Ährenlese - Demut
Was ist Herzensdemut? Demut ist, wenn man sich selber richtig würdigt. Ein Mensch, der geringer von sich denkt, als er sollte, ist nicht demütig, obgleich es ihm Verlegenheiten bereiten kann. Manche, die wissen, dass sie etwas können, stellen dies in Abrede: das nennt doch gewiss niemand Demut?
Jemand wird um seine Mitwirkung bei einem guten Werk angesprochen. „Nein, dazu habe ich keine Gaben;“ und doch würde er es sehr übel nehmen, wenn jemand anders so über ihn urteilte. Wenn Gott einem Menschen Gaben schenkt, meint ihr, dieser Mensch wisse es denn nicht? Wenn ein Mensch zehn Zentner empfangen hat, so hat er kein Recht, seinen Meister zu verunehren und zu sagen; „Herr, du hast mir nur fünf Zentner gegeben.“
Es ist keine Demut mehr, wenn ihr das Anvertraute unterschätzt: der wahrhaft Demütige denkt, wo immer möglich, so von sich, wie Gott von ihm denkt. Wenn uns Pfunde anvertraut sind, so sollen wir daran denken, dass Gott sie uns anvertraut hat; und es soll sich an uns zeigen, dass wir, wie ein befrachtetes Schiff umso tiefer im Wasser gehen, je mehr wir tragen. Die Demut spricht nicht: „Ich habe diese Gabe nicht;“ sondern: „Ich habe diese Gabe und ich muss sie gebrauchen zu meines Herrn Ehre.
Ich darf keine Ehre für mich selber suchen, denn was habe ich, das ich nicht empfangen hätte?“ Demut heißt fühlen, dass wir unser nicht selbst mächtig sind, sondern dass es alles von Gott kommt. Die Demut lehnt sich auf den Geliebten und spricht: „Ich vermag alles durch Christum, der mich mächtig macht.“ Das heißt dann in der Tat, sich selbst entäußern und den Herrn Jesum Christum erhöhen, dass Er alles in allem ist. (von C.H. Spurgeon)
Demut - von Otte Funcke
Es gibt eine echte und es gibt eine unechte Demut; es gibt eine, die nur Demuts-Schein und -Gestalt hat, und eine, die wirklich Frucht hat, wie der gute Weizen; es gibt eine, die sich im Feuer in Nichts auflöst, und es gibt eine, die gerade im Feuer der Demütigungen nur desto tiefer gegründet, verherrlichet und verklärt wird, wie das durchläuterte Gold.
Welches ist denn nun die nachgemachte Demut? Die falsche Demut beweiset sich nur in demütig klingenden Worten, in demütig scheinenden Gebärden und Taten, fließt aber nicht aus einem gedemütigten Herzen.
Laßt mich frei und ehrlich reden, wie ein Nachfolger des Wahrheitskönigs tun soll! Viele derer, die Christen heißen wollen, bilden sich ein, das sei Demut, wenn sie nur immer recht volltönend „von ihren zahllosen Sünden, von ihrer unermeßlichen Schuld, von ihrer namenlosen Verderbtheit“ redeten, tüchtig den Kopf hängen ließen und ein sauertöpfisches Gesicht aufsetzten, das nach sieben Tagen Regenwetter aussieht; - wenn sie dagegen ferner das Gute, was etwa an ihnen ist, immer ableugnen vor andern und sich stellen, als ob sie nichts davon wüßten noch wissen wollten, während sie doch keinen süßeren Ohrenschmaus haben, als wenn man sie lobt.
Auch verstehen diese Leute ganz vortrefflich, auf ihre Tugenden und Großtaten das Gespräch zu bringen, nicht so grob und dumm, sondern fein schlangenklug, von hinten heranschleichend, indem sie sich über die Maßen - tadeln und vermaledeien… Und ich meine, ein lauteres, gedemütigtes Gotteskind hat gewiß schon immer einen Widerwillen, wenn ihm einer vorkommt, der sogleich mit der Tür ins Haus fällt und unaufhörlich von seinem inneren Elend und seiner Verdorbenheit redet.
Das ist ein fratzenhaftes Christentum… Wer immer bekräftigt, wie sehr er verdorben sei, wie sehr er sich selbst hasse, bei dem wird's gewiß mit der Demut nicht weit her sein. Wer wirklich den Jammer seiner Sünde in Mark und Bein fühlt, der ist auch zu keusch, um davon überall Lärm zu schlagen; außer wo er sich ein Wort der Zucht und ein Wort des Trostes holen kann, da mag er sich entdecken.
Ach, es gibt deren viele, die treiben nur Hochmut in ihrer Demut, und es findet sich sehr oft, daß diejenigen, die immer die Sündentrompete in der Hand haben, gar wild und zornig werden, wenn man sie über eine bestimmte Sündenhandlung oder über einen einzelnen Fehler anfaßt und das Kind beim rechten Namen nennt…
Im allgemeinen verfluchen und verabscheuen sie sich; macht man aber Ernst mit ihrem Bekenntnis, faß man sie darauf an, dann rückt das sanfte Lämmlein die versteckten Bockshörner heraus und richtet sich stolz in die Höhe auf die Hinterfüße: - „Wie? Ich - ich - ich - sollte so sein?“
Der alte Pastor Gottfried Daniel Krummacher selig kam einst zu einer Frau, die in ihren eigenen Augen ein vorzügliche Christin war von anderen. „Ich kann es Ihnen gar nicht sagen, lieber Herr Prediger (so fing sie gleich an), was für ein miserables, greuliches Geschöpf ich bin.“ - „Das glaub' ich auch!“ war die trockene und kühle Antwort des Menschenkenners. - „Wie, Herr Pastor, was haben Sie denn von mir gehört? Was haben Sie gegen mich?“ so schrie nun wie besessen das selbstgerechte Weib, die mit ihrem Sündengeschwätz den Pastor nur reizen wollte, sie recht zu loben!
Wer sich demütigen kann unter Gottes Hand und im Bewußtsein seiner eigenen namenlosen Unwürdigkeit - wer sich sagen lassen kann von Menschen, die es treu mit ihm meinen, ja auch aus der Verleumdung der Feinde das Körnlein Wahrheit heraussuchen - wer sich selbst aufgegeben hat und von sich selbst nichts mehr wissen will - wer einfältiglich Gott gibt, was Gottes ist, und sich selbst gibt, was ihm selbst zugehört - der ist demütig.
Demut, der Heiligen Kleinod - von Andrew Murray
Aller äußere Unterricht und alle persönlichen Bemühungen sind nicht imstande, den Hochmut zu überwinden oder ein sanftmütiges und demütiges Herz zu verleihen. Drei Jahre lang waren die Jünger in Jesu 'Schule und Unterweisung. Worin die Hauptsache bestehe und was er sie lehren wolle, hatte er ihnen gesagt: „Lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ Eine Weile danach sprach er zu ihnen, zu den Pharisäern und zu der Menge von der Demut als dem einzigen Wege zur Herrlichkeit Gottes.
Er lebte unter ihnen in seiner göttlichen Demut als Gottes Lamm und gab wiederholt Einblick in das innerste Geheimnis seines Lebens: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen, sondern daß er diene.“; „Ich bin unter euch wie ein Diener.“ Ihre Füße wusch er und sagte ihnen, sie sollten seinem Beispiel folgen. Und doch nützte all dieses nur wenig. Noch kurz vor dem heiligen Abendmahl stritten sie darüber, wer von ihnen der Größte wäre.
Zweifellos hatten sie oft versucht, ihre Lektionen zu lernen, und waren fest entschlossen, Jesus nicht wieder zu betrüben. Doch vergebens! Dies gibt ihnen und uns die sehr notwendige Lehre, daß keine äußere Unterweisung, kein noch so überzeugender Beweisgrund, kein Gefühl von der Schönheit der Demut, wie tief es auch sein mag, keine persönliche Entschließung und Anstrengung, wie aufrichtig und ernst sie auch wären, den Teufel des Hochmutes austreiben können.
Wenn der Satan den Satan austreibt, kommt er mit stärkerer, wenn auch mit mehr verborgener Gewalt wieder. Nur dieses allein kann helfen, daß die neue Natur in ihrer göttlichen Demut mächtig offenbar werde, um die Stelle der alten einzunehmen und unsere wahre Natur zu werden.
Nur durch den einwohnenden Christus können wir in seiner göttlichen Demut wahrhaftig demütig werden. Wir haben unseren Hochmut von einem anderen, von Adam; wir müssen auch unsere Demut von einem anderen haben. Der Hochmut ist unser und herrscht in uns mit solch furchtbarer Gewalt, weil er unser selbst, unsere Natur ist. Ebenso muß die Demut unser werden und unsere wahre Natur sein.
Alle Unterweisung, die Jesus seinen Jüngern gab, und alle ihre vergeblichen Bemühungen waren die notwendige Vorbereitung der Einwohnung Jesu in ihren Herzen, um in seineer göttlichen Kraft ihnen das zu geben und zu sein, was sie seiner Belehrung gemäß begehren sollten. Das Werk aber der Vorbereitung und Überführung, die Anregung der Sehnsucht und Hoffnung, die seine Unterweisung zustande brachte, wurde durch die mächtige Veränderung am Pfingstfest vollendet.
Das Leben und die Briefe der Apostel Jakobus, Johannes und Petrus bezeugen jene Veränderung und beweisen, daß der Geist des sanftmütigen und leidenden Jesus wirklich Besitz von ihnen genommen hat.
(Quelle: Gärtner - Eine Wochenschrift für Gemeinde und Haus 1907)
[gefunden auf glaubensstimme.de]
"Wenn er auch spottet über die Spötter, so gibt er doch den Demütigen Gnade."
"Auf Übermut folgt Schande, bei den Demütigen aber ist Weisheit."
"Die Furcht des HERRN ist die Schule der Weisheit, und der Ehre geht Demut voraus."
"Besser bescheiden sein mit den Demütigen, als Beute teilen mit den Stolzen."
"Vor dem Zusammenbruch wird das Herz des Menschen hochmütig, aber vor der Ehre kommt die Demut."
"Der Lohn der Demut und der Furcht des HERRN ist Reichtum, Ehre und Leben."
"Der Hochmut des Menschen erniedrigt ihn, aber ein Demütiger erlangt Ehre."
(aus dem Buch der Sprüche)


