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Über den Schwarmgeist - von Walter Michaelis

Was ist es eigentlich um den Schwarmgeist? Er ist zunächst etwas anderes als das, was so gern mit dem Ausdruck Schwärmerei oder schwärmerisches Christentum abgetan wird. So nennen kühl veranlagte Christen oft einen Eifer, eine Glut, eine Opferfreudigkeit, die in ihrem Wesen echt ist, selbst wenn sie einmal hier und da über das Ziel hinausschießt.

Schwarmgeist ist auch mehr und Schlimmeres als eine in Wahrheit schwärmende Art, wo Gefühlseindrücke und Gefühlsausbrüche das Vorherrschende sind und der Boden der Wirklichkeit verlassen wird, weil man sich in einer eingebildeten Welt bewegt.

Hier hilft oft die rauhe Wirklichkeit oder, christlich gesprochen, die erziehende Treue Gottes im Laufe des Lebens zurecht. Schwarmgeist ist etwas viel Ernsteres. Da geht es um geistige Mächte und zwar persönlich dämonischer Art. Gerade da, wo Paulus von schwarmgeistigen Entartungen des Glaubenslebens spricht (1.Tim.4,3) nennt er als Ursache „irreführende Geister“ und „Lehre von Dämonen“. Schwarmgeist ist also nicht nur gesteigertes Temperament, erhitztes Gefühl, phantasievolle Lebensbeurteilung.

Schwarmgeist ist ein Einfluß aus der Welt der Dämonen. Das heißt nicht etwa, daß jeder vom Schwarmgeist geleitete „besessen“ ist; viele sind von den Dämonen nur gereizt, beeinflusst, in Rauschzustand versetzt. Das heißt aber, daß es auch eine richtige Besessenheit gibt, und von den eigentlichen Ursprüngen und Führern der Bewegung wird man dies urteilen müssen.

Freilich muß mit Ernst gewarnt werden, ein solches Urteil über Menschen ohne ernsteste Prüfung und ohne wirkliche Erfahrung in diesen Dingen schnell auszusprechen. Bisweilen wird mit der Behauptung von Besessenheit so um sich geworfen, daß man es nur einen traurigen Unfug nennen kann.

Auch ist der Unterschied zwischen dämonischer Besessenheit und dämonischer Beeinflussung stets im Auge zu behalten. Daß es sich aber in manchen Fällen innerhalb der Zungenbewegung um wirkliche Besessenheit gehandelt hat, davon bin ich überzeugt. Das zeigte sich namentlich in den Erscheinungen, die auftraten, wenn Ernüchterte sich diesem Geist zu entringen suchten.

Woran erkennt man den Schwarmgeist? Dem Schwarmgeist wohnt immer etwas Berauschendes, den klaren Blick Benebelndes bei. Man muß staunen, wohin er vernünftige Christen bringen kann. Man muß sagen, daß er sie oft geradezu lächerliche, sie gründlich blamierende oder gar anstößige Dinge zu tun veranlaßt, um die von ihnen vertretene Sache Gottes vor der Welt lächerlich zu machen und in Verruf zu bringen. Man vergleiche gewisse Vorgänge in Kassel, in Schlesien und anderen Gegenden.

Viele der „Botschaften“ in der Zungenbewegung aus dem Mund der Zungenredner und Propheten, viele der Träume, Gesichte und dgl. enthielten so seichtes, abgeschmacktes, völlig bedeutungsloses Zeug, daß man sich als Christ nur tief schämen konnte, daß Christen, die besonders geistgetauft sein wollten, solches Zeug hervorbrachten. Aber gerade diese Blamage will der Feind. Weil er es bei Christen erreichen will, verstellt er sich oft in einen Engel des Lichts.

Der Schwarmgeist bietet sich an als höhere Stufe des Christentums. Der Schwärmer ist unbelehrbar… Jung-Stilling hat einmal gesagt: Die Wurzel des Schwarmgeistes ist der Hochmut. Darum rührt er wohl an das Tiefste, Ernsteste. Warum fiel der große Fürst der Engel… Zu Blumhardt kam einst in sein Möttlinger Pfarrhaus eine Frau, um ihn in langer und breiter Rede wissen zu lassen, wie wundersame Christuserscheinungen und Offenbarungen sie habe. Blumhardt ließ sie ausreden.

Dann sagte er kurz und bündig zu ihr: „Und das ist alles vom Teufel!“ Voller Entrüstung stand sie auf und verließ das Pfarrhaus. Nach wenigen Wochen kam sie gebeugt wieder. „Herr Pfarrer, Sie haben völlig recht gehabt. Ich habe erkannt, daß das alles nur aus dem Hochmut gekommen ist.“

Wir sehen, es handelt sich beim Schwarmgeist um ein dunkel verschlungenes Gebiet, um eine Mischung von Wahrheit und Irrtum, um Finsternis in Lichtgestalt, um Hochmut im Gewande von Scheindemut, von der Paulus Kol.2,18 spricht. Daher ist ein schwarmgeistiger Angriff für die Gemeinde viel gefährlicher als der eines offenen Feindes. Für die Gemeinschaftsbewegung war dies ein schwerer Schlag…

Wir dürfen das, was über Beurteilung des Schwarmgeistes zu sagen ist, nicht abschließen, ohne einer verführerischen Kraft zu gedenken, die allen solchen Bewegungen beiwohnt: es sind die wunderbaren Vorgänge in ihr und ihre Erfolge. Der Dichter sagt: Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. Dies Wort bewahrheitet sich leider oft gegenüber religiösen Bewegungen.

Wo Krankenheilungen geschehen, wo gar Zungenreden stattfindet oder prophetische Aussprüche verborgene Sünden ans Licht bringen, da ist für viele der Beweis einfach erbracht! Eine solche Sache muß doch von Gott sein! Und wenn es dann auch Bekehrungen gibt, so ist durch solche die Bewegung erst recht legitimiert. Wer die Wahrheit einer Sache allein schon aus ihrem Erfolg herleitet, der steht bereits am Anfang eines Irrweges.

Für ihn hat der Herr vergeblich gesagt: „Es werden falsche Christi und Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführet werden in den Irrtum, - wo es möglich wäre – auch die Auserwählten“ (Mt.24,24). Für ihn hat der Herr vergeblich gewarnt: es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, Teufel ausgetrieben, in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter (Mt.7,22). Was den Beweis aus dem Erfolg betrifft, so ist den Worten des Herrn Jesus nichts hinzuzufügen.

Was die Bekehrungen betrifft, so ist es überhaupt ein Geheimnis, wann, wie und wodurch Menschen sich bekehren. Aber schwarmgeistige Bewegungen haben ja auch Gottes Wort, es wird in ihnen verkündigt. Und das einzig in Wahrheit Bekehrende ist ja Gottes Wort. Es wirkt durch sich selbst. Und in jeder solcher Bewegung sind einfältige Menschen, die um die Wirkung des Wortes beten. Das erhört der Herr.

Auch schließen die wunderbaren Vorgänge, die von vielen ohne Prüfung hingenommen werden, das Herz für Einflüsse aus der höheren Welt auf. So ist es nicht schwer, die Bekehrungen zu erklären, die in solchen Kreisen vorkommen. Wenn wir aber aus den äußeren und inneren Wirkungen auf die Echtheit und Wahrheit schließen dürften und alles, was solche Wirkungen hervorbringt, anerkennen könnten, dann müßten wir auch die Neuapostolischen anerkennen oder dem Spiritismus religiösen Wert zusprechen.

(Auszüge aus seinem Buch „Erkenntnisse und Erfahrungen aus fünfzigjährigem Dienst am Evangelium“; gefunden auf glaubensstimme.de)


Einführung zur Berliner Erklärung (von Unbekannt)

Am 15. September tagte in Berlin eine Versammlung von Brüdern verschiedener christlicher Benennungen, um über die immer mehr zu einer Gefahr für die Gemeinschaftskreise auswachsende, sogenannte Pfingstbewegung zu beraten und Stellung zu ihr und den Führern dieser Bewegung zu nehmen.

Nach eingehender Besprechung ist der Beschluß gefaßt, eine Erklärung zu veröffentlichen, in welcher die Angelegenheit eine klare und bündige Ablehnung erfährt. Wir sind dem Herrn sehr dankbar, daß die Brüder zu einem einhelligen Ergebnis gelangt sind, und bitten unsere Leser, dieser Erklärung, die wir in ihrem vollen Umfange hier folgen lassen, volle Beachtung zu schenken.

Die vereinigten Brüder, unter denen sich auch manche befinden, die diese unheimliche Bewegung aus Erfahrung kennen lernten, da sie zeitweilig in dieselbe verwickelt waren, treten für diese Erklärung ein und wir setzen darum sämtliche Namen unter dieselbe.

Der Herr gebe in Gnaden, daß die Veröffentlichung dazu dienen möge, unsere Kreise über diese Bewegung und die Irrlehren, aus denen sie hervorgehen konnte, zu unterrichten, unbefangene Gemüter vor Schaden zu bewahren und solche, die bereits in dieser Schlinge des Lügners von Anfang gefangen sind, zu befreien. Wir lassen nun den Wortlaut der Erklärung folgen.

(Quelle: Gärtner - Eine Wochenschrift für Gemeinde und Haus 1909)


"Wir bitten euch aber, ihr Brüder, wegen der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm: Lasst euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern oder gar in Schrecken jagen, weder durch einen Geist, noch durch ein Wort, noch durch einen angeblich von uns stammenden Brief, als wäre der Tag des Christus schon da.

Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, so dass er sich in den Tempel Gottes [naos] setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt.

Denkt ihr nicht mehr daran, dass ich euch dies sagte, als ich noch bei euch war? Und ihr wisst ja, was jetzt noch zurückhält, damit er geoffenbart werde zu seiner Zeit.

Denn das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist schon am Wirken, nur muss der, welcher jetzt zurückhält, erst aus dem Weg sein; und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird, ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verloren gehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können.

Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, so dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.

Wir aber sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an zur Errettung erwählt hat in der Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt.

So steht denn nun fest, ihr Brüder, und haltet fest an den Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch ein Wort oder durch einen Brief von uns. Er selbst aber, unser Herr Jesus Christus, und unser Gott und Vater, der uns geliebt hat und uns einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung gegeben hat durch Gnade, er tröste eure Herzen und stärke euch in jedem guten Wort und Werk!"

(2. Brief an die Thessalonicher, Kapitel 2)