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Apostelgeschichte Kap. 2-10 in fünfundzwanzig Predigten im Jahre 1873 gehalten;

5. Predigt - Apostelgeschichte 5,12-33 - gehalten den 22. Juni 1873 vormittags von H. F. Kohlbrügge

Lasset uns, meine Geliebten, mit einander aufschlagen Apostelgeschichte 5,12-33:

"Es geschahen aber viele Zeichen und Wunder im Volk durch der Apostel Hände, und waren alle in der Halle Salomos einmütiglich. Der andern aber durfte sich keiner zu ihnen tun, sondern das Volk hielt groß von ihnen. Es wurden aber je mehr zugetan, die da glaubten an den Herrn, eine Menge der Männer und der Weiber, also daß sie die Kranken auf die Gassen heraustrugen und legten sie auf Betten und Bahren, auf daß, wenn Petrus käme, sein Schatten ihrer etliche überschattete.

Es kamen auch herzu viele von den umliegenden Städten gen Jerusalem und brachten die Kranken und die von unsauberen Geistern gepeinigt waren, und wurden alle gesund. Es stand aber auf der Hohepriester und alle, die mit ihm waren, welches ist die Sekte der Sadduzäer, und wurden voll Eifers und legten die Hände an die Apostel und warfen sie in das gemeine Gefängnis.

Aber der Engel des Herrn tat in der Nacht die Tür des Gefängnisses auf und führte sie heraus und sprach: Gehet hin und tretet auf und redet im Tempel zum Volk alle Worte dieses Lebens. Da sie das gehört hatten, gingen sie früh in den Tempel und lehrten. Der Hohepriester aber kam, und die mit ihm waren, und riefen zusammen den Rat und alle Ältesten der Kinder von Israel und sandten hin zum Gefängnis, sie zu holen.

Die Diener aber kamen dar und fanden sie nicht im Gefängnis, kamen wieder und verkündigten und sprachen: Das Gefängnis fanden wir verschlossen mit allem Fleiß und die Hüter draußen stehen vor den Türen; aber da wir auftaten, fanden wir niemand darinnen. Da diese Rede hörten der Hohepriester und der Hauptmann des Tempels und andere Hohepriester, wurden sie über ihnen betreten, was doch das werden wollte.

Da kam einer dar, der verkündigte ihnen: Sehet, die Männer, die ihr in das Gefängnis geworfen habt, sind im Tempel, stehen und lehren das Volk. Da ging hin der Hauptmann mit den Dienern und holten sie, nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, daß sie nicht gesteinigt würden. Und als sie sie brachten, stellten sie sie vor den Rat.

Und der Hohepriester fragte sie und sprach: Haben wir euch nicht mit Ernst geboten, daß ihr nicht solltet lehren in diesem Namen? und sehet, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt dieses Menschen Blut über uns führen! Petrus aber antwortete und die Apostel und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen.

Der Gott unserer Väter hat Jesum auferweckt, welchen ihr erwürget habt und an das Holz gehängt. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden. Und wir sind seine Zeugen über diese Worte und der Heilige Geist, welchen Gott gegeben hat denen, die ihm gehorchen! Da sie das hörten, ging es ihnen durchs Herz und dachten sie zu töten."

Aus unserem Texte heben wir, meine Geliebten, hervor, was wir lesen am Schlusse des zwanzigsten Verses: „alle Worte dieses Lebens“. Das sind Worte des Engels des Herrn. Die Apostel sollten in den Tempel gehen und dem Volke, – denn die Obersten stießen sie ja zurück, – bringen alle Worte – es sagt der Engel nicht: alle Worte der Seligkeit, sondern: alle Worte dieses Lebens.

Es wird eurer Andacht aufgefallen sein, daß es alles Leben ist, was wir gelesen haben, ein gewaltiges Leben, dem nichts widersteht noch widerstehen kann, sondern das durch allen Widerstand hindurchdringt. Von diesem Leben spricht der Engel. Er selbst kennt dieses Leben für das Volk, und doch kennt er dieses Leben nicht aus Erfahrung; denn der Engel weiß aus eigener Erfahrung nicht, was Tod ist. –

Die Apostel waren, nachdem sie erst vor dem Rate gestanden, und der Rat sie bedroht hatte: sie dürften nicht mehr in dem Namen Jesu predigen, mit der Gemeine zusammengekommen, hatten zu dem Herrn gebetet, und dieses Gebet war so kräftig, daß das Haus, in dem sie waren, erschüttert wurde. Sie haben sich nicht an das Verbot gekehrt, sondern predigten und baten, der Herr möge ihre Predigt durch Zeichen und Wunder bekräftigen.

Nachdem durch den Heiligen Geist in der Gemeine die Zucht gehandhabt worden war wider die Lügner, Ananias und Sapphira, müssen die Apostel und die Gläubigen in der Gemeine wenigstens zwölf Jahre Ruhe gehabt haben. Aber das Leben brach inzwischen durch und brach immer mehr durch.

Eine Menge Männer und Weiber kamen zu diesem Leben. Da kann es denn der Hohepriester nicht länger aushalten; er und mit ihm die Sekte der Sadduzäer machen sich auf und werfen die Apostel ins Gefängnis. Da sie nun im Gefängnis liegen, scheint es mit diesem Leben aus zu sein; es hat aufgehört und ist erstickt, und der Tod herrscht und die Finsternis. Der Hohepriester und die andern Gottlosen liegen auf ihren Lagern und können nicht schlafen; sie ratschlagen, ein jeder für sich, was am andern Tage anzufangen sei.

Die Apostel liegen im Gefängnis, und das Gefängnis ist gut verwahrt. Nun kommt aber ein Engel in das Gefängnis, macht die Türe auf und spricht zu ihnen: „Gehet hin und tretet auf und redet im Tempel alle Worte dieses Lebens.“ – Etliche meinen nun, es müsse übersetzt werden: „Alle diese Worte des Lebens.“ Aber nein, es heißt: „Alle Worte dieses Lebens.“ Das Leben, welches der Engel meinte, wurde den Aposteln, so zu sagen, auf die Hand gelegt, darum: dieses Lebens.

Was ist das für ein Leben? Nun, wenn ein Engel in das Gefängnis hineinkommt, die Tür öffnet, sie hinausführt, die Türe wieder schließt, so daß von der Wache niemand es gewahr wird, – was für ein Leben war das für die Apostel, die in diesem Gefängnis nichts anderes erwarten konnten als den Tod?

Und wiederum zeigt dieses Leben sich siegreich, indem es die ganze Herrlichkeit und Heiligkeit des Volkes zusammenbringt, und dann zeigt, wie wahr es ist, was der Psalm sagt: „Der im Himmel wohnet, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer.“ Sie sind alle versammelt und wollen nun die Apostel aus dem Gefängnisse holen lassen, aber die Diener kommen und müssen sagen: „Wir haben niemand gefunden!“

Man hat in einem griechischen Dichter eine Fabel von einem Riesen, welchem von einem, der vorgegeben hatte, er heiße „Niemand“, das Auge ausgestochen worden war, und als nun seine Freunde kamen und ihn fragten: „Wer hat das getan?“ antwortete er: „Niemand hat es getan!“ So berühmt nun dieses Wort ist, so ist noch berühmter die Antwort dieser Diener: „Wir fanden Niemand.“

Da steht denn der ganze hohe Rat bestürzt und denkt: was soll das werden? Sie wurden darüber ganz betreten; denn leugnen konnten sie die Sache nicht. Der Engel hatte die Tür wieder zugemacht, auf daß sie um so mehr des inne werden sollten: kein Mensch hat es getan, sondern es ist die Hand des Herrn! Die Apostel, welche sie ins Gefängnis gelegt hatten, stehen ganz freimütig im Tempel und predigen dem Volke, als sei nichts geschehen.

Die Hohenpriester geben Befehl, die Apostel vor sie zu führen. Aber das Leben, das gewaltige Leben, bindet hier den Tod, es bindet ihm die Hände. Der Hauptmann mit den Dienern, die abgesandt waren, wagen es nicht, die Apostel mit Gewalt herzubringen; denn sie fürchteten sich vor dem Volk, daß dieses sie steinigen würde.

Als die Apostel vor dem hohen Rate erscheinen, spricht der Hohepriester: „Haben wir euch nicht mit Ernst geboten, daß ihr nicht solltet lehren in diesem Namen?“ – sie wollen ihn nicht einmal nennen! – „und sehet, ihr habt Jerusalem erfüllt mit dieser Lehre!“ „Ihr seid alle Aufrührer, ihr wiegelt das Volk auf; ihr bringet das Blut dieses Menschen auf uns und macht, daß das Volk uns endlich noch umbringt!“ –

So kann der Tod nur gegen das Leben schnauben und dem Leben vorwerfen, daß es töte und umbringe. Der Mensch, so lange er im Tode steckt, hat von dem wahrhaftigen Leben keinen andern Begriff, als daß es töte, und sein Tod ist ihm das Leben. –

Da nun diese hochwürdigen Herren sich so schmählich benehmen, daß sie nicht einmal den Namen des Herrn Jesu auf die Lippen nehmen wollen, so daß sie nur sagen: „Diesen Namen“, „das Blut dieses Menschen“, so stellen sich die Apostel hin in der Würde der Herrlichkeit und Heiligkeit ihres Herrn und sagen diesmal nicht wie früher: „Ihr Obersten des Volks und ihr Ältesten von Israel“, sondern sie sagen ganz einfach: „Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“ Ihr habt uns das befohlen; aber Gott hat uns durch seinen Engel befohlen, daß wir in diesem Namen lehren sollen. Da können wir euch nicht gehorchen!

Und nun spricht Petrus in vollem Freimut weiter: „Der Gott unserer Väter hat Jesum auferweckt, welchen ihr erwürget habt und an das Holz gehängt. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöhet zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden. Und wir sind seine Zeugen über diese Worte, und der Heilige Geist, welchen Gott gegeben hat denen, die ihm gehorchen.“

Damit zeugt ja Petrus von dem Leben, und daß so viele schon zu diesem Leben gekommen und teilhaftig geworden sind des Lebens, wovon der Engel im Gefängnisse zu den Aposteln gesprochen hatte.

Ich habe gesagt: dieses Leben kennen die Engel nicht, aber alle Engel freuen sich über dieses Leben und singen und sagen: „Ehre sei Gott in den Höhen, Friede auf Erden, an Menschen ein Wohlgefallen!“ und die Engel gelüstet in das große Geheimnis des Gnadenbundes, sich vornüberbückend, hineinzuschauen, – aber es ist ihnen zu tief. Die Tiefe der Verlorenheit, und wie der Allmächtige mit der Macht des Lebens in diese Verlorenheit hineinkommt, davon verstehen sie nichts.

Sie wissen nur, daß es da ist, und daß sie Geister und Feuerflammen sind, zum Dienste ausgesandt um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen (Hebr. 1,14). Sie wissen, daß sie starke Helden sind, wie es im 103. Psalme heißt: „Lobet den Herrn, ihr, seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seinen Befehl ausrichtet, daß man höre die Stimme seines Worts.“

Nun denket euch einige Zeit zurück, in jene Tage, da das ganze Volk schrie: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“, – und da der Herr ungekannt in Jerusalem war und über die Stadt weinen mußte. Der Herr Jesus hat durch Wunder und Zeichen bewiesen, daß er von Gott dem Vater gesandt sei, hat gepredigt und alles getan, was die Propheten von ihm gesagt hatten, hat sogar Tote auferweckt; aber das Volk war dennoch tot geblieben.

Als nun aber die Zeit erfüllet war, fünfzig Tage nach der Auferstehung des Herrn, gibt Gott seinen Heiligen Geist und mit diesem Geiste das Leben, so daß am ersten Tage dreitausend, und hernach wieder zweitausend Seelen zu der Gemeine hinzugetan wurden. Und das Leben bricht immer stärker und stärker durch.

Den Armen wird das Evangelium gepredigt, und sie kommen zu diesem Leben; aber die Reichen, Gewaltigen, Mächtigen, Weisen, Gelehrten bleiben stecken in ihrem Tode; und das nicht allein, sondern sie verfolgen das Leben auch, wo sie können. Das gehört aber mit zu den Merkmalen dieses Lebens: es muß angefochten werden, es soll die ganze heilige Welt sich aufmachen, die ganze mächtige, reiche Welt, um dieses Leben zu ersticken!

Nun haben wir aber dagegen den gewaltigen Trost in der Apostelgeschichte: sie haben es nicht vermocht! Je mehr sie ihre Macht und List zuhauf gebracht haben, um so mehr sind sie zuschanden geworden, um so mehr ist ihre Machtlosigkeit und die Machtlosigkeit ihres Drohens an den Tag gekommen.

Wenn Gott das steinerne Herz nicht wegnimmt und gibt ein fleischernes Herz, so ist und bleibt der Mensch ein Stein, und es soll auch hier an den Tag kommen, daß, wo man nicht bei Zeiten achtet auf das, was man sieht und hört, und wovon man erkennt, daß es Gottes Wahrheit ist, der Teufel in den Menschen fährt, so daß der Mensch sich mehr und mehr verstockt, und dem Leben nach dem Leben stellt.

Als die Apostel predigten: „Gott hat Jesum auferweckt und durch seine rechte Hand erhöht, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden“, – statt nun mit beiden Händen zuzugreifen und zu erkennen: diesen Jesum hat Gott uns zu einem Fürsten und Heiland gemacht, – verstocken sie sich so sehr, daß, wenn nicht Gamaliel mit seinem Rat dazwischen gekommen wäre, so würden sie die Apostel auf der Stelle getötet haben.

Aber dieser hohe Gelehrte, der wohl wußte, wie die Sache stand, machte es, wie so viele Leute, welche die gute Wahl nicht tun wollen, und sagte zu dem hohen Rate: „Man kann es nicht wissen! es wäre doch möglich, daß diese Sache von Gott wäre; und wenn es nun wäre, so würde euch euer Vorhaben nicht gelingen, und zweitens würdet ihr erfunden werden als solche, die wider Gott streiten!“

Da dachten sie: Nun, das hat gute Wege! Sie stehen jedoch für den Augenblick von ihrem Vorhaben, die Apostel zu töten, ab, bedecken aber die lieben Apostel mit Geißelhieben, lassen sie also ihre Wut fühlen und bedrohen sie nochmals, nicht mehr in diesem Namen zu lehren.

Allein du kannst das Leben nicht festhalten oder in Bande legen, Geißelhiebe helfen auch nichts, vielmehr werden die Apostel darüber hoch erfreut, sehen es nicht an als einen Schimpf, sondern als eine hohe Ehre, und lachen ganz himmlisch wie die Engel, daß sie gewürdigt worden sind, um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden. Das ist eine einzige himmlische Freude!

Wer es kennt, weiß, wie köstlich es ist, um des Namens Jesu willen geschmäht zu werden! Ist das nun nicht Leben? Und dieses Leben will Gott geben, und er verkündigt es. Gott hat dieses Leben. Als er den Menschen schuf aus einem Erdkloß, hat er ihm von seinem Geiste eingehaucht. Es kam die Sünde dazwischen, es kam der Tod dazwischen, aber Gott hat das Leben, und seine Menschenkinder sollen das Leben haben.

Darum ist es verkehrt von Gott gedacht und eine große und schwere Sünde, wenn man in seinem Tod und seiner Feindschaft wider Gott, der einem das Leben gönnt, verharrt, wenn man sich nicht zu Gott, dem lebendigen Gott wendet, dem Herrn die Ehre nicht gibt und ihm nicht Leib und Seele, den ganzen Lebensweg, die ganze Zukunft in die Hände legt.

Es ist eine schwere Sünde von Gott also zu denken: „Ich kann mich ja immer noch zu Gott bekehren! das ist so ein saures Stück, da ist kein Vergnügen drin! laß mich noch erst die Sünde genießen und die Welt! wenn ich einmal alt geworden bin, dann ist es noch immer Zeit, mich zu Gott zu bekehren!“ Das sind alles verkehrte Gedanken von Gott. So herrlich kann das Blau des Himmels nicht sein, als Herrlichkeit in Gott ist, um einen armen Menschen herrlich zu machen.

So schön kann die Sonne nicht auf und untergehen, als in Gottes Herzen eine Schönheit ist, um einen Menschen damit zu bekleiden. So können die Sterne alle zusammen nicht strahlen, als in Gottes Herz alles strahlt von Licht, um Menschen mit solchem Lichte zu erfüllen.

Der Engel spricht: „alle Worte dieses Lebens“, und ist erfüllt von der großen, großen Barmherzigkeit Gottes; denn wenn die Engel auch aus eigener Erfahrung diese Barmherzigkeit nicht kennen, so wissen sie doch recht gut, daß das Verderben des Menschen so tief ist, daß, wenn Christus Jesus nicht sich selbst in diese Tiefe hineinbettet, niemand daraus emporsteigt, und wenn nicht der Heilige Geist kommt und macht den Menschen lebendig, so bleibt er in seinem Tode.

Das wissen die Engel. Wenn daher der Engel spricht: „alle Worte dieses Lebens“, so spricht er von der Barmherzigkeit Gottes, von allem dem, was in Gottes Herzen ist. Aber kein Mensch begreift etwas von seinem großen Tode, worin er steckt, so lange es ihm nicht geoffenbart wird. Dazu dient aber eben das Wort, und wenn durch das Wort der Mensch dazu kommt, seinen großen Tod anzuerkennen, dann kommt dasselbe Wort und haucht das Leben ins Herz. Wer kommt dann in das Herz hinein?

Gott selbst als Vater, als versöhnter Gott und gnädiger Vater. Das ist Leben! Wer kommt in das Herz hinein? Jesus Christus selbst mit seiner Liebe und Gewogenheit! Er tröstet den armen Menschen, daß er vor und nach Vergebung der Sünden hat in seinem Blute, und er reinigt den Menschen vor und nach mit seinem Blut und seinem Geist. So lebt der König in dem Herzen des Menschen, und der Mensch erfährt, welch ein glücklicher Untertan er unter diesem Könige ist, – und erfährt, welch ein glückliches Kind er bei diesem Vater ist. Wer kommt dann ins Herz hinein?

Der Heilige Geist, der göttliche Tröster, und er hilft dem Menschen wider seine große Schwachheit, wider seinen großen Tod, er hilft dem Menschen und trocknet ihm die Tränen ab, die Tränen über sein großes Verderben. Er hält dem Menschen den lieben Vater vor, daß er des Vaters Kind ist und alles alles ererben wird, was der Vater hat, – und den Herrn Jesum, wie er am Kreuze alles vollbracht hat.

Alle Worte dieses Lebens sollen die Apostel predigen. Dazu hat Gott seinen Sohn Jesum durch seine rechte Hand erhöhet, nachdem er ihn von den Toten auferweckt hat, und hat ihn gemacht zu einem Fürsten und Heiland (V. 31). Als Fürst gibt der Herr Jesus Buße. Buße – das ist nicht dasselbe, was Traurigkeit und äußere Werke, wie das Wort „Buße“ so in der römischen Kirche verstanden wird, sondern es ist etwas Freudiges.

Glaubt mir, ein Kind ist bestimmt glücklich am Busen der Mutter, wenn es sich da ausweint und seine Schuld bekennt! Das ist köstlich, wo ein Kind unter Tränen sein Herz ausschüttet, und wird dann von der Mutter herzlich umarmt und geküßt. Und das ist Vergebung der Sünde. So gibt der Herr Jesus als Fürst und König Buße, daß man es vor ihm bekennt: „Mein Herr Jesus, ich habe von Kindheit auf gesündigt, daß ich dir die Ehre nicht gegeben habe, daß ich mich habe festhalten lassen in dieser vergänglichen Welt, in diesem Tode!“ Da offenbart sich dann der Herr in seiner königlichen Huld, und Gnade.

Er gibt Buße, d. i. er gibt es, daß das Herz, welches von Natur so verkehrt ist wider Gott und wider dieses Leben, wahrhaftig verändert wird, um Gott die Ehre zu geben. Er offenbart sich in seiner königlichen Huld und Gnade und als Heiland darin, daß er Sünde vergibt, d. i. daß er die Sünde von dem Menschen hinwegnimmt, sie austilgt wie einen Nebel und ihrer nicht mehr gedenkt. Gott hat Jesum auferweckt, nicht um uns zu richten und zu verdammen.

Hier wird niemand ausgeschlossen, als wer sich selbst ausschließt. Gott hat seinen Sohn nicht gegeben im Zorn, sondern in ewiger Liebe, und er hat seinem Sohne das Leben gegeben, auf daß wir in seinem Sohne das Leben hätten, wovon der Engel gesprochen. Aus euch selbst kommt ihr nicht zur Buße, und aus euch selbst schafft ihr euch nicht Vergebung der Sünden.

Das sollt ihr nicht denken, daß ihr mit eurem Vorhaben etwas ausrichtet! Wir bedürfen eines Heilandes, welcher Heiland ist und bleibt, und eines Königs, welcher fortwährend das Herz, das arme Herz, wenn es sich verstocken will, mit seinem Blute knetet und mürbe macht. – Tut Gott das nun mittelbar oder unmittelbar? Mittelbar! denn der Engel sagt: „Redet alle Worte dieses Lebens.“ Also dieses Leben kommt zu einem Volk und in eine Gemeine auf den Flügeln des Wortes.

Da soll kein Wort verschwiegen werden von den Millionen Worten des Trostes, welche Gott Vater für sein Kind hat. Kein Wort soll verschwiegen werden, auch dem Verkehrtesten nicht, ob er noch dahin kommen möchte, daß er seine Verkehrtheit erkenne und komme zur Buße und Vergebung der Sünden. Man hat es wahrlich erfahren in der Apostelgeschichte an Saulus. Die Worte sollen gepredigt werden.

Biete auf, was du willst, gegen dieses Leben, das Leben Gottes, du wirst doch erfahren, daß dieses Leben dir zu gewaltig ist. Das hat ein jeder erfahren, welcher dieses Leben kennt, daß es ihm zu stark geworden ist; denn der Mensch verpanzert sich, so lange er kann, und wird gewiß alles aufbieten, um dieses Leben zu töten, alles unter dem Scheine von Frömmigkeit, wie diese hochheiligen Leute. Aber es hilft dem Teufel nichts, daß er wider diese Predigt sich auflehnt.

Das Wort bricht sich immer wieder Bahn, und es wird kein Wort verschwiegen, es dem ärmsten Menschen ans Herz zu legen: „Ach, deute doch andere Dinge von deinem Gott, als du tust. Hat er nicht seinen lieben Sohn gegeben? Denke doch, von wem du alles hast! von wem du Kleidung hast und gesunden Leib, – von wem du es hast, daß du augenblicklich die Predigt hörst!

Mit deiner Frömmigkeit hast du es doch nicht erworben, sondern Einer ist da, welcher das Bedürfnis wirkt, und der das Wort bringt!“ Meine Lieben! legen wir doch unsere argen Gedanken von Gott ab! Wir sind Sünder, und es kommt aus uns nichts Gutes. Wenden wir uns zu ihm, so wie wir sind, wider Not und Tod und Sünde, auf daß wir es erfahren, daß es kein herrlicheres Leben gibt, kein ruhigeres, fröhlicheres, seligeres Leben, als das Leben, wovon er hier uns den Anfang gibt, das Leben mit dem Herrn Jesu. Amen.

(Quelle: licht-und-recht.de)


 

"Aber viele von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig, und die Zahl der Männer stieg auf etwa 5 000." (Apg. 4,4)