ist die Lehre der Apostel! dabei bleiben wir!“ Sie ließen sich durch diese Lehre belehren, regieren, strafen, trösten; und so schreibt denn der Apostel Petrus: Ihr seid das königliche Priestertum; so erbauet euch denn selbst als lebendige Steine auf diesem einen Stein! (1. Petr. 2,9.5) –
Was ist denn die Lehre der Apostel? Ja, da haben wir’s! Man sucht hier eine Kirche und dort eine Kirche! Hier will man es noch besser haben und dort noch besser, aber die Lehre der Apostel will man nicht; man will nicht glauben und nicht dafür leiden. Die Lehre der Apostel ist diese Lehre: Wir mangeln alle des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so in Christo Jesu geschehen ist.
Wir sind selig geworden aus Gnaden, nicht aus den Werken, auf daß nicht jemand rühme. Wir sind Gottes Geschöpf, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollten. – Alle Frucht in der Gemeine ist Frucht des Heiligen Geistes, also des Glaubens. Fundament und Halt der Gemeine ist darum lediglich die Lehre der Apostel.
Aber nun bringen die Herren Gelehrten ihre Dogmatik und wollen die Dogmatik der Apostel nicht, sondern verschreien dieselbe als Orthodoxie, und die jungen Leute werden eingeschüchtert, und Gottes Wort soll nicht ganz Gottes Wort sein, und die Wunder, von welchen die Gemeine umgeben und worauf sie gebaut ist, werden geleugnet. Man will eine evangelische Kirche machen und klagt dann, die evangelische Kirche sei in Gefahr von den Gesetzen des Kultusministers, die in diesen Tagen erlassen worden sind, als ob diese Dinge, welche die Welt macht, die Kirche Christi im geringsten etwas angingen oder sie beschädigen könnten.
Die Kirche Christi steht auf einem Felsen, welcher allen Feinden zu hoch ist. Da mag die Welt wüten, die Diplomaten und Theologen mögen zusammen alles Mögliche auspraktisieren, – Christus Jesus, und wiederum und wiederum Christus Jesus, das ist der rechte Mann, der kann es aufnehmen mit Sünde, Tod, Teufel und Gesetz, ich nicht. Christus ist mein königliches Haupt, an ihm bin ich ein Glied, und so ist es alles Strömung des Blutes, der Kraft und des Lebens aus dem Haupte hervor und in die Glieder hinein, sonst sind die Glieder, obschon gut geschaffen, dennoch lahm und dürr. –
„Die Werk’ kommen gewißlich her
Aus einem rechten Glauben.“
Wo nicht Werke sind, da soll man sich des Glaubens nicht rühmen; aber:
„Die Werke sind des Nächsten Knecht,
Dabei wir’n Glauben merken.“
Das lehrte und lehrt uns der Apostel: Alles ist unter der Sünde, Juden und Griechen, einer wie der andere; Gott hat alles unter die Sünde beschlossen. Biete nun auf, was du willst, um tugendhaft zu werden, um gute Werke zu tun, es wird dir nicht gelingen, du wirst doch vor Gott ein Scheusal werden müssen, du wirst dich doch selbst verdammen müssen; denn: Entweder – oder! du machst dich selig durch eine Einbildung von Tugend, und Christus hat nichts getan, – oder das Lamm Gottes trägt die Sünde der Welt.
Eins von beiden! Aber ihr wisset, was die Apostel, als sie mit diesem Zeugnisse kamen, deswegen haben leiden müssen. Doch was sagen sie? „Wir können es ja nicht lassen! wir müssen Gott mehr gehorchen als euch. Diesen Jesum hat Gott zum Herrn und Christus gemacht; in seinem Namen allein ist Vergebung der Sünden. Darum tut Buße und glaubet dem Evangelio!“ – So predigten sie; aber ja, da ging nun das Leiden an. Und sie glaubten und litten, und auch vor drei Jahrhunderten sang man:
„Laß fahren dahin,
Sie haben’s kein Gewinn,
Das Reich muß uns doch bleiben.“
Aber seitdem fragt man: „Wie komme ich durch die Welt?“ Man fragt nach Geld und Ehre, nach dem täglichen Brot, Christus aber wird verleugnet. Ja, man hat so etwas von ihm gepredigt, aber ja recht vorsichtig; und so ist man denn, daß ich mich so ausdrücke, um sein Jerusalem gekommen, man ist um Land und Kirche gekommen, – nicht um die Kirche Gottes, – die ist geblieben!
Diese achtzehn Jahrhunderte hindurch hat der Herr die Seinen gehabt, welche geblieben sind in der Lehre der Apostel, ich sage noch einmal: die geblieben sind in der Lehre der Apostel. Das ist von mehr Gewicht, als man denkt. Wenn ich auf dem Webstuhl weben wollte, was würde daraus werden? Hat nicht alles sein Maß und seine Regel, wie es gemacht werden muß, – so und nicht anders? Muß nicht alles seine bestimmte Länge und Breite, Tiefe und Höhe haben?
Es studieren Hunderte und Tausende von Theologen so etwas dahin und sind völlig haltlos, erstens in ihrem Wandel, zweitens in ihrem Bekenntnis, drittens im Trost, darum weil sie nicht die Lehre der Apostel üben und nicht einfach gespannt bleiben in diesem Nahmen: „Ich nichts, – Jesus alles? ich ein Sünder, Er heilig! ich ein Gottloser, Er der Gerechte, welcher mich gerecht macht!
Alles was ich nicht habe, das hat Er; und weil Er es hat, so – habe ich Gemeinschaft mit ihm, – so habe ich alles, was Er hat, und darum bitte ich: „Heile mir meine dürre Hand des Glaubens Tag für Tag!“ und dann heilt er auch die dürre Hand, daß man in Kraft des Heiligen Geistes und des Glaubens aus seiner Fülle nehmen darf.
Aus der Lehre der Apostel kam hervor die Gemeinschaft, – die Gemeinschaft, gegenseitig sich zu lieben, weil Christus uns zuvor so hoch geliebt, – einer für den andern alles zu sein, daß alle für einen und einer für alle einstehen, und daß jeder bereit ist, nach dem, was Gott ihm gegeben, dem dürftigen Bruder zu helfen; – eine Gemeinschaft, daß man teilnimmt an allem Leiden, Weinen, Seufzen der armen Brüder oder Schwestern, daß man weint mit den Weinenden.
Solche Gemeinschaft kommt aus der Lehre der Apostel. Wo diese Gemeinschaft ist, da ist auch ein gemeinschaftlicher Tisch, an welchem man auf des Königs Befehl zusammenkommt, zu essen von seinem Mastvieh und zu trinken von seinem Wein. Darum lesen wir hier auch: sie blieben beständig im Brotbrechen.
Meine Lieben! Wenn Freunde zusammenkommen, so feiern sie das durch ein Mahl. Auch eine Hochzeit wird durch ein Mahl gefeiert. Das bindet die Freundschaft fester zusammen, indem man gemeinsam Gottes Gaben genießt. Wo die rechte Gemeinschaft ist, welche aus der Lehre der Apostel hervorgeht, da kommt man auch gemeinschaftlich zu dem Tische des Königs. Das, bindet zusammen und stärkt den Glauben.
Da sehe ich einen, den ich längst tot geglaubt, und nun sitzt er mit unter den Lebenden am Tische, und da wieder einen andern, der war tief betrübt, und nun lacht er freudig an dem Tische des Herrn. – Ferner kommt aus der Lehre der Apostel auch das Gebet. Es ist hier nicht gemeint das besondere Gebet eines jeden für sich zu Hause, sondern ein gemeinschaftliches Gebet.
Wenn die Gemeine zusammenkam, die Lehre der Apostel zu vernehmen, so geschah auch das gemeinschaftliche Brotbrechen und das gemeinschaftliche Gebet, daß sie einmütiglich Gott dankten, es sei in Prosa oder in der Poesie der Psalmen.
Da fällt mir ein, daß vor einiger Zeit die Frage aufgeworfen wurde, ob man das heilige Abendmahl den Kranken ins Haus bringen dürfe, und wurden dabei angeführt die Worte Apostelgeschichte 2,46: „Sie brachen das Brot hin und her in den Häusern“, woraus man folgern wollte, man dürfe das Abendmahl den Kranken in die Häuser bringen. Allein diese Worte: „sie brachen das Brot hin und her in den Häusern“, stehen in Verbindung mit Vers 47: „Sie nahmen die Speise und lobeten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und hatten Gnade bei dem ganzen Volke.“ –
Sie kamen also nicht allein in den sogenannten Speisehäusern zusammen, sondern auch hin und her bei denen, welche geräumige Wohnungen hatten, brachen daselbst das Brot, aßen und tranken zusammen, während die Apostel sie erbauten. Wir haben diese Worte also nicht vom Abendmahl zu verstehen, sondern vom gewöhnlichen Speisenehmen.
Wir haben hier das Zeugnis des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte, daß die Gläubigen als lebendige Steine auf dem einigen Eckstein erbaut wurden, daß sie in der Furcht des Herrn wandelten und erfüllt wurden mit dem Trost des Heiligen Geistes. Der andern aber durfte sich keiner zu ihnen tun. Sie waren ein Herz und eine Seele, waren einmütiglich zusammen in der Friedenshalle, um das Wort zu hören, und sie achteten ihre Güter gemein.
Das will nun auch nicht sagen, daß alle alles abgegeben haben, aber sie bekamen ein freigebiges Herz, sie hatten Freude am Geben, so daß sie in der Fülle des Trostes des Heiligen Geistes, und wohl wissend, daß der Teufel ihnen nicht lange Ruhe gönnen würde, den lieben Brüdern und Schwestern, die nichts besaßen, gerne halfen mit dem, was sie hatten, und von ihrem Überfluß sie leben ließen. Die Apostel aber haben nicht etwa darauf bestanden, daß sie das tun mußten.
Darum sagte ja auch Petrus hernach zu Ananias: „Hättest du es doch mögen behalten; und da es verkauft war, stand es auch noch in deiner Gewalt“, als der Heilige Geist die Zucht in der Gemeine gegenüber Lüge und Geiz handhabte. Und nun, könnt ihr euch eine bessere Gemeine denken? Nein!
Aber eine andere Frage habe ich: Ist der Eckstein fort? Ist Christus tot? Trägt das Lamm Gottes nicht mehr die Sünde der Welt? Hat sich der Heilige Geist so zurückgezogen, daß er nicht mehr in den Herzen der Gläubigen wirkt? Hat die Gelegenheit aufgehört, zu leiden um des Namens des Herrn Jesu willen? Öder hat die Gelegenheit aufgehört, etwas zu wagen für diesen Namen? Hat der Teufel aufgehört mit seiner List und Gewalt?
Schläft die Welt und ihr Haß wider die Gemeine? Oder kann das Krokodil die Gemeine nur darum nicht ergreifen, weil sie sich gut umgürtet hält? Haben wir keine Sünde mehr? oder haben wir nicht noch tagtäglich mit der bösen Lust unseres Fleisches zu streiten? Ich brauche nicht eine Antwort auf diese Fragen abzuwarten. – Suche keinen sichtbaren Tempel! suche den unsichtbaren!
Ein jeglicher komme, Tag für Tag, mit wahrer Reue über seine Sünde und Schuld zu dem Herrn, gehe tagtäglich zu diesem Brandopferaltar und ergreife den Namen Jesu, den Saum seines Kleides, und bekenne es gegenüber Teufel und Welt freudig: Er ist, er lebt, er sorgt!
Meine Geliebten! Ihr habt die Erfüllung vor euch, ihr seht sie in der Apostelgeschichte; und ihr, so wie ihr hier zusammen seid, wünschet ihr noch etwas? Wenn ich etwas wünschen soll, dann wünsche ich dies: daß der Heilige Geist sich verherrliche an unserer Jugend! Die Gemeine steht da in der Keuschheit Christi bis auf diesen Tag; aber einen Wunsch habe ich, daß der Herr Gott mit seinem Geist und mit der Lehre der Apostel unter uns bleibe.
Dann haben wir dasselbe, wenn auch in anderer Weise, was wir in der Apostelgeschichte finden, und erfüllt ist und bleibt das Wort: „Alle Heiden will ich bewegen, da soll denn kommen aller Heiden Trost; und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr Zebaoth. Denn mein ist beides, Silber und Gold, spricht der Herr Zebaoth; und ich will Frieden geben an diesem Ort, spricht der Herr Zebaoth.“ (Haggai 2,8-10)
Und bei Zephanja lesen wir Folgendes Kap, 3,9 ff.: „Alsdann will ich den Völkern anders predigen lassen, mit freundlichen Lippen, daß sie alle sollen des Herrn Namen anrufen und ihm dienen einträchtiglich.“ Dieses Wort kommt mehrmals in der Apostelgeschichte vor, z. B. daß sie einträchtiglich beieinander waren. –
„Zu derselben Zeit wirst du dich nicht mehr schämen alles deines Tuns, damit du wider mich übertreten hast; denn ich will die stolzen Heiligen von dir tun, daß du nicht mehr sollst dich erheben um meines heiligen Berges willen. Ich will in dir lassen überbleiben ein armes, geringes Volk, die werden auf des Herrn Namen trauen. Die Übrigen in Israel werden kein Böses tun, noch falsch reden, und man wird in ihrem Munde keine betrügliche Zunge finden, sondern sie sollen weiden und ruhen ohne alle Furcht.
Jauchze, du Tochter Zions! rufe, Israel! freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalems! denn der Herr hat deine Strafe weggenommen und deine Feinde abgewendet. Der Herr, der König Israels ist bei dir, daß du dich vor keinem Unglück mehr fürchten darfst. Zu derselben Zeit wird man sprechen zu Jerusalem: Fürchte dich nicht! und zu Zion: Laß deine Hände nicht laß werden! denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein und vergeben, und wird über dir mit Schalle fröhlich sein!“ Amen.
(Quelle: licht-und-recht.de)
Literaturempfehlung: Gregory Beale: "Der Tempel aller Zeiten - Die Wohnung Gottes und der Auftrag der Gemeinde - eine biblisch-heilsgeschichtliche Studie", Betanien Juli 2011
In der gesamten Bibel steht der Tempel für Gottes Ziel mit seinem Volk: In Ihrer Mitte zu thronen und zu wohnen, um als Schöpfer und Erlöser angebetet zu werden und seine Herrlichkeit in die ganze Schöpfung hinausstrahlen zu lassen. Von Eden bis zur letzten Seite der Offenbarung lässt sich dieser rote Faden verfolgen.
In diesem Buch zeigt Gregory Beale diesen roten Faden und eine erstaunliche Fülle an biblischen und auch antiken kulturellen Zusammenhängen von Eden über die Wohnung Gottes und das in Christus bereits angebrochene Heil bis zur Vollendung auf. Wofür Adam, Israel und der Tempel unvollkommene Schatten waren, das hat Christus vollkommen zu erfüllen begonnen. Auch die Gemeinde gehört schon jetzt zu diesem Tempel, und das hat auch ganz praktische Konsequenzen für das Leben als Christ.
Beantwortet werden dabei auch zentrale Fragen der Eschatologie (biblische Zukunftslehre) und des Lebens als Christ wie z.B:
- Wird es einen wiederaufgebauten Tempel in Israel geben?
- In welchen Tempel setzt sich der Antichrist?
- Wie ist der Tempel aus Hesekiel und Offenbarung 11 zu verstehenn?
- Was ist mit den alttestamentlichen Wiederherstellungsverheißungen für Israel?
- Was bedeutet es - auch für unsere Praxis -, dass Jesus Christus und seine Gemeinde der wahre Tempel sind?
"Dieses Buch ist nicht nur deshalb so wichtig, weil es ein erhabenes Thema kompetent abhandelt, sondern weil es dieses Thema in aufrüttelnder Weise entfaltet und damit ein Vorbild dafür liefert, wie man biblische Theologie betreiben soll - und weil es dem Leser erfrischende und wunderbare Dinge aus der Schrift zeigt." (Donald A. Carson)
"Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Verkäufer von Rindern und Schafen und Tauben und die Wechsler, die dasaßen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, samt den Schafen und Rindern, und den Wechslern verschüttete er das Geld und stieß die Tische um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das weg von hier! Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! Seine Jünger dachten aber daran, dass geschrieben steht: »Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt«.
Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen zeigst du uns, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten!
Da sprachen die Juden: In 46 Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferstanden war, dachten seine Jünger daran, dass er ihnen dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte." (Joh. 2,13-22)
"Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen?
Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige." (2. Kor. 6,14-18)
"Wer überwindet, den will ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes machen, und er wird nie mehr hinausgehen; und ich will auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das vom Himmel herabkommt von meinem Gott aus, und meinen neuen Namen."
"Und einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn der Herr, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, dass sie in ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Heidenvölker, die gerettet werden, werden in ihrem Licht wandeln, und die Könige der Erde werden ihre Herrlichkeit und Ehre in sie bringen.
Und ihre Tore sollen niemals geschlossen werden den ganzen Tag; denn dort wird keine Nacht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Völker in sie bringen. Und es wird niemals jemand in sie hineingehen, der verunreinigt, noch jemand, der Gräuel und Lüge verübt, sondern nur die, welche geschrieben stehen im Buch des Lebens des Lammes." (aus der Offenbarung Jesu Christi)


