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Apostelgeschichte Kap. 2-10 in fünfundzwanzig Predigten im Jahre 1873 gehalten;

6. Predigt - Apostelgeschichte 6,8-15 und 7 - gehalten den 29. Juni 1873 vormittags von H. F. Kohlbrügge

Meine Geliebten! Lasset uns mit einander aufschlagen und andächtig lesen oder lesen hören Apostelgeschichte 6,8-15 und 7,1.57-59:

"Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen etliche auf von der Schule, die da heißt der Libertiner und der Cyrener und der Alexanderer, und derer, die aus Cilicien und Asien waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer und sprachen: Wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mose und wider Gott.

Und sie bewegten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten, und traten herzu und rissen ihn hin und führten ihn vor den Rat, und stellten falsche Zeugen dar und sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gesetz; denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im Rat saßen, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht. – – Da sprach der Hohepriester: „Ist dem also?“ – "

Und dann am Schluß Vers 57 ff.: "Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! – "

Der ewige und barmherzige Gott faßte vor Grundlegung der Welt den Entschluß, aus dem Verderben, in welches sich die Welt bald stürzen würde, solche zu erretten, an denen er seinen großen Namen am besten verherrlichen konnte.

Sein geliebter Sohn, Jesus Christus, welcher als die ewige Weisheit vor seinem Angesicht spielte (Spr. 8), nahm es auf sich, diesen Rat zu vollführen und durch seinen Tod denen das Leben zu erwerben, welche sonst im ewigen Tode liegen bleiben mußten; und der Heilige Geist nahm es auf sich, in den Herzen derer, welche der Vater sich in Christo erwählt hat, und welche am meisten seiner Gnade bedürftig waren, den Glauben zu wirken.

Als die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn. Er kam in unserm Fleische. Und als wiederum die Zeit erfüllet war, sandte Christus den Heiligen Geist herab, und so wurden an einem Tage, am Pfingsttage, zu Jerusalem Dreitausend gläubig, worauf bald noch Zweitausend folgten.

Es gefiel nun dem Heiligen Geiste vor allem, diese Gemeine so zusammenzusetzen, daß sie nicht allein eine geistliche, sondern auch eine soziale Haushaltung wurde, und so mußten denn die lieben Gläubigen ihre Habe freiwillig zu den Füßen der Apostel bringen, und alles wurde, für so viel, als einem jeden not tat, aus der allgemeinen Kirchenkasse bestritten.

Dies war eine Einrichtung, welche nicht bleibend sein konnte, weil die Gemeine mehr und mehr wuchs. Es stellte sich denn auch bald die Notwendigkeit heraus, andere Maßregeln zu ergreifen, um die Notdurft der Witwen und Dürftigen zu versehen. Die Gemeine bestand aus Juden und aus Griechen. Letzteres war der allgemeine Name der Heiden, welche zum Judentum übergetreten waren. Da entstand nun aber ein Murren: man verabsäume die Witwen der Griechen.

Wie fern nun dieses Murren einen Grund hatte, läßt sich nicht sagen. Genug, der Teufel ist immer ein Friedensstörer in der Gemeine und läßt bestimmt die Aufrichtigen nicht in Ruhe, sondern sucht allezeit Zank und Zwietracht anzurichten. Nun ist Murren und Klagen und Kritisieren leicht; damit ist aber nichts ausgerichtet, es gilt weise Vorschläge zu machen.

In einer Gemeine – denn man hat mit Fleisch und Blut zu tun, – ist es rein unmöglich, daß immer alles so sein kann, als hätten es die Tauben erlesen; da muß allezeit mit Weisheit und Vorsicht manches wieder in Ordnung gebracht werden. Als nun dies Murren entstand, nahmen die Apostel es nicht übel, sondern alsbald kam bei ihnen der Gedanke auf: hier muß geholfen werden!

Denn Fleisch und Blut kann wohl kritisieren und verdammen, aber es kommt ihm nicht in den Sinn, zu erhalten und in Ordnung zu bringen. Dazu gehört eine besondere Gabe. Das war nun den Aposteln gegeben, und sie konnten alsbald das Feuer löschen. Sie lassen die Gemeine zusammenkommen, und die Gemeine wählt sieben Männer.

Die Apostel hatten zuvor gesagt, welcher Art diese Männer sein sollten, nämlich Männer, die ein gutes Gerücht haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind. Unter den Männern, welche von der Gemeine gewählt wurden, war auch einer, mit Namen Stephanus, von dem wir das Zeugnis haben Vers 5, daß er war ein Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes. –

Um diese Vorgänge und die Worte des Apostels: „Es taugt nicht, daß wir das Wort Gottes unterlassen und zu Tische dienen“, gut zu verstehen, müssen wir uns deutlich machen, wie damals die Sitten waren. Die Gemeine kam in Estaminets oder Speisesälen zusammen, gleichsam als eine große Familie; sie aßen da zusammen mit den Kindern, und nach dem Abendessen feierten sie das Abendmahl.

Nun sagten die Apostel: „Das wird uns zu schwer. Wir wollen das Volk lehren und das Predigtamt versehen; die andern können für die Not und die Bedürfnisse der Gemeine sorgen.“ Als diese sieben Männer gewählt waren, haben die Apostel ihnen vor der Gemeine die Hände aufgelegt, wie das damals Sitte war, und sie also in ihrem Amte befestigt.

Stephanus war also voll Glaubens und Heiligen Geistes. Wer voll Glaubens ist, der ist voll Barmherzigkeit und Liebe, der sieht nur auf Jesum Christum, auf Schächersgnade, und daß den Bedürfnissen der dürftigen Christen mit Weisheit und Gerechtigkeit abgeholfen werde. Wer voll Glaubens ist, der kennt die Tücken des eigenen Herzens, der kennt seine eigene Verkehrtheit und die große und gewaltige Barmherzigkeit Gottes; er weiß wohl, daß eigentlich kein Mensch zu regieren ist, wenn nicht Gottes Wort und sein Geist es tut.

Und so ist er denn auch voll des Heiligen Geistes, welcher ja ein Tröster heißt, daß er die Armen tröste, ihnen tröstend helfe, und nicht komme mit Stock und Geißel, sondern daß er komme, Tränen abzutrocknen und in Liebe zu helfen, – freilich auch die Verkehrten zurecht zu setzen, aber in Liebe und Weisheit. –

Nun kam Stephanus auch in die Synagogen, auch in sektiererische Synagogen, wo mancherlei fremde Lehrer waren; er kam dahin mit der wahrhaftigen Lehre, und da wurden denn mancherlei Fragen aufgeworfen. Hernach wurden aber diese Leute böse; denn ihre Sünden wurden ihnen aufgedeckt, und sie hatten ein böses Gewissen. Sie behaupteten, die rechte Lehre zu haben und fromm zu sein, und es war doch lauter Heuchelei.

Sie predigten so einiges von den Vätern, von dem Gesetz, von den Zeremonien, von dem Tempel, aber sie taten im Grunde das alles nur, um Freiheit zu haben für das Fleisch, unter dem Deckmantel des Gesetzes. Sie gaben Gott scheinbar das Seine und beraubten inzwischen Witwen und Waisen. Sie rühmten viel von den Vätern, hatten aber nicht den Glauben der wahren Väter. Stephanus nun hat ihnen ihre Sünden aufgedeckt.

Das tat er aber nicht, um ihnen überhaupt nur ihre Sünden aufzudecken, sondern um sie davon zu überführen, daß ein Menschenkind sich doch nicht eines andern rühmen soll, als allein Gottes und des Herrn Jesu. Sie sprachen, um so zu sagen: „Die Kirche! die Kirche! die Kirche!“ „Ach, die Kirche!“ entgegnete er darauf, „die Kirche bin ich! Ich weiß von einem Tempel, das ist euer Leib, ein Tempel des Heiligen Geistes, haltet den einmal rein!“

Stephanus behauptete in seinen Gesprächen den ewigen Rat Gottes, unsere gänzliche Verdorbenheit, die Notwendigkeit des Glaubens an Jesum Christum, die Notwendigkeit wahrhaftiger Wiedergeburt und Bekehrung. Sie konnten ihm nicht widerstehen, denn alles, was er sagte, war zu schlagend.

Sie wurden fortwährend überführt und wegen ihrer Sünden gestraft. Denn die Väter sind wohl gut, und Moses und das Gesetz auch, und der Tempel mag auch gut sein, so lange Gott ihn stehen läßt; aber wenn man das Gute mißbraucht, dann ist es nicht mehr gut, sondern führt zum Verderben. Wenn man von den Vätern rühmen will, soll man auch in den Fußstapfen der wahren Väter wandeln, welche Gott gehorsam gewesen sind und den rechten Glauben gehabt haben.

Wenn man des Gesetzes und Mosis sich rühmen will, dann soll man doch von Moses nicht so reden, als lehre er nur: „Hier ein wenig, da ein wenig!“ Wenn man von den Zeremonien reden will, so sollen doch die Hände, welche voll gestohlenen Gutes sind, zuerst gewaschen werden! Das war also eine Predigt, wie der Herr Jesus sie oft den Pharisäern gehalten hat. All ihre Lehren mußten am Ende auf Gottlosigkeit, Laster und Aberglauben hinaus laufen.

Endlich wird Stephanus vor den Rat geführt, und der Hohepriester fragt ihn: „Ist dem also?“ Wahre Zeugen konnten nichts wider ihn aussagen, so wurden denn die Worte des Stephanus verdreht, wie sie es hernach dem Paulus machten, indem sie vorgaben, er lehre: Lasset uns Böses tun, auf daß das Gute daraus hervorkomme.

Es traten falsche Zeugen auf und sagten: „Dieser Mensch höret nicht auf zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte und das Gesetz; denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat.“ Darauf fragt ihn nun der Hohepriester: „Ist dem also?“ Kap. 7, Vers 1. Das Angesicht
des Stephanus aber leuchtete als eines Engels Angesicht.

Der Hohepriester stellte sich, als wüßte er nichts von der ganzen Sache. Er wußte aber recht gut, daß Jesus von Nazareth das nie gesagt, und daß auch Stephanus nie so gepredigt hatte. Da hat sich denn Stephanus vor dem hohen Rate verantwortet. Das Kapitel ist etwas zu lang, um es hier vorzulesen, ihr wollt es zu Hause nachlesen. Aber ich will euch mit kurzen Worten sagen, worin die Verantwortung des Stephanus bestanden.

Er hielt ihnen vor: Gott hat alles getan und nicht die Väter. Abraham z. B. war ja erst ein Götzendiener! Gott hat ihn berufen, der Gott der Herrlichkeit! Was sprecht ihr von Gott? Ihr dientet von jeher dem, was nicht der heilige Gott ist!

Aber der Gott der Herrlichkeit, der in sich zu rein ist, als daß er sich mit Sündern abgeben kann, es aber tut um Christi willen, er hat Abraham berufen. Abraham war ein Götzendiener, aber Gott sagte zu ihm: „Gehe aus deinem Lande und von deiner Freundschaft und ziehe in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Und er ist in dies Land gekommen, worin ihr wohnet.

Das ist nicht euer Verdienst, es ist nicht euer Land, sondern Gottes Land und Erde ist es; und wenn ihr nicht den Willen Gottes tut, so seid ihr nicht wert, daß euch, diese Erde trägt. Gott sagte zu Abraham: „Gehe aus deinem Land und von deiner Freundschaft und ziehe in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Abraham gehorchte. Das tut ihr aber nicht! ihr gehorcht nicht, ihr seid ungehorsam!

Gott gab dem Abraham eine Verheißung. Als Gott dem Abraham die Verheißung gab, daß er einen Samen bekommen werde, hatte Abraham noch kein Kind, er hatte nichts aufzuweisen, es war kein Gedanke daran, daß er ein Kind bekommen könnte! – Was rühmt ihr euch der Beschneidung?

Die Beschneidung ist von Gott, und Gott hat dem Abraham befohlen, sich und die Seinen zu beschneiden, und Gott hat die Beschneidung gegeben als ein Siegel und Pfand dem Glauben, welchen Abraham hatte in seiner Vorhaut. Ihr aber reißet den Glauben und die Beschneidung auseinander, – wie das so gewöhnlich geschieht, daß man Taufe und Abendmahl und den Glauben auseinanderreißt, wo doch Taufe und Abendmahl nichts ist als wie das Schlachten eines Hundes (Jes. 66,3), wenn nicht Glaube da ist, und man zu Gott nicht naht als ein armer Sünder. – So sehr seid ihr den Vätern ungleich! –

Es kam eine Hungersnot ins Land, und die Väter hatten nichts zu essen. Da erweckte Gott unter ihnen einen jungen Mann, Joseph; der hat einen Traum, und statt nun dankbar diesen Traum als eine Verheißung anzunehmen, beneideten sie ihn, trachteten ihm nach dem Leben und verkauften ihn nach Ägypten. Und er kam nach Ägypten, sonst wäret ihr alle nicht da. Durch den beneideten Joseph kam das Haus Jakobs auch nach Ägypten und erhielt Speise in der Hungersnot, – sonst wäret ihr alle nicht da!

In Ägypten starben Jakob und die Väter, und nachdem das Volk es eine Zeit lang gut gehabt hat, wurden sie schrecklich unterdrückt, so daß sie ihre Knäblein auf Befehl des Königs mußten ersäufen lassen, als ein anderer König aufstand, der nichts von Joseph wußte. In welcher Not und Bedrängnis waren da unsere Väter! Doch Gott erweckte den Moses. Und diesen Moses, – wo läßt er ihn erziehen? Hat er ein heiliges Häuschen für ihn besonders?

Nein, am abgöttischen Hose Pharaos wird er erzogen! von der Tochter Pharaos! Nun, es waren die Väter in der äußersten Not, und es kommt Moses sie besuchen. Er sieht einen ägyptischen Mann einem Israeliten Unrecht tun und schlägt den Ägypter tot. Und abermals geht er aus, seine Brüder zu besuchen und will den Zank schlichten, der zwischen zwei Israeliten ausgebrochen war; aber sie nehmen es ihm so übel, daß sie ihm vorwerfen, ob er sie etwa auch töten wolle.

Sie erkennen gar nicht in dem Eifer Mosis seine Liebe zu seinem Volk und nötigen ihn so, daß er sich eilig nach Midian fortmachen muß. So war er denn in Midian. Wie war er da? Hat er etwa durch seine Geschicklichkeit es so weit gebracht, daß er mit Roß und Wagen wieder nach Ägypten zurückgekommen ist? Nein, – Moses hat aus sich selbst nichts getan; Gott hat sich erbarmt und hat Mosen berufen, da er, ein Hirte, hinter den Schafen war.

Der Engel des Herrn erschien ihm und sprach zu Mose: „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, gehe hin und führe mein Volk aus Ägypten!“ Und da war denn dieser Moses so wenig geschickt und tüchtig, daß er vielmehr an seinem ganzen Leibe zitterte und bebte, als der Engel zu ihm redete, und nicht daran dachte, daß er mit beschuheten Füßen dastand, so daß der Engel erst zu ihm sagen mußte: „Ziehe die Schuhe aus von deinen Füßen, denn die Stätte, da du stehest, ist heiliges Land.“

So wenig hatte Moses Begriff von der Heiligkeit, vor welcher er stand. Und nun, was habt ihr diesem Mose getan, den Gott euch zu eurer Errettung gesendet? Habt ihr ihn nicht geplagt von Anfang bis zu Ende, so daß Moses der geplagteste Mann auf Erden gewesen ist? (4. Mo. 12,3)

Welch eine Hochachtung zeigtet ihr, als ihr das Gesetz durch den Dienst der Engel auf Sinai empfinget? Moses blieb vierzig Tage aus, und was sprachet ihr da zu Aaron? „Mache uns Götter, die vor uns hingehen, denn wir wissen nicht, was diesem Mose, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, widerfahren ist!“

So habt ihr Gott und Mosen verworfen, so daß Moses die zwei Tafeln des Gesetzes in Stücke warf im Zorn über euer Kalb. Gott hatte gesagt: „Ich habe wohl gesehen das Leiden meines Volks, das in Ägypten ist, und habe ihr Seufzen gehört und bin herabgekommen sie zu erretten. Und nun, komm her, ich will dich in Ägypten senden.“ Es war darum allein Barmherzigkeit Gottes, allein seine Gnade, daß er ihr Schreien und Seufzen erhörte, obschon er recht gut wußte, was für ein Volk sie waren.

Es war lauter Gnade und Barmherzigkeit; denn er wußte sehr wohl, sie würden nicht einmal einsehen und erkennen, wer Mose wäre, und wer ihn gesendet. „Ihm wollten eure Väter nicht gehorsam werden, sondern stießen ihn von sich und wandten mit ihren Herzen um nach Ägypten“ (V. 39). So habt ihr das heilige Land, welches Gott euch gegeben, gering geachtet, verachtet in eurem Wahn! Wer hält nun fest? wer hält die Treue? Die Gemeine?

Die Gemeine Israel macht sich ein Kalb, und es zeigt Gott, daß er allein es ist, der festhält; und es zeigt Gott, was aus einem Menschen, was aus einer Gemeine wird, welche mit allen Wundern und Zeichen umgeben ist, wenn Gott losläßt. Dann geht es nach Vers 42-45: „Aber Gott wandte sich und gab sie dahin, daß sie dienten des Himmels Heer; wie denn geschrieben steht in dem Buch der Propheten: Habt ihr vom Hause Israel die vierzig Jahre in der Wüste mir auch je Opfer und Vieh geopfert?“ Das ist eine harte Frage.

Sie hatten ja unzählig viel Vieh geopfert! Ja, für sich selbst, aber nicht für den Herrn Gott! Sie wollten Gottesdienst, ja, aber ihr Wohlleben dabei haben! Sie wollten nicht in die Hölle kommen, aber ihr Herz Gott zu geben, das war ihnen beim Opfern nicht eingefallen. – „Es hatten unsere Väter die Hütte des Zeugnisses in der Wüste, wie er ihnen das verordnet hatte, da er zu Mose redete, daß er sie machen sollte nach dem Vorbild, das er gesehen. Aber ihr nahmet die Hütte Molochs an, und das Gestirn eures Gottes Remphan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, sie anzubeten.“

Und da wollt ihr noch reden vom Tempel Gottes? von der Stiftshütte? Und was war das für ein Gebilde? Gott hatte gesagt: Hüte dich, daß du alles machest nach dem Bilde, das ich dir gezeigt habe. Und da kommt ihr nun mit euren Tempelchen und Hüttchen von Moloch und Remphan und Baal Peor und anderer Götter mehr!

So habt ihr die Hütte Gottes geheiligt! – Nun, „als die Väter diese Hütte annahmen, brachten sie dieselbe mit Josua in das Land, das die Heiden inne hatten, welche Gott ausstieß vor dem Angesicht unserer Väter, bis zu der Zeit Davids.“ Wer stieß aus? Habt ihr das getan? Wir haben die Hütte mitgenommen, das ist alles.

Aber es lebte einmal ein König, der hatte zwei Altäre; den einen Altar, den Altar des Herrn, stellte er in die Ecke, aber wenn er in der äußersten Not war, indem der andere nicht helfen wollte, dann opferte er darauf (2. Kön. 16,10-15). So ging es allezeit im Volk. Sie nahmen zwar die Hütte mit, und der Herr stieß die Heiden vor ihrem Angesichte aus, aber dann vergaßen sie des Herrn und seiner Hütte und stellten sie in die Ecke. Das war eine traurige Zeit, die Zeit der Richter.

Da erweckte Gott einen jungen Mann, welcher nach seinem Herzen war; denn er hielt sich an Gott und glaubte von ihm, er sei sein Gott, und sei gewaltiger als ein Löwe und als ein Bär und auch gewaltiger als der Riese der Philister, – und er sei ein treuer Gott, ihn zu erretten von allen Feinden. Dieser, indem er sich an den lebendigen Gott hielt, fand bei Gott – was? Ruhe? Nein! Er fand Gnade bei Gott, also daß er ihm durch alle Not hindurch half.

Und dieser David, da er nun in seinem Palaste saß, suchte, wo er Gott doch ein Haus bauen möchte; aber er konnte die Stätte nicht finden. Da fand er sie endlich im Geiste in Bethlehem (Ps. 132,6). Doch durfte er den Tempel nicht bauen. Gott gab ihm ein Bild, wie er dem Moses auf Sinai ein Bild gezeigt hatte, ein Bild Jesu Christi, wovon Gott gesagt hatte: „Ich will dir ein Haus bauen“, – das Bild eines himmlischen Palastes. Dieses Bild hat David Salomo übergeben, und Salomo bauete ihm ein Haus. Wem bauete er das Haus?

Der Herr hatte zu David gesagt: „Ich will dir ein Haus bauen“, aber von Salomo heißt es: er bauete Gott das Haus. – Wohnet nun aber Gott in einem Hause? er, den die Himmel der Himmel nicht umfassen können? Ist er es nicht, der bei dem Propheten spricht: „Der Himmel ist mein Stuhl, und die Erde meiner Füße Schemel; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen? spricht der Herr, oder welches ist die Stätte meiner Ruhe? Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?“ –

Dann hat Stephanus ihnen weiter vorgehalten, sie seien Halsstarrige und Unbeschnittene an Herzen und Ohren, – „ihr widerstrebet allezeit dem Heiligen Geiste, wie eure Väter also auch ihr! Welche Propheten haben eure Väter nicht verfolgt und sie getötet, die da zuvor verkündigten die Zukunft dieses Gerechten, welches ihr nun Verräter und Mörder geworden seid?“ Damit hat Stephanus ihnen alles gesagt.

Was hat er ihnen gesagt? Das: Es ist alles von Gott, es ist alles seine Gnade, seine Barmherzigkeit! Diesen Gott schließt ihr nicht ein in ein Haus! Suchet, daß er Wohnung nehme in euren Herzen! Höret doch, ihr Menschen, wir können nichts als alles verderben, wir stoßen fortwährend alles von uns, wir haben keinen Respekt vor Gottes Gesetz, wir verwerfen vielmehr Mosen und alle Propheten, nehmen das Zeugnis Christi nicht an, sondern sind dem lieben Joseph neidisch, stoßen ihn aus, wie wir können, wir werden Mosen plagen, so lange er lebt, und achten das Zeugnis auch nicht eines Propheten!

Wir mit all unserm Rufen: „Kirche! Kirche!“ haben gar kein Herz für Gottes Kirche. Alles ist Selbstsucht und Selbstbehauptung, und von der ewigen Liebe Gottes haben wir keine Ahnung! – Seht, Stephanus ist ein armes Tier gewesen; er hat an seiner eigenen Geschichte die Geschichte seines Volkes gelernt; er hat an seiner eigenen Geschichte erkannt, daß es alles Gnade ist, von Anfang bis Ende, aber bei dem Menschen ist nur Verkehrtheit und kein Herz für Gottes Haus, so daß, wenn Gott einem hundert Taler gibt, so bekommt er von ihm für sein Haus einen Groschen!

Das wurde damals dem hohen Rate gepredigt, und ihr seht die böse Auffassung einer heilbringenden Predigt: sie wurden grimmig böse und steinigten den treuen Stephanus! und ferner: sie sind in Verstockung geraten! Weshalb? deshalb, weil sie die Predigt nicht angenommen haben: wir taugen nicht, wir lieben die Gnade nicht, wir lieben Gottes Gesetz und Gottes Haus nicht! Der Herr ist es allein, der Treue hält; er ist der Erste gewesen, und er muß auch der Letzte sein, sonst sind wir ewig verloren!

Als nun Stephanus so freudig gepredigt hatte, was hatte es bei ihm selbst für eine Wirkung?

Diese, daß er nicht gedroht hat mit Blitz und Donner, sondern der Geist erfüllte ihn mit freudigem Mute, daß er die Steine, die auf ihn flogen, nicht mal gefühlt hat, sondern er sah Jesum zur Rechten Gottes stehen, und nun, – ruft er: Helft mir, ihr Väter, Moses, Gesetz? – nichts von dem allen, sondern: „Herr Jesu, nimm meinen Geist auf!“ und seine letzten Worte: „Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht!“ sind eine Wiederholung seiner Predigt: Wenn Gott will, so rechnet er einem Volke, so tief es auch gesunken ist, und jedem einzelnen, wenn er auch die Gnade siebenmal von sich gestoßen hat, diese Sünde, diese abscheulichste Sünde, nicht an, sondern macht groß, wie er angefangen hat, den ewigen Friedensrat, seine Gnade, das Blut Jesu Christi, den Glauben und die Liebe.

(Quelle: licht-und-recht.de)


"So lasst uns nun mit Furcht darauf bedacht sein, dass sich nicht etwa bei jemand von euch herausstellt, dass er zurückgeblieben ist, während doch die Verheißung zum Eingang in seine Ruhe noch besteht!

Denn auch uns ist eine Heilsbotschaft verkündigt worden, gleichwie jenen; aber das Wort der Verkündigung hat jenen nicht geholfen, weil es bei den Hörern nicht mit dem Glauben verbunden war.

Denn wir, die wir gläubig geworden sind, gehen in die Ruhe ein, wie er gesagt hat: »Dass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen«. Und doch waren die Werke seit Grundlegung der Welt beendigt; denn er hat an einer Stelle von dem siebten [Tag] so gesprochen: »Und Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken«, und an dieser Stelle wiederum: »Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen!«" (Heb. 4,1-5)

"So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge nochmals jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er verpflichtet ist, das ganze Gesetz zu halten.

Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen! Wir aber erwarten im Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit; denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist."

"Denn in Christus Jesus gilt weder Beschnittensein noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Schöpfung. Über alle, die nach dieser Regel wandeln, komme Frieden und Erbarmen, und über das Israel Gottes!" (aus dem Galaterbrief)