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Apostelgeschichte Kap. 2-10 in fünfundzwanzig Predigten im Jahre 1873 gehalten;

3. Predigt – Apostelgeschichte 3,1-19 gehalten den 8. Juni 1873 vormittags von H.F. Kohlbrügge

Geliebte in dem Herrn Jesu Christo! Das größte aller Wunder, welches der Herr tut, ist, daß er einen Toten lebendig macht, einen Verkehrten bekehrt, daß er das Herz verändert und einen Menschen, welcher in Adam tief gefallen ist, wieder aufrichtet und zu seinem Ebenbild erneuert. Darum ist das Gedächtnis der Ausgießung des Heiligen Geistes, das wir auf Pfingsten begehen, so herrlich, wenn es uns nämlich nicht um das Wissen zu tun ist, sondern um wahrhaftige Bekehrung.

Denn das war doch ein Wunder, daß an einem Tage dreitausend Menschen, von denen vielleicht etliche kurz zuvor noch geschrieen hatten: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“, durch die Predigt so getroffen wurden, daß das Wort Petri ihnen durchs Herz ging, als sie vernahmen, daß sie ihren König und Herrn gemordet hätten, – so daß sie aufschrieen: „Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?“

Solche Wunder tut Gott der Herr bis auf den heutigen Tag meist im Stillen und Verborgenen, indem zu der Predigt des Evangeliums seine herzverändernde Gnade hinzutritt. Dazu kamen, namentlich in den ersten Tagen nach der Ausgießung des Heiligen Geistes, die sichtbaren Wunder, welche immer eine Predigt seiner unsichtbaren Gnade waren, die bei den Auserwählten alles wiederbringt und wiederherstellt, was sie in Adam verloren haben.

Von einem solchen Wunder, welches er bald nach Ausgießung des Heiligen Geistes wirkte, lesen wir Apostelgeschichte 3,1-19:

"Petrus aber und Johannes gingen miteinander hinauf in den Tempel, um die neunte Stunde, da man pflegte zu beten. Und es war ein Mann, lahm von Mutterleibe, der ließ sich tragen; und sie setzten ihn täglich vor des Tempels Tür, die da heißt: die schöne, daß er bettelte das Almosen von denen, die in den Tempel gingen.

Da er nun sah Petrum und Johannem, daß sie wollten zum Tempel hineingehen, bat er um ein Almosen, Petrus aber sah ihn an mit Johanne und sprach: Siehe uns an! Und er sah sie an, wartete, daß er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle! Und griff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf.

Alsbald standen seine Schenkel und Knöchel fest, sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk wandeln und Gott loben. Sie kannten ihn auch, daß er es war, der um das Almosen gesessen hatte vor der schönen Tür des Tempels, und sie wurden voll Wunderns und Entsetzens über dem, das ihm widerfahren war.

Als aber dieser Lahme, der nun gesund war, sich zu Petro und Johanne hielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, die da heißt Salomos, und wunderte sich. Als Petrus dies sah, antwortete er dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber? Oder was sehet ihr auf uns, als hätten wir diesen wandeln gemacht durch unsere eigene Kraft oder Verdienst? Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat sein Kind Jesus verklärt, welchen ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilato, da derselbe urteilte ihn loszulassen. Ihr aber verleugnetet den Heiligen und Gerechten und batet, daß man euch den Mörder schenke; aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten, des sind wir Zeugen.

Und durch den Glauben an seinen Namen hat er an diesem, den ihr sehet und kennet, bestätiget seinen Namen, und der Glaube durch ihn hat diesem gegeben die Gesundheit vor euren Augen. – Nun, liebe Brüder, ich weiß, daß ihr es durch Unwissenheit getan habt, wie auch eure Obersten. Gott aber, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat, wie Christus leiden sollte, hat es also erfüllt. So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilget werden."

Es war um die dritte Nachmittagsstunde. Da ging das Volk hinauf in den Tempel. „Hinauf“ heißt es, weil der Tempel auf einem Berge war. Gott der Herr hatte durch Moses den Befehl gegeben, es solle jeden Morgen früh bei Sonnenaufgang ein Lamm geschlachtet werden samt einem Speisopfer.

Man fing also des Morgens früh mit dem Lamme an, in welchem die Gläubigen von jeher das Lamm Gottes erkannt haben, welches der Welt Sünde trägt, und ist uns das eine Lehre, um jeden Morgen beim Aufstehen zu beginnen mit dem Lamm, entweder: „O Lamm Gottes, unschuldig“, – oder: „Das Blut Jesu Christi“, – oder: „Er hat uns erkauft mit seinem Blute, als dem Blute eines unbefleckten Lammes“.

In der Abendstunde um drei Uhr wurde abermals ein Lamm geschlachtet, und so schloß man jeden Tag wieder mit dem Lamm. Petrus und Johannes gingen miteinander um diese Abendstunde hinauf in den Tempel. Wozu? Das steht nicht dabei. Es heißt wohl: „da man pflegte zu beten.“ Petrus und Johannes sind hinaufgegangen, wie die Menschen in die Kirche zu gehen pflegen.

Daß sie etwa Gelegenheit suchten, den Samen des Wortes Gottes auszustreuen, oder Fische zu fangen, wie der Herr sie ja zu Menschenfischern gemacht hat, davon steht hier nichts. Machet euch von den Menschen, wie sie auch heißen, keine andere Vorstellung, als was Salomo schon gesagt hat: „Was auch von einem gesagt kann werden, es ist bekannt, daß er ein Mensch ist“ (Pred. 6,10).

Aber hier haben wir das Wunder der Gnade, daß Gott sich solcher Menschen bedient, um jedesmal zu seiner Zeit und Stunde, wann, wie und wo er will, eine Gelegenheit zu schaffen, daß er durch Menschen verherrliche den Namen Jesu Christi, und da bedient sich denn der Herr Gott sehr oft äußerlicher Veranlassungen, um so durch das Äußerliche das Innere darzustellen, und dann tut er das gewöhnlich so, daß es wohl wahr ist, was wir lesen Jes. 65,1: „Ich werde gesucht von denen, die nicht nach mir fragten; ich werde gefunden von denen, die mich nicht suchten; und zu den Heiden, die meinen Namen nicht anriefen, sage ich: hier bin ich! hier bin ich!“

An des Tempels Türe, welche hieß „die schöne“, und durch welche, um ihrer Schönheit willen, die meisten Leute gingen, saß ein Lahmer. Er war aber nicht in der Weise lahm, daß er nach menschlichem Denken wieder hätte gesund werden können, sondern er war von Mutterleibe lahm. Da war nichts mehr zu helfen. Man trug ihn darum jedesmal an die schöne Tür. Es war ein armer, armer Mann. Er konnte nicht gehen, nicht stehen, nicht arbeiten, – er bettelte an der Tür des Tempels um Almosen.

Was tut der Mann da? Ja, er sitzt und bettelt um ein Almosen. O wie wunderbar doch Gott alles in seiner Hand hat! Dieser Mann, welcher so lahm und als ein Krüppel hier an der Türe sitzt, wird alsbald eine schöne Tür aufschließen in den Tempel Gottes. Das hätte niemand gedacht, der den armen Menschen da sitzen sah, daß Gott sich desselben bedienen würde. Ehren wir Gottes Geschöpf, wie es auch aussieht, und sei es ein Bettler, – man kann es nie wissen!

Sei’s der arme und ärmste Bettler, der am Wege sitzt, – Gottes Geschöpf ist Gottes Geschöpf, und wenn es auch im tiefsten Elend liegt. Gott, der Herr, weiß recht gut, was er tut. Es ist nicht das erste Mal, daß Gott das Geringste genommen, um daraus das Größte zu machen. Meine Geliebten! Wir drehen das gewöhnlich um, Gott aber nicht.

Petrus und Johannes gehen in den Tempel hinauf. Was wollen sie tun? Ich kann es nicht sagen. Nur so viel weiß ich: es waren viele Leute im Tempel, es war der Priester da, welcher das Lamm opferte; die Leute waren zusammengekommen, um zu beten; sie waren nicht im Konzert oder Theater, sondern es waren in ihrer Art fromme Menschen, sie haben Gott gedankt für seine täglichen Wohltaten, ihn vielleicht um Erbarmen angefleht, ohne daß sie doch ein Verständnis hatten von ihrer wirklichen Sünde, von ihrer Verlorenheit. Es war unbekehrtes Volk.

Sie wußten viel, da sie von Kindheit an in der Heiligen Schrift unterwiesen waren, aber doch waren es unbekehrte Menschen, und sie dachten weiter an nichts. Und da an der Türe sitzt nun der arme Mensch und denkt weiter auch an nichts; er läßt sich nicht in den Tempel bringen, um zu beten, sondern tagtäglich wurde er an die Tür des Tempels gebracht, um daselbst ein Almosen zu betteln.

Hatte er dann seine Almosen von den Leuten bekommen, dann wurde er wieder nach Hause getragen, und war dann glücklich, wenn er viel erhalten hatte. Wir haben hier also einen Bettler, welcher an nichts anderes denkt als an das Almosen; – wir haben hier Leute im Tempel, die an nichts anderes denken, als wie sie mit Gottes Hilfe durch das Leben kommen, die aber nicht daran denken, daß sie vor kurzem noch die bösesten Dinge getan haben.

Das sagt ja Petrus zu dem ganzen Volk im Tempel, V. 15: „Den Fürsten des Lebens habt ihr getötet“. Es waren also diese Leute Mörder – mit Händen, welche zwar äußerlich gewaschen waren, an welchen aber das Blut des Heiligen und Gerechten, des Kindes Gottes, Jesu klebte. Sind Petrus und Johannes in den Tempel hinaufgegangen in der Absicht den Lahmen zu heilen? Durchaus nicht, sie haben daran gar nicht gedacht, sie haben nicht einmal daran gedacht ein Almosen für ihn mitzunehmen, obgleich sie ihn doch schon öfter gesehen hatten. Der Mann blickte aber nach den freundlichen Gesichtern und dachte, die würden ihm wohl etwas geben.

Er ist der Erste, sieht zuerst den Petrus und Johannes, sie hatten nicht auf ihn geachtet, aber da sie hineingehen, bittet er sie um ein Almosen. Jetzt gehen Petro die Augen auf. Aber was anfangen? Sie haben beide keinen Groschen bei sich, um dem Manne etwas zu geben. Mit einem Mal überfällt den Petrus und Johannes die innerliche Barmherzigkeit Gottes. „Siehe uns an“, spricht Petrus zu ihm. Er blickte auf sie in der Erwartung, daß er etwas von ihnen bekommen würde, aber so hat es Petrus nicht gemeint.

„Siehe uns an“, du sollst mal die Augen auftun und in unsern Augen lesen, was wir dir gönnen und geben wollen. Der Heilige Geist kommt auf Petrus und Johannes und erfüllt sie mit dem Verlangen, diesen Menschen völlig herzustellen. Darum sagt Petrus: „Silber und Gold habe ich nicht.“ Was wollte Petrus ihm denn geben? Das wollte er ihm geben, daß er nicht mehr sollte Almosen betteln müssen. Das war ein fürstlicher Gedanke, wie denn Petrus und Johannes Fürsten Gottes waren.

Sie wollen dem Lahmen in Wahrheit wieder auf die Beine helfen. „Silber und Gold habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir!“ Wie hatte Petrus das? Hatte er es zu seiner jedesmaligen Verfügung, daß er nach Willkür so etwas tun konnte? Nein, das hat er nie in eigener Macht gehabt, er hat es nie nach eigener Willkür tun können. Wenn er sagt: „Was ich aber habe, das gebe ich dir“, so hatte er in seinem innern Geiste das Gefühl, daß ihm diese Macht gegeben sei durch den Heiligen Geist.

Es war bei unserm lieben Herrn und Heilande Jesu Christo auch so. Er hatte es nie in eigener Gewalt oder Willkür, sondern da ist einmal ein Weib, das erfaßt ihn bei dem Saum seines Kleides, und, heißt es dann: er fühlte, daß eine Kraft von ihm ausging. So kommt es nie von den Menschen an sich, sondern der Herr Gott tut es durch den Dienst der Menschen, welchen er den Geist des Glaubens und die innigsten Gefühle der Barmherzigkeit schenkt.

Meine Teuersten! Wenn man inwendig ein Krüppel und lahm ist, wenn man inwendig blind, inwendig aussätzig ist, dann hat man gewiß Mitleiden, wenn man äußerliches Leid sieht, indem man, zugleich dem Herrn für seine Barmherzigkeit dankend, spricht: „Was unterscheidet mich?“ und man hilft, wo man immer helfen kann. Petrus hat es also nicht in eigener Willkür, sondern die Kraft des Geistes war auf ihm und verherrlichte den Namen Jesus.

Was sprach der Apostel? Sagte er: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth befehle ich, daß deine Schenkel und Knöchel fest stehen“? – Nein, das sagte er nicht. – Ja, aber wie kann denn der Mann aufstehen, wenn seine Schenkel und Knöchel nicht fest sind? Petrus sagt: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle.“ Aber der Mann hat ja keine gesunden Beine und Füße! Er muß doch erst gesunde Beine und Füße haben, wenn er aufstehen soll! Ja, das geht hier wie bei der Schöpfung.

Heißt es denn auch: „Im Anfang war Himmel und Erde, und dann kam das Wort“? Oder heißt es nicht vielmehr: „Im Anfang war das Wort, und durch dieses Wort ist alles geschaffen“? (Joh 1,1 ff.) – Nachdem Petrus gesagt hatte: „Stehe auf und wandle“, ergreift er den Lahmen bei der rechten Hand, und – sinkt er zusammen? Nein, Petrus richtet ihn auf, und indem er ihn aufrichtet, alsbald stehen seine Schenkel und Knöchel fest. Wer hat das getan? Petrus?

Petrus hatte dem Manne gegeben, was er empfangen hatte, aber es war nicht Petri Kraft, Gottseligkeit oder Verdienst, sondern er spricht: „Im Namen Jesu Christi von Nazareth“, das ist mit andern Worten: auf dessen Befehl; wie wir sagen: Im Namen des Königs. Was hat es also bewirkt? Der Befehl Jesu Christi. Welcher Befehl? Das Wort: „Stehe auf und wandle!“ Petrus sprach zwar das Wort, aber während er es sprach, war es des Herrn Jesu Christi Wort, das Wort des Heiligen Geistes.

Sonst hätte Petrus hundert mal sagen können: „Stehe auf und wandle“, der Mann wäre doch sitzen geblieben. – „Jesus Christus von Nazareth.“ Allgemein war der Herr Jesus Christus bekannt unter dem Namen „der Nazarener“. Das galt bei dem Volke als ein Schimpfname, indem sie ihn für einen Verführer hielten; wie noch bis auf den heutigen Tag die Gerechten durch gute Gerüchte und durch böse Gerüchte gehen müssen, als die Verführer und doch wahrhaftig, als die nichts Habenden und die doch viele reich machen, als die Unbekannten und doch bekannt (2. Kor. 6,8.9).

Als der Nazarener wurde er gefangen genommen, vom Sanhedrin und Pilatus zum Tode verurteilt, aber als der Nazarener ging er aus Tod und Grab wieder hervor. (Vgl. Mk. 16,6.) Und indem sich Gott nun erbarmt, wessen er sich erbarmt, und gnädig ist, wem er gnädig ist, so hält er diesen Jesum Christum von Nazareth seinen Mördern vor als ihren Heiland, auf daß manche in sich schlagen und ausrufen möchten: „Ach Gott, was habe ich getan!“ Darum der Name: der Nazarener.

Der Bettler hatte von diesem Namen ohne Zweifel schon oft gehört. Wenn die Leute an ihm vorbei in den Tempel gingen, war von ihm oft die Rede gewesen als von einem Verführer und Gotteslästerer, und ein „Nazarener“, das war auch für ihn wie ein Wort zum Ausspeien. So könnt ihr euch die Dinge vorstellen.

Und nun kommt die Predigt: „Jesus Christus“ – Jesus, das ist einer, der alles wiederbringt, was verloren war, – ein Fürst, der über Tod, Teufel und Hölle regiert und Leben und Unverderblichkeit schafft, – ein Wiederhersteller des Verdorbenen, dessen, was so verwickelt und verwirrt ist, daß kein Engel es wieder instandsetzen kann.

Er fragt nicht danach, ob blind und verkrüppelt von Mutterleibe an, – wo alles verdorben ist, da verherrlicht er seinen Namen. Und Christus, das ist: der König, der Hohepriester und der Lehrer, dessen Wort Tat ist, dessen Wort wirkt, was es sagt. – Der lahme Bettler war allen Leuten bekannt. Sie hatten ihn oft gesehen an des Tempels Tür. Nun kommt er in den Tempel hinein, in die weite schöne Halle, welche man der früheren Halle nachgemacht und darum Halle Salomos genannt hatte.

Da strömt nun das Volk zusammen; denn der Mann hüpft und springt. – „Der Lahme wird löcken wie der Hirsch“ – das hatte ja der Prophet gesagt (Jes. 35,6). Und so hüpft und springt der Lahme denn, lobt den Herrn und hält sich zu den beiden Aposteln, klammert sich gleichsam an dieselben an, und so ist denn die Gemeinschaft der Heiligen da mit einem Mal. Das Volk sieht dies und denkt: „Was ist das? was ist hier vorgegangen? wie ist der Lahme gesund geworden? und was sind das für Leute, mit denen er sich unterhält? das sind ja Galiläische Fischer! sollten diese ihn geheilt haben?“

Es drängt sich dann das Volk herzu und umsteht den Lahmen und Petrum und Johannem; sie wollen doch hören, was das sei, was das bedeute. „Haben denn diese Männer“, fragen sie untereinander, „eine solche Kraft, eine solche Heiligkeit, um ein solches Wunder zu tun?“

Und indem sie sich nun so wundern und fragen, tut Petrus, da er das Volk sieht, den Mund auf. Petrus und Johannes haben aber nicht etwa eine Predigt gleichsam in der Tasche bei sich geführt, sie sind auch nicht mit der Absicht, um zu predigen, in den Tempel gegangen, sondern sie gingen hinauf als Menschen, als Juden, welche sich an die heiligen Gebräuche hielten und gehalten haben, so lange bis Gott selbst den alten Kasten abgebrochen und ins Feuer geworfen hat.

Aber eben da gibt nun Gott die Veranlassung zu einer der gewaltigsten Predigten, welche nach dem Pfingsttage gehalten worden sind. – „Ihr Männer von Israel“, so redet Petrus das Volk an. Dieser Israel sprach einmal: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ 1. Mo. 32,26. „Ihr nennt euch nach diesem Israel, was wundert ihr euch darüber? oder was sehet ihr auf uns, als hätten wir diesen wandeln gemacht durch unsere eigene Kraft oder Verdienst?“

Hört es, meine Lieben! Wenn vor Zeiten ein Papst gewählt wurde, setzte man ihn auf einen steinernen Stuhl, und es kam alles Volk und bettelte um ein Almosen. Dann sprach der Papst: „Gold und Silber habe ich nicht.“ Darauf setzte man ihn auf einen andern Stuhl, und das Volk kam wieder und bettelte; des Papstes Diener aber erhielten Säcke und streuten daraus Kruzifixe und dergleichen aus, und dann wurde ausgerufen: „Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt! Er streuet aus und gibt den Armen; seine Gerechtigkeit bleibet in Ewigkeit.“ – So wurde da mit Gottes Wort gespielt.

Petrus und Johannes aber sagen: „Wir haben keine Kraft und Verdienst“, und wenn der Herr Jesus ihnen Macht und Kraft gegeben hat, so wußten sie, daß sie dies nicht in ihrer Willkür hatten. Petrus sagt auch nicht: „Es ist kein Wunder, daß Gott uns dies gegeben; ihr sollt daraus erkennen und glauben, daß wir seine rechten Propheten und Apostel sind.“ Wenn nun aber Petrus und Johannes sagen, daß sie keine Kraft und kein Verdienst haben, dann denke ich, können wir uns wohl auch bescheiden, daß unsere Kraft und unser Verdienst es auch nicht tut.

Nun kommt weiter die Predigt: „Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter“, – der also Wort und Treue hält, der dem Abraham gesagt hat: „In deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Dieser Gott hat ein Kind, und von diesem Kinde könnt ihr lesen Ps. 2: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget.“ Gott hat sein Kind Jesus, sein Liebstes, was er hatte, um deswillen alles, was Kind heißt, was aber an sich ein Kind des Zornes war, in Gnaden angenommen wird, nachdem er es erst dahingegeben hat, verklärt.

„Sein Kind Jesus“ – meine Liebsten, das ist, um in den Grund zu sinken, um in Staub und Asche sich zu demütigen und anzubeten! „Sein Kind Jesus!“ Das ist genug, um zu leben und zu sterben. „Sein Kind Jesus“ – so ist er Vater, hat ein Kind, gibt dieses Kind dahin, und dieses Kind bringt alles wieder, und der Vater verklärt es. Nachdem Petrus ihnen dies gesagt, läßt er sie weiter vernehmen: Ihr seid Mörder dieses Kindes!

Pilatus, der Heide, urteilte, ihn loszulassen, ihr aber habt es durchgesetzt, habt gewütet wider Gott, wider seine Gnade und Barmherzigkeit, wider sein Kind, habt getötet den Fürsten des Lebens. Und dennoch habt ihr damit nichts anderes getan, als was nach Gottes Rat geschehen sollte, und was er darum auch zuvor verkündiget hat. So ist der Mensch in seinem Hasse ein Mörder Gottes, und nachdem er ihn gemordet, steht Gott wieder auf, reicht ihm die Hand und spricht: „Bekenne deine Sünde und bekehre dich zu mir, ich will dir alles vergeben! bekenne und bereue nur, was du getan hast!“

So vergibt Gott Sünde und Schuld, aber wer von uns faßt es? Das ist nicht den Juden allein gesagt, daß sie den Herrn Jesus getötet haben, das gilt auch uns; denn was tut ein Mensch anderes, der sich nicht bekehrt und nicht bekehren will, der den Namen Jesu nicht anruft, der den Morgen nicht beginnt mit dem Lamm und den Tag nicht schließt mit dem Lamm, um damit durch die Nacht zu kommen?

Geliebte! Es sieht im Grunde mit uns entsetzlich aus. Aber herrlich sieht es aus droben im Herzen des Vaters, vor dem Stuhl des Lammes. Gott kommt mit der Predigt: Tut Buße, wendet euch um, dreht mir nicht länger den Rücken zu, sondern schauet mein Angesicht! kommet zu mir, so wie ihr seid! Wieder gut machen, was ihr verbrochen habt, daß ihr wider euer eigen Heil und Seligkeit gestritten, könnt ihr nicht, aber flehet um Gnade, auf daß ihr die Gnade ergreifet, die Gnade dessen, durch dessen Name dieser Krüppel gesund gemacht worden ist.

Was hat es denn also getan? Der Name Jesu Christi von Nazareth. In diesem Namen reicht Petrus ihm die Hand und richtet ihn auf. Dieser Name tut es, der Glaube an diesen Namen. Der Lahme fragt nicht lange danach, ob er Kraft und gesunde Beine habe. Petrus spricht zu ihm, und der Lahme steht auf. Das Wort, das Wort, das ergreift ihn; das Wort wirkt es, daß die Hand, die dürre Hand des Glaubens ausgestreckt wird, um sich zu halten an diesen einzigen Namen, so daß du mit einem Mal hüpfst und springst und Gott lobst, bis die Engel kommen und tragen dich heim! Amen.

(Quelle: licht-und-recht.de)


"Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder? Da sprach Petrus zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.

Und noch mit vielen anderen Worten gab er Zeugnis und ermahnte und sprach: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht! Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und es wurden an jenem Tag etwa 3000 Seelen hinzugetan. Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten." (Apg. 2,37-42)